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Im Visier 2319

Zugrunde liegender Roman: Titus Müller - Die Siedler von Vulgata

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Vorwort

Mit ein ganz klein wenig Verzögerung…

Nachdem diese „Visier“ genannten heimtückischen Anschläge auf
Integrität und Inhalt der Perry-Rhodan Serie nur noch sehr
sporadisch erfolgen, halte ich folgenden „Widerruf“ für masochistisch
veranlagte ‚Neu’-Leser der Postille für notwendig:

Dem Nörgler von sorglosem Naturell stehen keinerlei interne
Informationen zur Verfügung. Alle auftretenden Personen
existieren tatsächlich, wenngleich von Namen und Beruf
abgesehen, nicht in unserer Welt. Damit sind namentlich
oder indirekt angesprochene Autoren de facto ebenso
Kunstgeschöpfe wie ihre Schöpfungen im Perryversum. 

Spitze oder gar böse Bemerkungen dürfen als Angriffe auf
den literarischen Output verstanden werden, der aber
nie mit der Person, dem Menschen, hinter diesem Output
verwechselt werden soll und darf.

__

Aufgrund der „religiösen“ Thematik des vorliegenden Romanes
erlaube ich mir einen recht lockeren Umgang mit möglicherweise
sensiblen theologischen und kirchlichen Begriffen und
Überzeugungen. Wer sich dabei möglicherweise verletzt
fühlen könnte, möge sich die folgenden Zeilen, ohnehin nur
halbgares Gefasel, ersparen.

__

Aufgrund aktueller unschöner Vorgänge habe ich schweren
Herzens auf die Illustration meines Geschreibsels mit
vielen selbst gezeichneten  Karikaturen verzichtet.

##

Plot:

Irgendwo auf einem planetaren Kaff in einer Galaxis gar
nicht so weit weg von der großen Negasphäre…
Nackte Flüchtlinge suchen bei in Lumpen gekleideten
Evangelisten der traurigen Gestalten sichere Verstecke
unter Strohtristen und den Reifröcken jungfräulicher
Minestranten.
Die nachkommenden Hightech-Späher und Jäger der 
unbesiegbaren  Brigaden TRAITORS fragen höflich (für
Mitglieder der Ganz-bösen-Buben-Fraktion) nach dem
schnellsten Weg aus dem Roman und eventuell
und zufällig unlängst vorbeigekommenen Deserteuren.

Unser Held schreibt zwischendurch an seinem großen
Reiseführer über die Senkgruben und Jauchekanäle seiner
Heimat, natürlich nur anhand eigener Erfahrungen, hat
seine Lernschwierigkeiten mit den 667 ganz wichtigen 10
Geboten seines Gottes und ein paar Meinungsverschiedenheiten
mit seinem etwas unwilligen Schwiegerpapa, der im Nebenjob
hauptberuflicher Sprecher Gottes, Oberpriester und sadistischer
Mörder ist. Die LFT beliefert unseren mordlüsternen Kleindespoten
dankenswerter Weise mit praktischen Handfeuerwaffen,
ohne sich weiter in die Geschicke der galaktischen Hillbillies
einzumischen.
Und als das Kuddelmuddel auf Seite 55 eine Tragödie
unabdingbar zu machen scheint, haben Güte und Milde des
Autoren ein Einsehen und tippen zielstrebig auf das wohl-
verdiente Happy-End auf Seite 60 zu.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

Wie es dazu kam

Wie schon das eine oder andere Male haben meine V-Männer
mir einige brisante Unterlagen zukommen lassen, die einige
Schlüsse ziehen lassen, wie es zu dem aktuellen Gastroman
der PR-Serie gekommen ist, wie die Auswahl des Gastautoren
erfolgte und welche Tendenzen wir zukünftig für die Serie
zu erwarten haben:

„Gottes Gruß, mein lieber Benedikt.
Ich lege Eurer Eminenz hiermit das neueste Exemplar unserer
Großen Katholischen Heiligenserie zur gefälligen Ansicht vor.
Eure Zustimmung vorausgesetzt werden wir ab sofort
die Broschüren in allen Gotteshäusern Deutschlands im
Rahmen des sonntäglichen Gottesdiensts für wohlfeile
Spenden an die dichtenden Mönche anbieten.
An einer lateinischen Ausgabe wird, unter Hochdruck,
bereits gearbeitet. Unser bewährter Übersetzer ins und vom
Arkonidischen wird zurzeit umgeschult und sollte in
wenigen Gebetseinheiten die notwendigen Sprachkenntnisse
erworben haben…“

Auszug aus einer privaten Enzyklika eines uns nicht gänzlich
unbekannten Redakteurs an…. na ihr wisst schon…

Weitere Auszüge der üblichen Kommunikation zwischen Redaktion
und Gastautor der Serie  „Papa Rhodan I“ (*1):

 
„Redakteur meiner,
der du bist in Rastatt.
geschmeichelt werde dein Name,
dein Scheck komme,
dein Auftrag geschehe,
wie für Eschbach
so auch für Müller.
Amen.

Unser tägliches Expose gib uns heute,
und vergib uns unsere Grammatik,
wie auch wir
vergeben unserem Thesaurus,
und führe uns nicht in Schreibblockaden,
sondern erlöse uns von Datenblättern,
denn dein ist der Verlag,
und der Scheck und der Termin,
in zwei Wochen.

Redakteur meiner,
der du bist in Rastatt...“

--

„Gastautor meiner,
der du bist ohne Auftrag,
angelockt werde dein Name,
dein Manuskript komme,
dein Inhalt sei Kanon,
wie geschrieben,
so auch gedruckt.
Amen.

Dein fälliges Werk gib uns noch heute,
und vergib mir mein Drängen,
wie auch wir
vergeben die Löcher im Plot.
und führe uns nicht in fremde Gefilde,
sondern erzähle von Perry und Gucky,
denn dein ist die Story,
und der Zorn von den Lesern,
im Forum und Usenet.“

 

(*1)  Die Namensänderung soll zur diesjährigen
Buchmesse offiziell verkündet werden.

--

Antwort des außerordentlichen Nuntius für Fragen
periodischer Fortsetzungen des Alten und Neuen Testaments
in zeitgemäßen Ausgaben für Kioske und Bahnhofsbuchhandel,
zu Händen des frommen Vikars Klaus von Frick, in Antwort
auf sein Ansuchen an den Heiligen Stuhl.  [siehe oben!]

„Rastatt terra fecunda est. Tamen: Quod licet Benedikt non licet Frick…

[Anweisung für eine eventuelle Verfilmung dieses Visiers: Kamera
nähert sich dem Nuntius, der sein Schreiben laut vorliest, Großaufnahme
sich bewegender Lippen, Ton und Stimme werden kurz leiser und
undeutlich, Kamera fährt zurück, und Ton und Stimme werden wieder
laut und deutlich, nur jetzt in deutscher Sprache, allerdings mit
deutlich österreichischem Akzent…]

…wiewohl der Heilige Stuhl in Rom einer Zusammenarbeit unserer
missionarischen Heilsverkünder durchaus nicht abgeneigt ist, sind
da dennoch mannigfaltige Differenzen und Auslegungsinterpretationen
der Schriften im Vorfeld eingehend abzuklären und zu beheben.

Die zeitgemäße und opportune Übersetzung in klassisches
Kirchenlatein ist zwar eine nicht verhandelbare Grundvoraussetzung,
jedoch werden hierfür ausreichend geschulte Jungkleriker vom
Vatikan zu Verfügung gestellt, die auf diese Art und Weise für ihre
Verfehlung beim gottlosen Surfen im heidnischen Internet Buße
durch sprachliches Geschick anstelle Selbstgeißelung tun
können.

Leicht zu beheben sollte einige inhaltliche Unstimmigkeiten und
offensichtliche Falschaussagen in ihrem „Evangelium der Zukunft“
sein.

Ersatzlos zu streichen und aus den Annalen zu streichen sind alle
Erscheinungen und Auftritte dieses ES genannten göttlichen
Usurpatoren. Weder ist ES einer der neun Milliarden Namen
Gottes, noch gehörte er oder es jemals zu irgendeiner Erzengel-
Fraktion. Als offensichtlicher Betrüger gibt er oder es somit ein
denkbar schlechtes Heilsbild ab und widerspricht einem der
signifikantesten der 10 Gebote.

Als wesentlich authentischer wirkenden Mittler zwischen
menschlichen Protagonisten und göttlichen Eingebungen nehme
ich mir die Freiheit, den Heiligen Geist © vorzuschlagen. Gegen
eine geringe Lizenzgebühr an den Rechteinhaber des Neuen
Testamentes kann ich hier und jetzt Gastauftritten des besagten
Geistes in ihren Periodika ein päpstliches Edikt erteilen.

Die Kugelform als weltliches Abbild der göttlichen Sphäre soll
und darf weiterhin Vorlage für ihre mechanischen Hilfsmittel
zur Überwindung des göttlichen Weltenraumes sein. Allerdings
missfallen dem Heiligen Vater immer wieder auftauchende
Textzitate, in denen ketzerisch unserer Erde und allen Gestirnen
eine lächerliche Kugelform zugewiesen wird. Es wird von
uns ausdrücklich gefordert, diesen Unfug hintanzustellen und
sich an unsere gesicherten, wohlfeilen Überlieferungen zu halten.

Als noch größere Ketzerei sehen wir uns gezwungen alle
Andeutungen und Erwähnungen untergegangener Menschenreiche
anzusehen. Insbesondere die Zeitreisen genannten Dislokationen
ihrer unsterblichen Heilsbringer in mythische Vorzeiten sind
nichts anderes als Irrlehren und teuflische Eingebungen. Nicht
einmal ihr fiktiver Papst Rhodan I. könnte 50.000 Jahre in eine
Vergangenheit reisen, die nie existiert hat. Es sollte ihrer
gelehrten Bildung schließlich nicht entgangen sein, dass Gott
die Erde, das Universum und den Rest am 4.März des Jahres
9.889 vor Christi Geburt erschaffen hat. Lemurer, Haluter,
Suprahet und all diese Kindermäre, galaktische Kokons und
Jahrzehntausendschläfer sind als offensichtlich falsche Details
nur dazu geschaffen, die eigentliche Botschaft zu verschleiern,
bzw. den geifernden Widersachern ihres Evangeliums billige
Angriffsflächen zu bieten.

Den Gipfel der Geschmacklosigkeiten müssen wir in diesem
pseudoreligiösem Zwiebelschalenmodell der Entwicklung
erkennen. Wären wir, die Vertreter unserer Institution, nicht
alleine durch Ihr Ansuchen bereits vom Gegenteil überzeugt,
müssten wir ja in Betracht ziehen, dass Sie insgeheim der
längst überholten Lehre dieses Darwins anhängen und
Ihnen die wahren kreationistischen Wahrheiten fremd sind.

Ein wahrer christlicher Held ist es sich und an seinen Anhängern
selbstredend schuldig den Trug und Hohn hinter solchen
teuflischen Einflüsterungen zu erkennen und mit aller
Kraft dagegen anzukämpfen. Das Loslösen des päpstlichen
Helden Rhodan I. von den Verlockungen Luzifers am
falschen Berg der Schöpfung war ein erster Schritt. Ein
Nächster wird zweifellos demnächst erfolgen, wenn etwa
diese unnütze Waringer-Akademie in eine Ausbildungsstätte
von Opus Dei umgewandelt wird.

[Überspringen wir die nächsten 7548 Änderungswünsche]

… bleibt noch darauf hinzuweisen, dass ein sensibler Umgang
mit diesen angeblich vernunftbehafteten Außerirdischen, die
sichtlich nicht nach Gottes Antlitz erschaffen worden sind,
ausdrücklich eingefordert wird,  und es weiters nicht gerne
gesehen wird, wenn durch andauernde Erwähnungen
so genannter Schwarzer Löcher und Risse im Raumzeit-
Kontinuum indirekte Kritik oder gar Zweifel an Gottes
perfekter Umsetzung der Schöpfung und deren Reparatur-
unanfälligkeit geübt wird.

Ad roma
Kurt Krenn, Nuntius zbV, i.R.

PS. Der Heilige Vater hat über die Abenteuer des braven
Elefanten Norman sehr gelacht und wünscht mit aller
gebotenen Bescheidenheit noch viele weitere dieser
erheiternden Parabeln über wahre Freundschaft und
Größe zu lesen.

--

Telefonmitschnitt aus einem Büro in Rastatt nach Eintreffen
des Päpstlichen Schreibens:

„Den Notarzt! Die Rettung! Schnell! Es geht um Leben und Tod!
Er bekommt keine Luft mehr! Nein, keine Vergiftungserscheinungen.
Unser Redakteur hat nur einen vermeintlichen Leserbrief
geöffnet…  [im Flüsterton] Und vielleicht auch einen Priester… für
den Fall des Falles…  OOOH, MEIN GOTT, ER HAT MICH
GEHÖRT…. ER GEHT AUF MICH LOS….   DIE POLIZEEIIIIII….“

 

Von weiteren Preisen...

Der C.S. Lewis Preis scheint nur der Auslöser einer Lawine von
Preisen für ausgezeichnete Publikationen im Rahmen der PR-
Serie gewesen zu sein.

So sind unter anderem die folgenden Depeschen in der PR-
Redaktion angelangt:  

„Freuen wir uns Ihnen mitteilen zu dürfen, dass ihr Kollege
H.G. Francis für den diesjährigen WILLIAM GIBSON Preis
Für einen herausragenden Roman über informationsverarbeitende
Systeme nominiert wurde. „Die Tributschmiede“, PR 2153,
über die Einführung eines galaktischen Steuereintreibungs-
programmes zeugt von tiefem Verständnis über Entwicklung,
Codierung, Regressierung und Implementierung komplexer
KI-Systeme…“

--

„Astronomie Heute“ zeichnet für seine anschaulichen Berichte
über kosmische Topografien und relativistische Effekte im
Makrokosmos zum ersten Mal einen Autoren belletristischer
Bestseller aus…“

--

„…beinhaltet diese Auszeichnung des Duden-Verlags nicht
nur eine Erwähnung des Preisträgers im Jahresalmanach
sondern auch die Benennung unserer neuen Lexikons für
Heraldik nach eben dem Preisträger.  Sein in der Reihe
„Perry Rhodan – der Historiker des Universums“ erschienener
„Almanach der Arkonidischen Adelsgeschlechter“ muss als
Meilenstein der aufzählenden Literatur gelten. Hier durchbricht
kein störender Spannungsbogen, keine überflüssige Erzählung
die pure Inspiration der Informationsdarstellung….“

--

„Es ist uns ein besonderer Lachkrampf, den Karl 2006 [*] erneut
an unseren Wiener Freund und Autor zu übergeben. Schade
ist nur, dass sein diesjähriges Programm weder auf der
Kleinbühne noch auf sonstigen Brettern, die die Welt
bedeuten, genossen werden kann. Dieses Privileg genießen
nur die Leser der humoristischen Schmonzette „Perry Rhodan –
der Comedian des Universums“. Und es war nicht leicht,
für einen Autoren einer anderen Muttersprache sich gegen
die hauseigene Konkurrenz von Elefanten, Affen, sprechenden
Socken und im Walde herumstehenden Pilzen zu behaupten…“

 

[*] für eher nördlich gelegene Leser: Den „Karl“ gibt es tatsächlich,
und der hier namentlich nicht genannte Autor dürfte schon eine
kleine Sammlung davon sein eigen nennen.

--

„…und der diesjährige Diamantene Rechenschieber für
originelle mathematische Verhältnisrechnungen vom Rand der
siebten Dimension wurde von mit absoluter Mehrheit von vier
unserer neun ständigen Jurymitglieder vergeben an Herrn
von Donnerbeutel…“

--

„…der Enid Blyton Memorial Award für die Darstellung
hormongesteuerter Pubertierender geht zu gleichen Teilen
an Robert Feldhoff und Michael Nagula für ihre überzeugenden
Charakterisierungen von Sternenbastarden und Ameisenkolonien.
Wobei der Vorsitzende der Jury insgeheim zugeben muss,
von seinem Erstgeborenen durch wiederholte Drohungen
„solange die Luft anzuhalten, bis…“ ein klein wenig
beeinflusst worden zu sein…“

--

„Es ist uns eine große Freude, Sie als Redakteur der Publikation
Perry Rhodan am 10. Dezember dieses Jahres zum alljährlichen
Bankett nach Stockholm einladen zu dürfen…“

[Holt den Notarzt! Wo ist der Defillibrator? Er hat schon wieder
einen Anfall! Man sollte ihm das Lesen von Briefen vielleicht
grundsätzlich verbieten. Aha, der ist sogar auf Pergament
gedruckt, mit Waschsiegel und Wappen…

„…wo Ihnen  der Vorsitzende des Literaturausschusses seinen
persönlichen Dank aussprechen will, weil sie durch wiederholte
Zuteilung so genannter ‚Gastromane’ an Andreas Eschbach weitere
seiner verunglimpfenden Schauergeschichten über die Verteilung
der jährlichen Nobelpreise verhindern.  Das Komitee ist auch gerne
bereit, sich an den Honoraren für _diese_ Romane zu beteiligen…“

--

„…wird der oxtornische Staatspreis für die Darstellung absolut
fremdartiger Aliens an Frank Borsch für seine Schilderung der
in der Übersetzung leider falsch als „Oxtorner“ angegebenen
Fremdwesen in seinem Parallelweltepos „PAN-THAU-RA“
verliehen…“

 

... und weiteren Gästen

Nach all den längst überfälligen Ehrungen sind abschließend noch
ein paar Worte zur verantwortungsvollen Aufgabe, geeignete
Gastautoren zu finden, auszuwählen, zu überzeugen, bzw.
möglichst höflich abzuwimmeln, angebracht.

„Meine sehr verehrte Frau Rowlings,
natürlich schmeichelt mir und uns in der Redaktion der größten
SF-Serie der Welt  (von der europäischen Verfassung einmal
abgesehen) ihr Angebot, mit einem kleinem Roman von
höchsten 900 Seiten einen bescheidenen Beitrag zu leisten.

Nach Durchsicht ihrer als Referenz angegebenen Romane um
den angeblich so talentierten und wunderbaren Berufsjugendlichen
Harald Potter, sind wir allerdings übereinstimmend zu der
Entscheidung genommen, dieses schmeichelhafte Angebot
_nicht_ anzunehmen.

Eine Figur wie dieser Potter passt einfach nicht in unsere Serie.
Von zweifelhafter Herkunft, von Zieheltern aufgezogen, angeblich
der beste Student einer absoluten Eliteschule seiner Zunft,
augenscheinlich eine Art Verbindung zwischen zwei Welten,
von denen eine von den Lesern als „gut“, die andere als „böse“
angesehen werden soll. Muss sich im direkten Zweikampf einem
sehr nahen Verwandten stellen. Von zwei unerschütterlichen
Freunden abgesehen eher ein Einzelgänger. Lässt sich mit
Tieren wie Drachen ein. Wird überraschend nicht ausgewählt,
an einem fragwürdigen Einsatz in einem Turnier genannten Neuland
teilzunehmen.

Bei allem Respekt, so eine Figur scheint uns einfach nicht wohl
genug durchdacht zu ein. Natürlich könnte man dem Jungen, um
über diese Defizite ein wenig hinwegzutäuschen, ein Haustier
zur Seite stellen, etwa einen kleinen, herzigen Elefanten. Leider
scheint aber eine artgerechte Elefantenhaltung in den zugigen,
kalten Gemäuern dieser angeblichen Eliteschule nicht möglich
zu sein.

Zudem sind Kollateralschäden zu befürchten, wenn unsere hauseigenen
Jugendlichen Trim, Startac, Benjamin, Marc und Tiff zufällig auf
die importierte Konkurrenz stoßen.“

--

„So gerne ich einen Roman aus ihrer Feder im Rahmen unserer
Publikation sehen würde, Peter, ist es doch so, dass unser Held
Rhodan weder beim Elfmeterschuss noch bei einem solchen über
Elf Millionen Kilometer irgendwelche Spuren von Angst zeigt. Mit
Hilfe geeigneter Schutzschirme ist er ohnehin in der Lage, sein
Tor, im gegenständlichen Fall die Erde, recht gut selbst gegen
Steilflanken und Pässe abzusichern.

Auch die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt haben wir bereits
besucht und so gut verschlossen, dass eine Rückkehr dorthin nicht
mehr möglich ist.  Totgeborene Sätze verbiete ich als leitender
Redakteur ohnehin jedem meiner Autoren, so etwas kommt mir nicht
in die Hefte hinein.  Einen Hausierer als Protagonisten könnte ich
mir allerdings gut vorstellen, nur steht zu befürchten, dass der von
unserer neu angesiedelten Camorra schnell um die Ecke gebracht
werden würde. Die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, sind
seit ES’ Abgang ebenfalls vorbei. Und für falsche Bewegungen, vor
allem im Raumschiffsverkehr, sorgt mein lieber Arndt, dessen Manuskripte
mir zudem deutlich günstiger kommen. Mit der linkshändigen Frau
sprechen sie sicher Ascari ein, leider hat diese längst ihr Schicksal
erteilt, und unsere Leser reagieren sehr unwirsch auf Auferstehungen.
Mit ihren weiteren Materialien zu nichts Bestimmten kann ich wenig
Anfangen. Das Gewicht der Welt trägt unser Perry schon, in den
Letzten Tagen hat er da viel Übung gehabt. Über die Dörfer berichtete
erst dieser Tage Horst Hoffmann, und die Geschichte des Bleistifts
dürfte schwer in einen Actionroman umzusetzen sein. Nach dem Himmel
über Wien könnte der Himmel über Berlin doch zu sehr an eine
Wiederholung erinnern. Woher Sie allerdings wissen, dass unsere
neuen Raumjäger Hornissen heißen werden, ist mir ein Rätsel. Auch
ein Jahr in der Niemandsbucht kann sich keiner unserer Helden zurzeit
leisten, und den Abschied des Träumers vom Neunten Land hat Willi
Voltz schon vor zwanzig Jahren geschildert. Was den Bildverlust
betrifft, möchte ich unsere Leser lieber nicht zu sehr an die
anstehende Verfilmung erinnern.“

--

„Liebe Elfriede, nachdem unser Leo ein gutes Wort für sie eingelegt
hat,  und auch Ernst bestätigt hat, dass ein Nobelpreis-Banner am
Titelbild geringfügig mehr Werbewirksamkeit als ein C.S. Lewis
Hinweis haben könnte, habe ich mir Ihre Vorschläge durch den
Kopf gehen lassen. Eine Klavierspielerin können wir leider nicht
in die Serie einbauen, da Rainer kein dementsprechendes Datenblatt
in seinen Archiven hat, und durch die HI der Betrieb eines
solchen Apparates nicht mehr möglich ist. Und obwohl Dirk Schulz
Feuer und Flamme für „Die Liebhaberinnen“ war und schon ein
Paar Titelbildentwürfe abgeliefert hat, erklärten sich weder Mondra
noch Bre bereit, entsprechende Rollen auszufüllen. Allerdings
könnte Mondra sich selbst als ‚Tierliebhaberin’ sehen. Falls ihr
Manuskript in diese Richtung abgeändert werden kann…?
Den Tod und das Mädchen haben wir in der Vergangenheit schon
einige Male praktiziert, ein weiteres Mal könnten uns sowohl unsere
drei weiblichen Leser als auch die bereits angesprochenen Mondra
und Bre extrem übel nehmen.  Deswegen greifen wir dann doch
lieber auf ihr Treatment zu den ‚Ausgesperrten’ zurück. Ein Drama
der Chaoskolonne TRAITOR, die aus dem Solsystem ausgesperrt
ist…“

--

„Lieber Thomas Bernhard, obwohl wir bereits einen Stammautor
Vorweisen, der sich um Selbstmörder, Kranke und angeblich
Verrückte kümmert, sehen wir sowohl auf der Erde und in der
Hölle durchaus Potenzial. Unter dem Eisen des Mondes hat sich
zwar Nathan angesiedelt, aber einen Weltverbesserer können wir
immer gut gebrauchen. Ich hoffe, mit dem Ignoranten und
Wahnsinnigen meinen Sie keinen unserer verehrten Leser,
obwohl…
Es ist ihnen hoffentlich bewusst, dass es in Terrania keinen
Heldenplatz gibt, und das ein Druckverbot eines Rhodan-Romanes
nicht einmal für Österreich in Frage kommt. Obwohl… hmm…
unter Umständen das eine überlegenswerte Idee sein könnte…“

--

„Lieber Wolfgang Hohlbein, vielen Dank für die zugesandten,
fertig ausgearbeiteten 8.000 PR-Manuskripte. Ich habe unsere
Stammautoren bereits in den längst verdienten Urlaub geschickt
und die nächste Autorenkonferenz für September 2118
angesetzt. Falls Sie natürlich bis kommende Woche weitere
3.000 Manuskripte nachreichen können…“

##

 

Verlassen wir hiermit unsere tapferen Macher von der wahren
Front des Perryversums. Es rufen ohnehin die Glocken zum
Gebet.

PS.

Diese Verunglimpfungen wurden zugegebener Weise unter dem
Einfluss verbotener Dopingsubstanzen wie Schokolade und
Koffein erbracht. Trotz der fragwürdigen Herkunft des Nörglers
weißt er aber jedwede Gerüchte um Blutdoping oder die
Verwendung zellularer Nanos zurück.

 

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Positives:

Seid nett zueinander, vermehret euch ausgiebig, aber bitte diskret
zwischen den Kapiteln, lobet den Herrn, und es dürfen auch ruhig mehr als 10 Gebote sein, gebt Fremden, die an eure Tür klopfen,
ein Bett zum Schlafen, oder zumindest ein Versteck unter dem
Bett, selbst wenn sie ein ganz klein wenig aus dem Mund stinken,
und zuallererst… baut endlich eine vernünftige Kläranlage.

Positive Botschaften, lange vor Erscheinen des Heftes schon werbewirksam und plakativ angekündigt; positive Werte, die ein friedliches Zusammensein propagieren sollen; christliche Werte in einer recht unchristlichen Ära der PR-Historie und einer ebenso recht unchristlichen Leserschaft, die mehr zur hehren Kritik und bösem Raunzertum neigt als  zu Milde, Gnade, Verzeihen und bescheidenes Übergehen kleiner harmloser Autorenfehler, die ja auch nur kleine Sünder vor ihrem Herrn sind.

Das Evangelium der NGZ, vielleicht nicht gleich vergleichbar mit der Genesis oder dem Buch Moses, aber wenn es nach dem Heiligen Orden des Lewis geht, der Beginn des Ganz Neuen Testaments und ein unerschöpflicher Fundus für die künftigen Sonntagspredigten in den  vielen Gotteshäusern Terranias und der LFT. Da werden dann die Werte und Grundsätze vermittelnden Parabeln mit so salbungsvollen Sätzen wie: „In diesem Fall sind wir des Todes“, „Die Glocke hat geläutet“ und „Warum konnten wir nicht beim Zirnenbaum bleiben?“ eingeleitet werden.

Und da steh’ ich nun, ich armer Nörgler, zugegeben, durchaus ein wenig klüger als zuvor, und soll es wagen, all das Positive, das Gute, das Edle, das Preiswürdige in Abrede zu stellen?

(Ein Griff zur Hasenpfote, oder doch lieber einmal kurz bekreuzigen?)

Es ist der beste aller Gastromane, es ist der schlechteste aller Gastromane; ich müsste mich nur entscheiden können!

Zugegeben, keine Ankündigung eines Gastromans hat bisher ähnlich negative Vorurteile ausgelöst. Ein mir unbekannter Autor, was so häufig, gerade im Genre, auch nicht vorkommt. Bekannt durch Historienromane. Und obendrein will der Autor - oder der
Roman, da will ich aufgrund der Ankündigung mal ein Fragezeichen lassen – christliche Werte vermitteln.  Ein vollmundiges Versprechen, das sofort eine Abwehr- und Trotzreaktion auslöst. Abenteuerheftln, auch wenn sie im Äther der Sterne spielen, sind denkbar schlecht geeignet, irgendwelche Werte an die Leser weiterzugeben. Schon gar keine positiven.
Und zudem ist die Erinnerung an die Sektierer des letzten Zyklus noch ziemlich wach. Und ein starker Beleg, wie schlecht manche Themen sich in Rhodan konforme Geschichten umlegen lassen.

Nein, meine Erwartungshaltung war eindeutig negativ, und der Nörgler in mir auf ein Fiasko eingestellt.

(Viele wenig erbauliche Sätze in einem „Positives“ überschriebenen Abschnitt, aber…)

Das Fiasko blieb aus, der Holzhammer und allfällige Missionierungsversuche an arglosen PR-Lesern blieben eingepackt. Über weite Teile war das Heft gut und angenehm zu lesen, lieferte ein paar schöne Momente und Stimmungen, die im üblichen Alltag des Perryversums selten sind.

Der Autor zeigte sich als jemand, der in „seinem“ Genre zu Hause ist, und auch auf knappen Raum eine Welt samt Bewohnern erschaffen kann.

Nein, das war nicht das erwartete Debakel. Und wieder einmal ein guter Beleg, wie vorsichtig man mit seinen Vorurteilen umgehen sollte.

Die „Schreibe“ (um statt eines Austriazismus mal einen deutschdeutschen Ausdruck zu verwenden) hat mir ganz gut gefallen, der Erzählfluss war angenehm, und den einen oder anderen Absatz habe ich regelrecht genossen.

Von einem nach Expose geschriebenen Heftroman auf das Talent schlechthin oder die Bandbreite eines Autoren zu schließen, ist sicher gewagt, aber falls ich mich mal in eine mittelalterliche/
neuzeitliche Historie verirren möchte, kann ich mir gut vorstellen,
bei einem Titus Müller Roman zu landen.

 

Neutrales:

Der Autor ist einer, der in seinem Genre zu Hause ist. In seinem
Genre.  Die Science Fiction ist das aber nicht. Nicht, wenn ich den PR-Roman 2319 als Grundlage nehme.

Die Stimmung und Beschreibung der kleinen mittelalterlichen Siedlung waren passend, soweit ich das als jemand, der in _diesem_ Genre der mittelalterlichen Historie nicht besonders bewandert ist, sagen kann.

Mehr als nur einen Hauch Unwirklichkeit bekam die Welt von Vulgata allerdings dann, wenn der geforderte Science Fiction  Anteil Einzug ins Mittelalter hielt.

Die Rhodan spezifischen Begriffe, Gadgets und Hintergründe sind wohl mit dem Expose mitgeliefert worden, und Titus Müller hat sich diesem Pflichtprogramm auch nicht verweigert. Er hat uns keinen „Mogel“-Roman geboten, der im letzten Absatz den Feigenblattverweis auf das Perryversum liefert. Trotzdem waren die „Einbrüche“ der Rhodan-Realität in seine Weltenschöpfung spürbare Fremdkörper, mit denen er sich m.E. nicht so richtig wohl fühlte.

Die „Logik“ der mittelalterlichen Dorfhandlung mag halbwegs stimmig sein, das pseudochristliche Regime für die knappen Seiten, die dafür zur Verfügung standen, eine vorstellbare Gesellschaft bilden. Über die LFT- Minimalcharaktere und die famosen Abtrünnigenjäger der Kolonne werde ich aber später unter Negatives noch einiges Unschöne zu sagen haben.

Wie schon einmal kurz (was ich halt so unter ‚kurz’ verstehe) anmerkte, fehlen mir bei Perry Rhodan seit längerer Zeit ein wenig die „waschechten“ Science Fiction Autoren. Bei zu vielen Stammautoren sehe ich eigentliches Interesse und Begabung eher auf anderem Gebiet. Und die Auswahl der letzten Gastautoren verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Der SF-Gehalt des „Eisernen Finger Gottes“ war faktisch null. Und obwohl _das_ diesmal sicher nicht zutrifft, lässt sich nicht überlesen, dass Herrn Müllers Herzblut weder in den SF Bereichen noch ins Perryversum-Setting des Romans geflossen ist.

Über SF-Fernsehserien sei er zur SF gekommen, heißt es in seiner kurzen Biographie, über Isaac Asimov und C.S. Lewis.

Mit der Überheblichkeit eines Lesers behaupte ich mal, dass Fernsehserien, die völlig legitim natürlich nahezu ausschließlich auf eine hohe Quote ausgerichtet sind, nicht eben State-of-the-Art des Genres sind. Und sehr oft ein regelrecht falsches oder irreführendes Bild davon liefern, was das Genre zu bieten hat.

Die Perelandra-Trilogie von Lewis ist ohne Zweifel ein Klassiker, ob es auch ein Eckpfeiler im etwas strenger definierten Genre ist, wage ich anzuzweifeln.

Ein Gigant im Genre, wenn auch nicht im streng literarischen Sinn, ist der gute Doktor Asimov. Seine Romane aus den goldenen und silbernen Zeitalter der Science Fiction sind Standardwerke des Genres.

Dennoch vermittelt mir diese biografische Referenz den Eindruck, dass die Bandbreite des Titus Müller, was die SF betrifft, recht schmal ist. Und ihm vielleicht nicht die Vorbilder aber doch die Vergleiche und das angelesene Wissen über das Genre ein wenig abgehen.

Die nicht dem Stamm ehemaliger Rhodanschreiber angehörenden  Gastautoren, so scheint es mir, sind ein durchaus funktionierendes Kalkül des Marketings, entsprechen einer verständlichen Vernunftehe: Der Verlag und die Serie profitieren von Autorennamen am Cover, die anderswo in literarischen Gefilden ihre Meriten schon erhalten haben und locken damit Leser an, die ihren Autoren auch in ein artfremdes Genre folgen. Und die
Autoren selbst dürfen sich einem immer noch sechsstelligen Publikum vorstellen und erreichen eine Leserschaft, die außerhalb seltener Bestseller im TB/Hardcover-Bereich kaum möglich sind. Und die ihrerseits nach weiteren Veröffentlichungen eines nunmehr geläufigen Autorennamens Ausschau halten könnten.

Als Schwerpunktleser SF bleibt man da halt ein (ganz klein) wenig auf der Strecke.

 

Negatives:

Aufhänger der Werbestrategie für das Heft und den neuen Gastautoren war unüberlesbar der „C.S. Lewis“ Preis.
Ich bilde mir ja ein, einen gewissen groben Überblick über die geläufigeren Literaturpreise zu haben, vor allem, wenn sie im weitesten Sinn mit dem Genre zu tun haben, oder mit einem Autoren verknüpft sind, der mir recht bekannt ist.

Dieser C.S.Lewis Preis war mir ungefähr so bekannt wie die Kontonummer von Terry Pratchett. Erst nach ein klein wenig Recherche in meiner Internet genannten Datenbank haben sich die Nebel etwas gelichtet.

„Die Preisausschreibung hat zum Ziel, christliche Autoren zu fördern und ihnen Erfolg versprechende Möglichkeiten vorzustellen, die es erlauben, authentische und für eine breite Öffentlichkeit relevante Texte zu veröffentlichen.“

„die Darstellung und Problematisierung christlicher Glaubensvorstellungen“

„Leidenschaftlich erzählte Geschichten sollen der christlich motivierten Literatur so einen selbstverständlichen und selbstbewussten Platz in der kulturellen Meinungsbildung verschaffen und zu den Fragen nach Wert, Sinn und Orientierung originelle Impulse geben.“

(Quelle: http://www.uschtrin.de/pr_lewis.html)

Wie schon erwähnt, da haben meine literarischen Sensoren mit Ausrichtung auf Perry Rhodan erheblich ausgeschlagen.

Teilnahmeberechtigt sind nicht bereits veröffentlichte Werke, sondern Romane, die innerhalb eines halben Jahres _nach_
Preisverleihung abgeschlossen werden können, also Fragmente,
Manuskripte, Exposes. Eingesandt werden sollen Expose und
Leseproben von 10-20 Seiten.

Verliehen wird der Preis der erste Mal.

Die Schirmherren und die Jury des Preises mögen mir verzeihen, aber das klingt doch ein klein wenig abstrus und unseriös. Vor allem angesichts der letzten Teilnahmebedingung, nämlich einer
Teilnahmegebühr von 95 Euro. Die für ein „professionelles Lektoratsgutachten“ verwendet werden soll.  Für ein Expose?
Ein kurzseitiges Exzerpt?   [*]

Ich will dem Komitee keine unlauteren Motive unterstellen, außer dass ihr Preis eher an ein Preisausschreiben erinnert, aber als Leser würde ich einer allfälligen Prämierung auch keinerlei besonderen Wert zumessen. Im besten Fall könnte ich da schließen, dass 10 – 20 Seiten des 500-Seiten Werkes gut geschrieben sein müssen, und der Autor sich im Vorfeld Gedanken über seine Geschichte gemacht hat.

 Zurück zum vorliegenden Roman:

Nachdem wir nun wissen, dass „Die Siedler von Vulgata“ tatsächlich von der Fachjury zum besten der eingereichten Romane gewählt wurde, wage ich mich an ein paar Überlegungen und Meinungen nicht zum PR Heft 2319 sondern zum prämierten Werk, das zufällig Teil einer größeren Serie ist.

Die Laudatio meint etwa „Titus Müller schreibe wie ein Erbe C.S. Lewis“. Man spüre „die Sehnsucht, den christlichen Glauben wiederzugeben.“  Er beschreibt „eine phantastische Welt, in der die Figuren sich mit den existenziellen Fragen des Lebens“ beschäftigen.

Nun… obwohl ich vor Jahren die Perelandra-Trilogie gelesen habe, wage ich es nicht, die Schreibstile der beiden Autoren zu vergleichen, aber irgendwelche auffällige Übereinstimmungen sind mir nicht aufgefallen. Die Sehnsucht, irgendeinen Glauben wiederzugeben oder zu propagieren, ist mir – Gott sei Dank – nicht besonders aufgefallen.  Diese Befürchtung ist nicht eingetreten.
Die „phantastische Welt“… nun, wenn ich nicht irre, ist das immer noch die Welt von Perry Rhodan, das Perryversum.  In der ein paar in eine rechte Barbarei zurückgefallene Schiffbrüchige sich eher traurig durchs Leben schlagen. Die existenziellen Fragen drehen sich eher ums nackte Überleben. Und um eine Hilfestellung, die in den letzten paar Seiten abgehandelt wird. Und mit großer Wahrscheinlichkeit vom Expose vorgegeben war.

Ja, ich glaube, Titus Müller kann gut schreiben. Und gut Geschichten erzählen. Und im Rahmen der Rhodan-Serie hat er einen ordentlichen Roman nach Expose abgeliefert. Mit ein paar gravierenden Schwächen, die wohl den Vorgaben geschuldet sind.
Keinen Höhepunkt der Serie, keinen Höhepunkt des Zyklus. Und ich meine, ich hoffe für ihn, auch keinen Höhepunkt seines Schaffens.

Irgendeine Preiswürdigkeit kann ich dem Roman daher, in aller Offenheit und Arroganz gesagt, nicht zusprechen.

Die interessantesten Aspekte - die Beschreibung der Vulgata-Gesellschaft, ihre Aufteilung in Gruppen, die knappest angedeuteten Probleme des Helden mit seiner Geliebten – haben auf den kurzen 50 Seiten des Heftes zu wenig Raum eingenommen.
Die Geschichte selbst war von bemerkenswerter Unoriginalität.
Junger Mann tut sich schwer in repressiver Gesellschaft, trifft Mädel und verliebt sich, Mädel ist natürlich die Tochter des Häuptling, der nebenbei der Böse im Stück ist und aus Laune heraus auspeitschen lässt oder gleich seine Lakaien für kleine Vergehen erschießt. Junge brennt mit Mädel durch. Junge leidet.
Junge wird erwachsen. Junge kehrt zurück zum finalen Showdown. Junge bezwingt seine Nemesis und wird wohl neuer Häuptling werden.  Dazwischen machen ein paar Flüchtlinge des Perryversums die Umgebung unsicher.

Ähem… selbst wenn Gene Wolfe, George Martin oder C.S. Lewis persönlich diese Geschichte geschrieben hätte…  was daran soll preiswürdig sein?  Die völlige Überraschungslosigkeit, mit der der
Plot dem Ende entgegengeht? Die absolute Voraussehbarkeit der nächsten Seiten? Die 08/15 Konstellation? Die SF-Versatzstücke?

Kompetentes Schreiben alleine ist _mir_ da doch zu wenig. Gerade die vollmundige Werbung  (nicht jeder potenzielle Leser wird da sofort mit _meinen_ Vorurteilen konfrontiert, ich hoffe sogar, dass ich da einer kleinen Minderheit angehöre!) weckt doch Erwartungen, die über einen „Norm-PR-Roman“ hinausgehen.

Alles in allem halte ich da den C.S. Lewis Preis über meine persönlichen Ansichten und Geschmacksverirrungen hinaus für reichlich kontraproduktiv.

 

Bleiben noch die kleinen aber auffälligen Detailmängel, die sich vor allem im PR-Teil eingeschlichen haben.

Wieder mal wird das Bild einer LFT voller Narren, Beamten und Intelligenzverweigerer gezeichnet.  Da liefern die alle Herrgottszeiten vorbeikommenden LFT-Leute dem offensichtlich gemeingefährlichen „Häuptling“ einer Schar Schiffbrüchigen ein Monopol für ebenso gemeingefährliche High-Tech Waffen, die der auch leidlich verwendet. Nichteinmischung ist ein hehrer Standpunkt, und der LFT mag es verboten sein, solche kleine Diktaturen von außen heraus zu sprengen, einen Demokratisierungsanstoß zu liefern. Das zur Verfügung stellen von Waffen _ist_ aber eine offensichtliche Einmischung. Nämlich zur Unterstützung der repressiven Herrschenden. Die LFT auf den Spuren der Bush-USA, um sich wirtschaftlichen Einfluss in einer Region zu erkaufen? Oder eine schlampig ausgedachte Geschichte, um ein paar „Feuerwaffen“ ins Spiel zu bringen?

Nackt irrt eine Handvoll Kolonnenflüchtlinge durch die Wälder. Raumschiff und aller Besitz wurde in der Sonne versenkt, um den mit Sicherheit kommenden Jägern der Kolonne keine Spuren zu liefern. Da haben sie aber Glück, dass sie keine Peilgeräte Marke Superschurke _in sich_ tragen. Wenn die Oberschurken schon so misstrauisch sind, würde sich das eher anbieten als Wanzen in irgendwelchen Kleidern oder Gerätschaften zu verstecken.

Die Flüchtlinge verstecken sich unter Menschen. Anscheinend dem einzigen Ort der Welt, der ein wenig Industrie aufweist und für Besucher aus dem All auffällig ist. Ihre Verstecke sind Strohtristen, Betten, Tische, Kästen, wohl auch der bauschige Unterrock von Oma Moses Zwo. Die Jäger kommen, inspizieren die Siedlung, die Wohnungen der Menschen, spüren die wenigen High-Tech Geräte auf,  zerstören sie und verschwinden.

_Das_ hat wehgetan. Das war in der Tat eine recht unerwartete Auflösung der Geschichte. Nicht mal in meinen Alpträumen hätte ich gedacht, dass ein (ausgeborgter) PR-Autor sich solch einen verwegenen Höhepunkt ausdenken könnte.  L

In der mittelalterlichen Mär über die Rebellen aus dem Sherwood
Forrest mögen die Helden sich ja im Heuwagen versteckt in die Stadt einschleichen können, in einem Science-Fiction Setting ist das aber schon _zu_ originell und utopisch. Nicht mal als Gag zu entschuldigen.

Wenn die famosen Flüchtlingsjäger auf wenige Meter Distanz ihre Beute nicht orten/spüren/entdecken können, wie hätten sie das dann aus dem Orbit machen sollen, wenn die Deserteure sich in irgendwelchen abgelegenen Wäldern verkrochen hätten? Warum an dem einzigen Ort verstecken, der in so einem Fall mit Sicherheit durchsucht wird?

Der Expokrat und der Autor mögen die Antwort wissen. Mir haben sie sie jedenfalls nicht verraten. Und als Käufer des Romans finde ich das schon ein wenig kleinlich und gemein.

Soll ich dieses köstliche „Unter den Küchentisch, schnell, bevor die Tür aufgeht“ entschuldigen, weil der Roman in zwei, drei Seiten sein natürliches „Ende“ erreicht? Der Abgabetermin nur noch ein paar Stunden entfernt liegt? Die bessere Idee nur in der längeren
Directors-Cut Version des Romans enthalten sein wird?

 

Nein, der eigentlich krönende Abschluss eines passablen wenn auch nicht großartigen Romans war einer der schlimmsten Rohrkrepierer, der sich in den letzten Jahren in die Serie eingeschlichen hat. Und der letzte Grund warum ich mich so gegen eine Preiswürdigkeit der „Siedler“ ausspreche.

 

Fazit:

Besser geschrieben als ausgedacht, weniger missionarisch als erwartet, mehr PR als ich vorher zu hoffen gewagt hätte, trotz mancher Schwächen eine Empfehlung für den Autor.

Die Erkenntnis, dass eine breite Werbekampagne keine rundum gelungene Geschichte ersetzt, dass nicht nur das Transferieren von Universen im Nachhinein keine gute Idee ist, sondern dass das auch für literarische Genres gilt.

Die Hoffnung auf weitere Gastromane, die immer wieder für eine Überraschung gut sein, die ein unabwägbares Element in die Erwartungshaltung des Lesers einbringen. Die im besten Fall den Horizont des Perryversums erweitern können. Und die genauer spezifizierte Hoffnung, dass sich unter diesen Gastautoren mehr „gestandene“ SF-Schreiber befinden, die besser mit den Sujets des Genres umgehen können.

 

Rudolf

 

[*] Mir ist schon bekannt, dass solche Teilnahmegebühren kein absoluter Ausnahmefall sind, kenne aus meinem Umfeld auch einen regionalen Preis der Werbefilmindustrie, der so agiert.
Halte das aber für ein absolutes Negativkriterium. Eine Preiswürdigkeit sollte in keinem Fall erkauft werden müssen!

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 03. July 2006 in die Datenbank eingepflegt

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