Im Visier 2246

Zugrunde liegender Roman: Leo Lukas - Kavuron, der Spieler

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Plot:

Die Malcolm-Daellian Expedition zur geheimen Entsorgung des Koyoten Gon-Orbhon erreicht das arkonidische Hoheitsgebiet von Hayok, um in dessen Orbit fuer die Weiterfahrt nach Magellan umgeruestet zu werden.

Aufgrund eines Erlasses des Kultusministers, der den offenen Gebrauch religioeser Symbole in oeffentlichen Einrichtungen untersagt, wird die kreuzfoermige PRAETORIA- Festung zur Freude aller galaktischen Neo-Kommunisten zu einem Hammer umgesteckt.

Ascari stampft mehrmals mit den Fuessen auf, die sich mit Verlaub gesagt, am unteren Ende zweier ausnehmend wohlgeformter und rundumerneuerter Beine befinden.

In einem Zwischenspiel wird Bullys galaktisches Urheberrecht auf sein eigenes Gesicht von einem arkonidischen Cyberpiraten verletzt. Was die nach dem Shallowain-Manoever ausgelaugten terranischen Starjuristen seltsamerweise nicht ausnuetzen, um den letztlich verantwortlichen Bostich nach terranischen und multiversellen Recht anzuklagen und die Auslieferung aller seiner Besitztuemer und Obstschuesseln zu verlangen.

Im Gegenzug werden arkonidische Grossrechner von einer Maulwurfplage befallen.

Noch immer sind die Inkarnationen zweier schwarzweisser terranischer Komiker der Prae-Rhodan-Aera vom arkonidischen Geheimdienst nicht als Schlaefer enttarnt worden. Eine Laune des Schicksals will es, dass sie ausgerechnet von einem terranischen Beutekomiker mit Zahndefizit in Unkenntnis der Wahrheit hinter der Wahrheit unschaedlich gemacht werden.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

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Zu beneiden ist mein schreibender Landsmann wirklich nicht, aus dem Umbau des Transformerkasten PRAETORIA einen Roman aus dem Hut zaubern zu muessen. Ist das Beiwerk zum zentralen Thema auch wirklich gelungen, handeln die Protagonisten vernuenftig, entsprechen ihre darstellerischen Leistungen dem Anspruch des verwoehnten Publikums?

Um diese und andere Fragen zu klaeren, letzte Verbesserungen und den Feinschliff am Manuskript vorzunehmen, hat er Crew und Besetzung des Stueckes in sein Arbeitszimmer hoch oben in seinem Donauturm zur Generalprobe eingeladen.

"I waer narrisch, Ascari, guat schaust wida aus; geh, Tiff, den Sodl haettst owa nit mitnema miassn..."

'tschuldigung, wozu habe ich mir denn von Klaus Frick den Universaltranslator fuer Austriazismen und abskure Dialekte ausgeborgt...?

"Freut mich, dich zu sehen, Ascari, Kompliment an deinen Maskenbilder. Hallo Tiff, den alten Sattel haettest du aber nicht mitbringen muessen, ich glaube, den brauchen wir nicht mehr. Guten Abend, Bully, bedien' dich ruhig an der Tunke, aber das Schnitzel lass bitte mir. Stan, Ollie, dass ihr mir bloss nicht wieder aus dem Fenster faellt. Shallowain, ich wusste gar nicht, dass du auch kommst, hat dir dein Agent denn nicht gesagt, dass... schon gut, ich weiss, wie gut du deine Strega pflegst, die du immer dabei hast. Kuess die Hand, Fran. Neben dem alten Bull schaust du jeden Tag juenger aus. Tolotos, schiebst du bitte den Sarg mit Malcolm ein wenig zur Seite, es wird allmaehlich eng hier, nein Malcolm, niemand will dich abschieben und wir schaetzen dich alle sehr..., schon gut, den Sarg kann bleiben, wo er ist, wir koennen ja unsere Glaeser drauf stellen.

Gucky..., du bist doch hoffentlich nicht mehr nachtragend? So schlimm war das Leben mit Plofre auch nicht, oder? Ja, ich weiss, dass der Umsatz mit den Pluesch-Guckys damals um 18% zurueckgegangen ist, aber im Vergleich zu einem Werilt ist ein Plofre geradezu vernachlaessigbar..., und im Seniorenheim Abendglueck hat der dortige Gucky-Fanclub sogar von der Wiederaufstehung des Mausbibers gesprochen..

Kavuron, schau doch nicht so griesgraemig, der Boesewicht ist immer die dankbarste Rolle im Stueck, und ich verspreche auch, es kurz und schmerzlos enden zu lassen, bei mir wird niemand aufgeknuepft... zumindest nicht an einem Baum.

Falls jemand Bostich vermisst, er wollte zwar kommen, aber aus technischen Gruenden ist das leider keine Option gewesen. Aufgrund der Stromschwankungen und Ausfaelle der letzten Zeit sind die Aufzuege hier im Haus auf Handkurbel umgeschaltet worden. Er haette es einfach nicht rechtzeitig die 30 Stockwerke hinauf geschafft, aber er hat versprochen, unserer Besprechung per Telekonferenzschaltung beizuwohnen, deswegen auch der Fernseher auf dem Schaukelstuhl.

Perry laesst sich leider ebenfalls entschuldigen. Aber fuer einen Cameo-Auftritt als falscher Resident in einem Positronik- spiel unterbricht er seine Entschlackungskur in Jamondi nicht. Nachdem sein Stuntdouble sich bei der ueberhasteten Flucht von Baikhal Cain den Arm gebrochen hat, habe ich beschlossen, dass die kleine Rolle an den Pappe-Aufsteller von Renato Casaro geht. Das merkt, von ein paar Internetspinnern abgesehen, kein Leser... Ja, Ascari?"

"Das ist mal wieder typisch fuer euch unsensible Machos. Schon wieder muesst ihr mich erinnern, dass Perry auf seinem Standardbild zehn Jahre juenger aussieht, waehrend ihr fuer meine Autogrammkarten ausgerechnet das eine Dirk- Schulz-Bild ausgesucht habt, mit dem ich mich als abgetakelte arbeitslose Admiraelin mit Monsterbusen gerade noch fuer Big-Brother bei RTL2 bewerben kann..."

"Aber dafuer kann ich ja nichts, meine Allerliebste Ascari..."

"Und warum nennt mich dieser eine NG-Spinner nach deinen Romanen dann immer Gundel Gaukeley...?"

"Wenn wir schon bei dem Thema sind, warum habt ihr mir diesen elendigen Kurzhaarschnitt verpasst? Und warum wird immer wieder unterstellt, ich sei untersetzt? Und Gucky darf mich sogar 'Dicker' nennen? Und ueberhaupt, wie lange wollt ihr meine Hochzeit noch hinausschieben? Ueberhaupt solltest du endlich Fran ueberzeugen, dass ein paar Kinder ihrer Karriere nicht schaden. Onkel war ich schon oft genug, einmal Vater werden waer eine echte Abwechslung..."

"Ich merk's mir vor, Bully...."

"Untersteh' dich!"

"Aber Fran, du musst Bully doch verstehen..."

"Gar nix muss ich. Dass ihr Maenner immer zusammenhalten muesst. Aber wenn's darum geht, die Windeln zu wechseln, habt ihr nie Zeit. Sogar die syntronisch-gesteuerten Transmitterwindeln habt ihr wieder aus der Serie raus- geschrieben."

"Aber Fran, das kannst du doch nicht Leo vorwerfen..."

"Schrei mich nicht an, Reginald, das kannst du mit deinen Raumsoldaten tun..."

"Koennten wir, bitte, wieder zum Thema kommen? Ich habe heute noch einen Termin bei meinem Kosmetik-Chirurgen, und der ist wichtiger, als irgendein dummes, maennliches Kriegsspielzeug so umzubauen, dass es wieder mehr einem Phallussymbol entspricht..."

"Aber Ascari, du spielt doch selbst ganz gerne... aehem..."

"Woher willst du das wissen, Tiff? Halt dich besser an deine Rolle: naemlich im Hintergrund stehen, deinem Chef aehnlich sehen und diplomatisch schweigen."

"Ich hatte schon eine Sprechrolle, als der Expokrat, der dich aus Versehen erfunden hat, noch nicht mal geboren war."

"Du sagst es. Damals hattest du eine Sprechrolle, aber in deiner aktuellen Vertragsverlaengerung steht nur noch etwas von einem 'Komparsen'. Und deine letzte 'tragende' Rolle war wortwoertlich so gemeint..."

"Kinder, Kinder, beruhigt euch doch. Tiff, Asci, wir sind doch eine liebe grosse Familie! Ihr koennt mir gemeinsam das Fell kraulen und euch wieder vertragen."

"Na klar, und am Abend finde ich dann wie beim letzten Mal wieder Floehe in meiner Unterwaesche."

"Du hast dem Karottenfresser in deiner Unterwaesche das Fell gekrault...?"

"Oh, mein Imperator, hast dir ja ganz schoen Zeit gelassen, duerfte eine lange Leitung sind."

"Lange Leitung?"

"Das hat Tiff gesagt, nicht ich!"

"Das mit der langen Leitung?"

"Nein, das mit der Unterwaesche..."

"_Tiff_ krault dem Pelzzwerg das Fell in seinen Dessous?"

"Das war die Standardunterwaesche der LFT-Flotte, keine Dessous, Imperator. Und es war ein Notfall. Norman hatte aus Versehen Guckys Karotten mit Keksen verwechselt und..."

"Lassen wir die alten Geschichten, wir muessen uns beeilen, damit meine neue Geschichte keine alte Geschichte wird, bis sie endlich zu Papier gebracht ist. Ausserdem zahlt Klaus uns sicher keine Ueberstunden!"

"Ist eigentlich die Salatbar eroeffnet?"

"Bedien' dich ruhig, Bully. Den Gurkensalat hab' ich selber gehobelt. Vielleicht will Malcolm auch eine kleine Staerkung?"

"Ich will nur tot sein!"

"Wenn ich mir den gruenlichen Schleier auf den Gurken anschaue, koennte dein Wunsch schneller in Erfuellung gehen als die lieb ist, mein lieber Malcolm, wenn du davon kostest."

"Also, ich find' ihn gut, den Salat."

"Du findest auch Steine gut, Tolotos."

"Koenntet ihr euch bitte ruhig bedienen, wir anderen muessen hier hart arbeiten."

"Was ist denn mit dem Expose, reicht das nicht als Grundlage?"

"Ist leider ein wenig mager ausgefallen, Robert hat die Seiten, die sein "Letoxx"-Manuskript laenger war, anscheinend bei meinem Expose eingespart. Und den Technikteil vom Rainer habe ich noch nicht ganz durchschaut. Vielleicht kann Malcolm mir da weiterhelfen?"

"Es ist aber in altarkonidisch geschrieben. Vielleicht hat Aktakul ein klein wenig Zeit uebrig?"

"Tut mir leid, aber den habe ich verdonnert, ein paar galaktische Strassen zu den neuen Stadien der kommenden Arkon-Olympiade zu bauen."

"Schon gut Bostich. Bleiben wir doch bei deiner Rolle. Ist diesmal nicht allzu intellektuell. Du musst Ascari nur eine Depesche schreiben."

"Wie? Keine kleine Folter? Kein Attentat? Darf ich wenigstens meinen Hund auf Kantiran hetzen? Na, vielleicht das naechste Mal. Was soll denn drinn' stehen, in der Depesche."

"Das ist geheim."

"Schon klar, als Imperator schreibt man nur geheime Nachrichten, aber trotzdem muss ich doch wissen, was ich schreiben soll."

"Es ist geheim, deswegen muessen Gucky und der Maulwurf ja auch rausfinden, was du geschrieben hast."

"Trotzdem muss ich doch WISSEN, was ich schreiben sollen, damit die beiden es rausfinden koennen."

"Schreib einfach deine Einkaufliste nieder, es ist doch nur ein Gimmick, ein MacGuffin, der die Handlung vorantreibt, ohne dabei wichtig zu sein."

"Alles was ich tue, sage und schreibe, ist wichtig!"

"Du solltest deine Therapiestunden wieder aufnehmen, Bostich. Beruhige dich doch, auch Unsterbliche sind vor einem Herzinfarkt nicht sicher, besonders, wenn sie ohnehin schon ein Ersatzherz verpasst bekommen haben. Geruechteweise war VPM damals knapp bei Kasse und das Herz billig bei Aldi bekommen."

"Apropos Maulwurf, wo ist sie eigentlich?"

"Typisch Frau, immer zu spaet. Wahrscheinlich schmollt sie gerade in irgendeinem Taschenrechner vor sich hin."

"Macolm Daellien und Mayk Molinas. In einem Roman. Da koennte man ja depressiv werden."

"Stimmt, Fran. Deshalb gibt's ja auch einen bunten Papagei, der ein wenig Farbe reinbringen soll."

"Aeh, Leo, eine kleine Frage!"

"Ja, Plof... aeh, Gucky?"

"Wenn diese Nachricht von Bostel, ich meine Imperator Bostich so furchtbar wichtig ist, wichtig fuer die LFT, fuer Arkon, fuer den Frieden in der Galaxis, warum fragt Bully nicht einfach direkt nach? Die Standleitung nach Arkon steht doch..."

"Dumme Frage, weil... weil... nun, weil Bully keine Zeit hat, er muss doch die Expedition nach Magellan vorbereiten."

"Vielleicht koennte Tiff...?"

"Und der Roman waere mit Seite 15 beendet. Und dann? Klaus zahlt mir doch kein Honorar fuer eine zehnseitige Kurz- geschichte. Und VPM kommt vielleicht auf die Idee, ein paar nutzlose Altstars der Serie zu entlassen. Z.b. einen ehemaligen Ueberallzugleichtoeter. Es ist kein Honiglecken, heutzutage arbeitslos zu werden. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es Essensmarken fuer Mohrrueben gibt. Und in deinem Alter eine neue Stelle zu finden, tss, tss. Bei Maddrax wuerdest du zum Fruehstueck verspeist, und bei Star Wars koenntest du gerade noch Yoda doubeln. Oder den dritten Ewok links hinten spielen. Wenn du eine Green Card bekommst. Aber viel eher stehst du beim Arbeitsamt Schlange. Und kannst versuchen, den Text von Hartz IV zu entschluesseln."

"Und die alte Ascari ist wieder die Dumme. Laesst sich von einem toten Maulwurf und einen zahnprothesentragenden Schmusebiber streng geheime Unterlagen klauen..."

"Dafuer darfst du Bully zum Schwitzen bringen, Frau Vivo."

"Laecherlich. Ein Bull hat doch keinen Schiss vor einer halbwuechsigen Goere mit Profilierungsneurose."

"Das traust du dich auch nur sagen, weil du dir Rainers Spielzeugfestung ausgeborgt hast."

"Laecherlich, Mascantin. Und wenn ich nackt vor dir stehen wuerde, reicht immer noch mein kleiner Finger, um mit dir fertig zu werden..."

"Das wuerde dir so passen, Reginald. Bloss weil wir noch nicht offiziell verheiratet sind, darfst du dich noch lange nicht am abgelegten Harem deines hormongesteuerten Freundes verlustieren..."

"Niemand verlustiert sich an mir!"

"Das glaube ich dir auf's Wort. Wer will sich schon an Plastik, Silikon und wasserstoffgebleichten Peruecken vergreifen."

"Kusch, Tiff. Wer seit Nia Selegris keine abgekriegt hat, sollte besser schweigen."

"Wer unschuldige, naive Residenten verfuehrt, sollte nicht mit Steinen auf andere werfen."

"ABER MEINE KINDERCHEN, WER WIRD SICH DENN DAUERND ZANKEN? WIR SIND ZUM ARBEITEN HIER!"

"..." "..."

"Danke, Icho, dass du fuer Ruhe gesorgt hast. Aber bevor du nach unserer Besprechung gehst, hilfst du mir bitte, den Verputz wieder an die Waende zu kriegen. Und neue Fenster zu besorgen?"

"Gehen? Ich denke, wir muessen ohnehin schon gehen. Frau Stan und Frau Ollie warten schon auf uns."

"Nur noch ein paar Augenblicke. Ihr bekommt diesmal immerhin eine wichtige Rolle."

"Na toll, Stan, da hast du uns ja wieder was Schoenes eingebrockt. Musstest dich doch unbedingt auf diese Announce "Komiker fuer Cameo-Auftritt in Weltraumepos gesucht" melden"

"Warum so unzufrieden, Ollie? Ich hab' euch doch eine wunderbare Rolle auf den Leib geschneidert?"

"Als zwielichtige Idioten vom Dienst. Wir dachten damals noch, dass sei eine einmalige Angelegenheit, schnell verdiente Kohle. Und jetzt sind wir seit Monaten im Dauerstress. Wenn unsere Frauen das herausbekommen, dann haben wir nichts mehr zu lachen. Die meinen immer noch, wir seien auf einer Kur in Honolulu."

"Und ich Idiot dachte, ich arbeite nur mit Profis zusammen. Kein Wunder, dass mir Kantiran dauernd entwischt ist."

"Wir arbeiten nicht mehr fuer dich, Shallowain."

"Arbeiten nennt ihr das?"

"Gutes Stichwort, jetzt lasst uns alle zusammen endlich arbeiten."

"Der Gurkensalat ist alle."

"Wo sind hier eigentlich die Getraenke?"

"Duerfen wir im Roman auch mal eine Bar besuchen? Immer nur malochen und Haut und Haare riskieren. Da waere ein kleiner Umtrunk doch nicht schlecht. Oder ist das nur bei Kneifel und Anton erlaubt?"

"Ja, wenn schon beim Budget gespart wird, dann sollte wenigsten Vurguzz frei ausgeschenkt werden."

"Und ein Beet frischer Karotten in der PRAETORIA. Dafuer muss nach dem Umbau Platz sein."

"Und in meiner Kabine fehlt ein Nagel, damit ich meinen alten Sattel ordentlich aufhaengen kann."

"Koennt ihr wenigstens einmal ernst sein? Schliesslich muss ich mit euch arbeiten."

"Ernst ist im Ruhestand. Gleich verlangst du auch noch, dass wir ein paar findige Ideen fuer den Manuskript haben sollen."

"Du solltest nicht immer so besorgt und serioes sein. Nimm's doch ein wenig lockerer. Ein bisschen Humor wuerde deinem Manuskript sicher gut tun. Ein, zwei kleine Spaesschen. Es muss ja nicht gleich ein verrueckter Koch sein Unwesen treiben, oder ein James-Bond-Verschnitt."

"Schreib einfach drauf los."

"Vielleicht ueber meine Jugendabenteuer: Bostichs Flegeljahre."

"Oder ueber meine Erinnerungen an das Mascantinnen-Internat: Der Trotzkopf."

"Oder meine Erfahrungen mit Pferden: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss."

"Oder ein kurzer Abriss von meinem demnaechst veroeffentlichen Ratgeber: Abnehmen mit Bull."

"Quatsch, richtige Action will das Publikum. Wie waer's mit: Hund, willst du ewig leben?"

"Drang und Sturm - Aus dem Leben eines Haluters."

" - Moment, das Telefon klingelt! Ja, am Apparat. Hallo Noviel, schoen dich zu hoeren. Ja, wir besprechen gerade die Einzelheiten meines Manuskripts. Natuerlich ist das Top Secret. Wie? Ein stadtbekannter Internetjunkie hat seine Agenten bei mir eingeschleust? Laecherlich, hier ist niemand heimlich eingedrungen. Oooh...., zwei.... was? Mit einer Lieferung Salat? Swoons... Moment mal, Residor. Ich... also... aeh... waren das nicht ohnehin zwei sehr _unbeliebte_ Agenten? Ich koennte dem Horst vielleicht zwei meiner Agenten borgen..., ja ich hab' da zufaellig zwei im Auge..."

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Weitere unappetitliche Einzelheiten der Besprechung, die nach einer kurzen Trauerminute noch bis in die Morgenstunde dauerte, erspare ich den letzten bis hierher durchhaltenden Lesern lieber.

Wer sagt denn, dass jedes Visier mit einem Happy End enden muss?

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Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Positives:

Wie stets: 'is von Lukas, kann also gar nicht so schlecht sein. Selbst wenn er mal ein Telefonbuch zum Dramatisieren bekommt, erwarte ich mir einen gewissen Unterhaltungswert.

Von der Grundpraemisse abgesehen (unsere Helden muessen auf Teufel komm 'raus den Originalwortlaut einer Depesche von Bostich herausbekommen) manoevriert Lukas uns Leser und seine Helden durch eine durchaus unterhaltsame, manchmal zum Schumzeln verleitende und manchmal sogar spannende Handlung.

Mittlerweile bereits standardmaessig ist "sein" Gucky zwar seit dem Ende von Plofre keine Figur mit "Tiefgang" aber doch mit erkennbaren Eigenleben ausgestattet, jenseits des Stichwortgebers und Roboterschreckens. Und auch mit seinem Bully kann ich gut leben.

Mayk Molinas ist zwar doch nicht die irgendwann einmal versprochene weibliche Figur mit Glaubwuerdigkeits-Zertifikat geworden, aber einige Geschichten ueber das Leben und Streben der Specter-Entitaet lassen sich sicher noch erzaehlen. Leider ist das Hayok-Umfeld, in dem bisher all diese Geschichten gespielt haben, alles andere als innovativ und aufregend. Und "Kavuron, der Spieler" bildet da keine Ausnahme. Der Kampf des Maulwurfs mit den Daemonen seiner/ihrer Vergangenheit ist wesentlich interessanter als das 08/15 Agenten/Baller-Geplaenkel. Die finale Konfrontation des Specters mit dem vermeintlichen Peiniger frueherer Jahre haette ruhig mehr Platz einnehmen koennen. Aber...

Neutrales:

Es plaetschert dahin im Hayok-Archipel. Die paar handlungs- relevanten Saetze haetten bequem im Vorgaenger- oder Nachfolgeroman Platz gehabt. _Mir_ waere da ein echter, nicht getarnter Einzelband abseits der Haupthandlung lieber gewesen, in dem LL ganz unabhaengig von der galaktischen Grosswetterlage den/das/die Specter durch ein gerne auch bizarres, schraeges Abenteuer gejagt haette, mit ein bisschen Charakterentwicklung, ein wenig Gucky und ein paar "freien" Handlungstraegern.

Stan und Ollie scheinen mir ihre Halbwertszeit auch ueberschritten zu haben. Als einmalige Pointe fand ich sie weit origineller und vergnueglicher als in ihrer Dauergastrolle. dadurch, dass sie mehr und mehr unsympathische Zuege annehmen, entfernen sie sich zwar von ihren Vorbildern, aber das macht sich immer noch nicht zu "eigenstaendigen" Figuren des Perryversums. Es ist halt eine Gratwanderung, wenn "reale" Personen oder Popkultur-Ikonen unserer Zeit uebernommen werden, zu leicht und schnell zerstoert sich dabei die Illusion beim Lesen, in eine in sich geschlossene funktionierende Romanwelt einzutauchen.

...Autoren und Marketing sind wohl der (wahrscheinlich sogar richtigen) Meinung, dass es dem "gemeinen" Leser vor allem nach Action, vordergruendiger Gefahr und pompoes angekuendigten Drohungen offensichtlicher schurkischen Bondinen geluestet.

Negatives:

Und so droht die gerade bei Lukas zur Operetten-Boesewichtin verkommene Ascari, setzt ein Ultimatum und kann dabei doch nicht - in Richtung der Leser - erklaeren, auf welche tatsaechliche Macht sich dieses Ultimatum stuetzt. Noch sitzt Bull an Bord von PRAETORIA, schwebt im Orbit um Hayok, hat ein paar zehntausend Posbi-LFT-Boxen um sich, allesamt wohl besser auf die HI vorbereitet als die eilig umgeruesteten GWALONs. Und Arkon ist - noch - fern.

Wie also will Ascari die Umruestung der Terra-Magellan Flotte verhindern? Der Imperator von Arkon ist bereits erzuernt, wo liegt das tatsaechliche Problem, wenn er noch ein paar Tage oder Wochen laenger erzuernt bleibt?

Und wenn der ominoese Funkspruch von Bostich derart wichtig ist, um eine strategische Entscheidung zu faellen, warum, zum Kuckuck, fragt Bully nicht direkt nach? Die Funkbruecke nach Arkon steht. Wuerde Ascari ihm mit Gewalt den Zugang zu den entsprechenden Anlagen verwehren?

Wuerde Bostich sich weigern, ihm persoenlich eine direkte Antwort bzw. Bestaetigung zu geben? Warum sollte er das denn tun? Er mag recht radikale Ansichten vertreten, ein Machtmensch sein, ein Egoist und Egomane, ein Unsympath und ein Moerder, wenn es der Zweck erfordert. Aber im allgemeinen wurde er bisher nicht als geifernder Psychopath geschildert, der seine Kriege, Auseinandersetzungen, Machtkaempfe und Gelueste vor allem blutig fuehren _will_.

Die Macht Arkons mag und wird weiterhin ausreichen, die Hayok-Flotte der Terraner samt PRAETORIA hinwegzufegen, aber jedes einzelne arkonidische Schiff wird er wohl viel lieber daheim einsetzen, um die Ordnung innerhalb seines Reiches halbwegs aufrecht zu halten. Wenn er durch ein persoenliches Gespraech, durch persoenliche Drohungen, den LFT-Bull davon abhalten kann, das vermutete Vorhaben, naemlich die "Eroberung" von 5d-Kristallwelten, aufzugeben, wird er die Gelegenheit mehr als nur gerne ergreifen.

Deswegen ist fuer mich dieser handlungsbestimmende MacGuffin einer der hanebuechensten und unglaubwuerdigsten, den der Expokrat oder ein PR-Autor seit langer Zeit aus dem Aermel geschuettelt haben.

Klaus Frick hat auf der PR-Homepage durchaus richtig bemerkt, dass kein Leser die PR-Exposes kennt, und keiner von ihnen (also uns) daher mit Bestimmtheit sagen kann, wie Lob und Tadel zu einem Roman aufgeteilt werden muessen.

Als diesbezueglicher Wiederholungstaeter fuehle ich mich durchaus angesprochen. Ich _weiss_ nicht, wer fuer den Logikfehler aus Seite xx verantwortlich ist, wer den Charakter einer Figur besonders unglaubwuerdig oder besonders gelungen skizzierte. Dem "gemeinen" Nur-Leser mag das ohnehin egal sein, der unterscheidet vermutlich nicht mal zwischen den einzelnen Autoren und waere vielleicht erstaunt, dass es so etwas wie einen Exopkraten ueberhaupt gibt. Fuer den freiberuflichen Noergler ist die Spekulation ueber "Verantwortlichkeiten" aber Teil des Spasses und der Herausforderung. Nachdem ich an die "Faulheit" im Menschen glaube, nehme ich nicht an, dass die Exposes und Vorlagen vom Expokraten laenger und ausfuehrlicher als notwendig gestaltet werden. Der Funkspruch-MacGuffin kann durchaus vor allem auf das Konto von Lukas gehen, eine viel groessere Ungereimtheit weise ich aber in den Verantwortungsbereich von Feldhoff.

_Was macht die Magellan-Expedition denn nun wirklich ausgerechnet auf Hayok und warum benehmen die Handlungstraeger sich so, wie sie sich benehmen?_

Gon-Orbhon darf nicht wissen, was die Terraner planen, die Gefahr einer fruehzeitigen Entlarvung waere im Erdorbit zu gross. Mag sein, das ist ein Argument, das ich vollinhaltlich akzeptieren kann. Auch wenn alleine anhand der Vorbereitungen ein gewifter Beobachter schon einige Schluesse ziehen kann. Vor allem wenn die verbreitete Tarngeschichte "Kristallsturm" sich nach einiger Zeit nicht durch Fakten belegen laesst.

Aber warum soll dann Hayok nach der Erde der geeignetste Ort sein, die Risikoflotte auszuruesten und umzubauen? Inmitten eines recht feindlichen Umfeldes? Wo die vorhandenen Ressourcen - wegen PRAETORIA sicher recht beachtlich - eher der Kontrolle der Arkoniden als auch des nahen Sternenozeans dienen sollten. Ressourcen, die dort kaum erneuert werden koennen.

Warum nicht Rumal, wo PRAETORIA doch zusammengebaut wurde? Oder eine andere zentrale LFT-Welt? Nicht alle sind weiter von Terra entfernt als Hayok. Bully und Co haben es augenscheinlich gerne kompliziert, verworren und politisch heikel.

Im Erdorbit sind Sabotageaktionen von G-O-Juengern zu befuerchten. Gilt das nicht auch auf Hayok durch die recht zwangshaft kontrollierten und gedemuetigten Arkoniden?

Vollends seltsam wird die Situation im Nachfolgeroman, wenn explizit darauf hingewiesen wird, dass niemand die Wahrheit ueber die Flotte erfahren darf. Und Gucky und Bully munter mit Kantiran darueber plaudern, der mit seinem Freund Mal darueber diskutiert, es beiden aber freigestellt ist, die Reise doch nicht mitzumachen. Bull in Kantiran nach der Shallowain-Aktion fast einen Todfeind sehen muss, der impulsiv durchaus gewisse Rachegedanken hegen koennte.

Man mag es mir uebelnehmen, aber die Handlung, die Plotfuehrung samt zugehoeriger Logik, empfinde ich als ungemein schlampig und oberflaechlich zusammengeschluddert.

Fazit:

Da mag die restliche Handlung, die Erzaehlkunst des Autoren durchaus gelungen und unterhaltsam sein, als Teil eines groesseren Ganzen will mir auch "Kavuron, der Spieler" nicht funktionieren.

Selbst wenn ich z.b. die beiden Laurel & Hardy Agenten nicht als Fuell- und Streckmaterial ansehe, ist es Lukas im bisher vorgegebenen Handlungsgeruest kein einziges Mal gelungen, mich wie in fast allen seinen Romanen des Tradom-Zyklus zu begeistern.

Ein "in Ordnung, ging so, war spassig"-Roman reicht mir, mag unfair sein, gerade bei Leo Lukas naemlich nicht. Nicht nach dem Melville-Pastiche, Plofre und dem Verkuender.

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 22. July 2006 in die Datenbank eingepflegt

Dieses Visier wurde 4098 mal aufgerufen.

 

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