Im Visier 2245

Zugrunde liegender Roman: Arndt Ellmer - Operation Kristallsturm

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Plot:

Operation Kristallsturm handelt vor allem vom Projekt RAINBOW, bei dem unter dem Vorwand billiger Energiegewinnung durch Sonnenzapfung der Planet Merkur vergroessert werden soll, bis er von der Erde aus die scheinbare Groesse des Mondes hat.

(Ein aeusserst raffinierter Plan, der Gon-Orbhon im fernen Magellan verwirren soll, damit er anstelle der Sonne eben den Merkur anzuzapfen versucht. Das Stueck Kaese in der G-O Falle wird wohl Norman bilden, und alle LFT-Verantwortlichen hoffen, dass der laestige Kerl aus Magellan an dem Koeder ersticken wird.)

Nebenbei hechelt Malcolm Daellian, bzw. dessen Sarg, durch die Handlung, unterrichtet, belehrt, erfindet, verbessert, ist neugierig, arrogant und suizidgefaehrdet, loest im Alleingang die Energiekrise der Erde, baut fuer einen Extremrisiko-Versuch schon wieder eine Experimentalanlage in Originalgroesse, stellt im Alleingang einen Nichts-Gutes-im-Schilde- fuehrenden Gon-Orbhon-Juenger, was fuer diesen erwartungsgemaess letal endet, trifft Alfred Biolek zum Geheimnisaustausch, wird vom Leiter der Waringer-Akademie zur eingeschriebenen Eilpostsendung nach Hayok befoerdert, und erfaehrt zu guter Letzt auch noch die Wahrheit hinter der Wahrheit der Operation Kristallsturm.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

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Obwohl wir schon lange nichts mehr vom grossen PR-TV-Projekt gehoert haben, bietet der vorliegende Roman einige Moeglichkeiten an, ihn in einer hitverdaechtigen fuer grosse und kleinere Abspielflaechen visuell umzusetzen.

[Vermeintliche Aehnlichkeiten mit mehr oder weniger bekannten filmischen und literarischen Vorbildern sind, wie stets, natuerlich rein zufaellig.]

Major Rektor:

"Ich war hochdekorierter Major in der terranischen Lokalregion Ostrichi und wuensche als solcher respektvoll mit 'Herr Major' angesprochen zu werden. Dabei haben sie aufzustehen und ordnungsgemaess zu salutieren. Ich erwarte Leistungen von ihnen. Wer diese nicht erbringt, kann nur ein Saboteur sein und wird als solcher von mir hoechstpersoenlich gegrillt."

"Sie da, Student! Stehen sie gefaelligst gerade, wenn ich mit ihnen spreche, und melden sie sich morgens beim dreiwoechigen Grundkurs 'Salutieren und Rangordnungen fuer Anfaenger'."

"Ja... Jawohl, Herr Major!"

"Nachdem es ihnen sichtlich am noetigen Respekt Vorgesetzten gegenueber mangelt, koennen sie mir zum Ausgleich sicher eine kleine Frage beantworten: Wieviele Tangenten koennen sie innerhalb einer kosmischen Sekunde an eine zu einer Kugel degradierten Klein'schen Flasche anlegen. Ich gebe ihnen zur Beantwortung dieser Trivialitaet 4,65 Sekunden meiner kostbaren Zeit..."

"Nein? Keine Antwort? Keine Ahnung? Da muss ich ihnen leider ihr T-Shirt Privileg wieder entziehen. Ziehen sie es aus, sofort, sie sind eine Schande fuer die Waringer-Akademie."

"Aber... aeh... Herr Major..."

"Sie weigern sich? Rebellion! Aufstand! Insubordination! Sie gehoeren bereits der Gon-Orbhon-Sekte an!"

"Nie und nimmer. Aber ich kann mein T-Shirt nicht ausziehen... Legen Sie doch die vierlaeufige Strega weg, das ist nicht notwendig. Sie muessen nicht auf mich zielen. Nein! Nicht doch! Nein, das ist nur mein historischer Rechenschieber, keine Hoellenmaschine...! Nein... Neee...."

Alien McBeal:

"Es ist das erste Mal, das ich einen Sarg vor Gericht vertrete, nein Danke, keine Karotten, die machen so dick; Sie sollten sich keine Sorgen machen, der Fall ist so gut wie gewonnen, ihr Assistent, der mich freundlicherweise die Treppe heraufgetragen hat, weil im Aufzugschacht gerade der neue Teilchenbeschleuniger eingebaut wird, der ist nicht zufaellig Single? Ach ja.., ihr Fall, schlimm, schlimm, das! Sexuelle Noetigung, und das vor 500 Zeugen, ja, ich glaube ihnen ja, dass ihre visuellen Rezeptoren vom Rauch des letzten gescheiterten Experiments mit diesem hyperlosen Hyperantrieb beschlagen waren und sie nicht erkennen konnte, dass der Kommilitone eigentlich eine Kommilitonin war, mit Koerbchengroesse 39F, nur halt ohne Koerbchen unter dem Shirt. Das verhandeln wir einfach vor einer von einem Mann programmierten Positronik, da sind genug maennliche Hormone in den Quellcode mit eingegangen, die versteht nur allzu gut, dass auch ein Hirn, Verzeihung, Hirn mit Hautfetzen, in Fuehlingsstimmung geraten kann. Aber das mit Strega, das war eine uebertriebene Reaktion. Vor allem, dass Sie mit der kleinkalibrigen TFK hinterhergeschossen haben. Fehlende Leichen sind fuer Angeklagte natuerlich durchaus positiv zu bewerten. Und auch dass von den 500 Zeugen nur 4 ueberlebt haben, macht die Sache fuer uns einfacher. Aber die Optik insgesamt, die sieht nicht so gut aus. Der Django von der Waringer-Akademie. Nein, das sage nicht ich, das schreiben die Gazetten. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Sie fuer Schiessereien und Explosionen in der Akademie verantwortlich gemacht werden. Ausserdem geht da noch ein seltsames, voellig abstruses Geruecht ueber einen Museumseinbruch um, natuerlich absolut aus der Luft gegriffen. Darf ich mal kurz ihren Sarg anfassen, nein, das hat nichts mit dem Fall zu tun, aber ich kann dir...Ihnen ja schwer an die Knie fassen. Als erstes beantragen wir eine Verlegung der Verhandlung an das zustaendige Gericht in Alashan, damit gewinnen wir schon mal etwas Zeit, so vier, fuenf Jahrhunderte. Bis dahin haben sich die Gemueter sicher schon etwas beruhigt, und Ihr Arzt hat mir versichert, dass sie in ihrem Sarg gut und gerne tausend Jahre alt werden koennen. Als Zeugen laden wir Tekener und seinen Kumpel Kennon, die koennen sich am ehesten in Ihre Lage versetzen. Um zweiteren ueberhaupt zu finden, engagieren wir die Detektei Ewers, die ihre astralen Zeitfischer auf die Suche schicken kann. Das duerfte noch einmal ein halbes Jahrtausend dauern. Bis dahin haben die Hohen Maechte in der Expokratei die HI laengst vergessen, die Bauplaene fuer die kuenstlichen Koerper Vince Garron sind wieder aufgetaucht, und sie koennen sich am Tag vor der Urteilsverkuendung in einer sinfonisch gesteuerten Ein-Mann-SOL absetzen. Aber jetzt muss ich gehen, ich habe einen zweiten Termin bei Bre Tsinga. Bevor sie als Eilsendung nach Magellan verschickt wird, um Gon-Orbhon zu heiraten, muss ich sie unbedingt noch fragen, wie sie es schafft, so schoen schlank zu bleiben...

Malcolm alleine zu Haus:

(Aus: 100 Fortsetzungen, ueber die nur noch Rhodan lacht - Band 647 der Reihe "3000 Jahre Hollywood" von Wermut Karmasek)

(Achtung Spoiler!)

"...Nachdem schon in Teil 999 der "Malcom allein..."-Serie der in der Jahre gekommene Star Malcauley Culprit das jugendliche Flair eines minderjaehrigen Berserkers nicht mehr so recht zu vermitteln wusste, griffen die Starschreiber tief in ihre Trickkiste und steckten fuer das vielbeworbene Jubilaeumsabenteuer den Titelheld nach einem in der Pretitle-Sequenz mit viel Pyrotechnik gezeigten Unfall beim Spielen mit arkonidischen Feuerwerkskoerpern in einen "Sarg" genannten Medotank. Der reifere erwachsene Zuschauer wird die Logik dieses Subplots vielleicht in Frage stellen, die Juengsten - und damit die Zielgruppe des Franchise - hatten mit dem bunt auf den Sarg aufgezeichneten bewegten Strichgesicht und seinen diversen Verzerrungen aber viel Spass.

Klein Malcolm, der sich in den vielen Jahrhunderten wegen krankhafter Brutalattacken gegen vermeintliche Einbrecher verbrachter Jugendhaft zum Physik-Genie entwickelte, hat im Rahmen seines Schulprojekts "Rainbow Junior" mit Freunden und unter der Aufsicht seiner Eltern Myles und Homer im Sonnenorbit ein HI-taugliches Kraftwerk zusammengebastelt. Wegen eines Streites um ein von den Eltern verbotenes Ascari-Pinup Tattoos auf seinem Medotank verschlaeft er die angeordnete Evakuierung des Kraftwerks am Tag vor de Erprobung.

Angelockt von den vielen bunten Lichtern des festlich geschmueckten Kraftwerks tauchen unerwartet zwei nicht gerade vertrauenserweckende Vertreter fuer Gon-Orbhon Attentatsutensilien auf, die in der Sprengung des Satelliten eine verkaufsfoerdernde Werbewirkung fuer ihre Ladenhueter erkennen. Leider stand der Dauerboese- wicht der Serie, Joe Benco, diesmal nicht zur Verfuegung, weil er zur Zeit fuer Teil 777 der Serie "Beastmaster" an Originalschauplaetzen im Hayok-Archipel als arkonidischer Superschurke Shallowshame vor der Kamera steht. Der, sichtlich preisguenstig, eingesprungene Ersatz, der bislang nur durch seine Rolle als Trah Rogue im von Kritikern gehassten und vom Publikum geliebten Desaster-Movie "Tradom" und als Stunt-Double von Bostich aufgefallen ist, kann in seiner ersten komischen Rolle nicht wirklich ueberzeugen.

Das haben wohl die Produzenten so gesehen, denn nachdem er von Malcolm verbrueht, versengt, durchloechert, gepierced, skalpiert, amputiert, lobotomisiert, genervt, verstrahlt, angebissen, transformiert, einer Geschlechtsanwandlung unterzogen, mit einem Alien-Parasiten infiziert und exmatrikuliert worden ist, wird er von einem Stapel uralter PR-Comichefte erschlagen.

Die Hardly:

"Man moege mich doch endlich sterben lassen, warum bin ich nicht tot. Ich bin doch schon laengst tot, warum darf ich dann nicht tot sein. Nein, ich will nicht in einem toten, metallenen Roboterkoerpern vom Tod traeumen, ich will das in einem toten, metallenen Medotank tun. Mit Tentakeln. Dummerweise lassen mich Haensel und Ellmer damit nur herumfuchteln und Boesewichter erschiessen. Aber kein Sex! Kein Tentakelsex. Da ist sicher nur diese deutsche Jugendschutzbehoerde schuld. Kein Wunder, dass ich lieber tot waere. Und erst dieses Strichgesicht, dass dieser Witti mir auf den Medotank gemalt hat. Als waere ich einem Versuchslabor bei Disney entsprungen. Haette nicht mal Uwe Anton das Expose bekommen koennen? Dem haette ich das mit dem Tentakelsex noch am ehesten zugetraut. Aber nicht mit Norman! Auch ein Toter hat ja noch seinen Stolz... Ach, warum muss immer mir das passieren? Nicht mal das Sterben bekomme ich richtig zusammen. Wieso glaubt Myles Kantor dann nur, dass ich beim Projekt RAINBOW erfolgreicher sein werde? oder bei dieser komischen Operation Kristallsturm. Vielleicht kann ich mich dabei ja in die naechste Sonne stuerzen. Und dem allem ein Ende machen. Dummerweise haette ich dann vorher aber keinen Tentakelsex gehabt. Seufz. Nicht mal Homer T-Shirt passt mir. Eine LFT-Flagge wollte er mir stattdessen geben. Auf den Sarg legen. Dabei stoert der nur beim Tentakelsex..."

Who: [*1]

Ein existenzialistisches Drama ueber Sein oder Schein, ueber Paranoia und Agenten in Zeiten des Kalten Krieges. Eine Parabel ueber den Wert eines Menschen und das Unvermoegen, ins Innere dieses Menschen blicken zu koennen.

Terra und Arkon befinden sich nach wie vor im Kalten Krieg; Agenten, Gegenagenten und Doppelagenten agieren auf beiden Seiten. Nach einer Explosion, deren genaue Umstaende nie so richtig geklaert werden koennen, kehrt der geniale Wissenschaftler und USO-Agent im Nebenberuf zur Erde zurueck. Aber ist er es wirklich? Sein Koerper ist fast restlos zerstoert, nur sein Gehirn in einem robotischen Behaelter wird kuenstlich am Leben erhalten. Eventuelle DNS-Vergleiche koennen nicht angestellt werden, da die syntronischen Datenbanken mit den notwendigen Kontrolldaten nicht mehr existieren. Ist es womoeglich ein arkonidischer Maulwurf, der so in den innersten terranischen Forschungs- zentren eingeschmuggelt werden soll? Um die Geheimrezepte des Residenz-Kochs Baiolekk auszuspionieren, oder eine Genprobe von Norman zu entnehmen, um dann Terra mit Millionen Norman-Klons zu ueberschwemmen, was nicht nur die LFT- Kekswirtschaft in den Ruin treiben wuerde. Um die Waringer- Akademie zu sabotieren, etwa indem die Studenten zum Wideraufbau anstatt zum Studieren eingesetzt werden, in dem sie verleitet werden, moerderische Experimente durch- zufuehren, die nur die Drueckeberger und Langschlaefer ueberleben? Um den Daellian-Meiler in allen Kraftwerken zu installieren, der von Bostich mit einem Knopfdruck zentral deaktiviert werden kann? Um die heimlichen, von Adams aufgetriebenen Finanziers der LFT und all ihrer Einrichtungen, sogenannte "Leser" aus dem Metauniversum, durch fortgesetzte Depressionsschilderung ebenfalls depressiv werden zu lassen und sie in Scharen zu dem heimlich von Bostich unterstuetzten Konkurrenzprojekt Maddrax zu treiben? Um das Siezen in der terranischen Gesellschaft wieder einzufuehren, und durch das Umschreiben aller schriftlichen Publikationen, das Neu-Synchronisieren aller Trivi-Filme, weitere Ressourcen und Energien in nutzlose Projekte zu binden.

Die unendliche Geschichte:

Das Perryversum ist in Aufloesung begriffen. Der Hyperraum zeigt zunehmende Demenzerscheinungen, ganze Sternenhaufen stuerzen aus dem Nichts und erkalten und leblosen Klumpen, der ueberschaubare Bereich des Universums wird staendig kleiner, wer kann sagen, das Bereiche, die nicht mehr erreichbar sind, ueberhaupt noch existieren?

Die Ursache liegt im Metauniversum, wo die wahren Kosmokraten nicht mehr an Perry, Atlan und ihre Welt glauben wollen, wo sich immer mehr von ihnen abwenden, sich an Doom und dem Verkaufen illegaler Kopien bei Ebay ergoetzen anstelle die muehselige woechentliche Prozedur des Heftelesens auf sich zu nehmen. Der Tag ist nah, an dem der letzte Kosmokrat den Fantasien seiner Jugend entsagt.

Perry mit seinem Medaillon Aury... aeh.. ZA ist zu einer Quest aufgebrochen, um die kindische Herrscherin in Jamondi zu finden, aber es bedarf der Hilfe eines Wesens aus dem Metauniversum, um ihn an sein Ziel zu bringen...

"Schoen, dass Sie mir dieses alte, zerlesene Exemplar eines Heftromans andrehen wollen, aber ich habe jetzt wirklich keine Zeit. Und nennen sie mich nicht Sebastian. Nein, auch irgendwelche beigepackte Gimmicks interessieren mich nicht. Auf Drachen reiten? Nein, muss nicht sein. Und ich bin wirklich beschaeftigt, ich bin gerade am Noergeln, und das ist Knochenarbeit. Ich kann keine Fantasiewelten retten, wenn ich gerade einen SF-Roman durch den Kakao ziehe. Der wuerde mir doch in der Zwischenzeit kalt werden, der Kakao, nicht der Roman. Aber vielleicht ein anderes mal...?" "..." "...hmm, seltsam, hat verdammt viele leere Seiten, dieser Roman. Ist sicher ein fieser Trick von diesen raffinierten Autoren. Wie soll ich mich ueber leere Seiten lustig machen? Das kann man einem Amateur doch nicht antun, das ist unsportlich!"

Die unertraegliche Leichtigkeit des Seins:

Die Schwerfaelligkeit in einem Robotsarg die LFT mit Energie zu versorgen, Saboteure zur Strecke zu bringen und eine juristisch einwandfreie Abmahnung nach Magellan zuzustellen, in der unter Androhung hoher Geldstrafen und Freiheitsentzuges vom intergalaktischen Hacker Gon-Orbhon gefordert wird, die illegalen Downloads aus der Sonne zu unterlassen. Vor dem Hintergrund rollender Panzer (die Antigravs wollen nicht mehr so recht) und dem Einmarsch in Hayok in den Fuehlingstagen 1332 NGZ angesiedelt.

(Fuer die Verfilmung wuerde sich passend Daniel-Day Lewis eignen, der nach einem "Linken Fuss" ja auch mal einen rechten Gehirnlappen darstellen koennte.)

Lunatico:

Vorausgesetzter Gemuetszustand fuer eine aufstrebende, ehrgeizige PR-Figur, um wiederholt in den begehrten und legendaeren Kasten der Hauptfiguren aufgenommen zu werden.

-- [*1]

Ausnahmsweise eine kleine Meta-Erlaeuterung, da die Vorlage, (nein, nicht die "antike" Rockgruppe aus dem vorigen Jahrhundert) nicht allen bekannt sein wird. "Who" ist ein 1958 geschriebener Roman von Algis Budrys, in dem ein Atomphysiker bei einer Explosion an der vermutlich damaligen deutsch-deutschen Grenze schwer verletzt und verstuemmelt wird, sein Gesicht "verliert", vom Feind zusammengeflickt und mit einem Metallkopf zurueckgeschickt wird. Nur, wie lassen sich die eigenen Leute davon ueberzeugen, dass "er" er ist?

Auf deutsch erschienen im Ullstein Verlag (SF 31049) als "Zwischen zwei Welten". Und eine direkte Verbindung zu PR gibt's obendrein: uebersetzt wurde der Roman von einem hier nicht gaenzlich unbekannten "Uwe Anton".

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Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Positives:

Nein, ich habe noch immer nicht meinen Frieden mit der Sektenhandlung auf Terra gefunden und wuenschte weiterhin, der fast allmaechtige Expokrat haette seinerzeit diese neue und originelle Idee beeinflusster Menschen auf Terra in die grosse finale Rundablage getan.

Aber, mag es nun daher kommen, dass die gemuetsmaessige und geistige Abstumpfung der Terra-Malaise bereits gross genug worden ist, sich eine gewisse Resignation breit gemacht hat, oder die Romane den erzaehlerischen, spannungs- technischen und unterhaltsamen Nadir durchschritten haben und _tatsaechlich_ besser werden, nach der "Buegergarde Terrania" empfinde ich auch diesen Roman nicht als persoenlichen Affront. Es ist halt einer von recht vielen Romanen, die aus welchen Gruenden auch immer, an mir "vorbeigehen", mich nicht oder kaum ansprechen, die ich bei aller persoenlicher Distanziertheit aber kaum als Anzeichen des nahenden Endes der Serie oder ihrer weiteren Lesbarkeit interpretieren kann.

Das mag jetzt auf den ersten - und auch auf den zweiten Blick - nicht sehr positiv klingen, aber angesichts der mir zuwideren Handlungsebene "Gon-Orbon-Verrueckte sabotieren die Relais der terranischen Grossrechner" kommt das (fast) schon einem Lob gleich.

Wieder steht Malcolm Daellian im Mittelpunkt der Handlung, und auch Arndt Ellmer bringt den Schrecken und die Depression der Figur recht gut zu Papier. Mit neuen Facetten kann er zwar nicht aufwarten, und die Logik um das lebensmuede Gehirn eines Fast-Toten in seinem Medotank will mir ebenfalls nicht wirklich einleuchten, aber "unter die Haut" gehen die beim Lesen auftauchenden Vorstellungen schon.

Wieviele Hefte sich mit dem "Leiden des jungen Daellian" fuellen lassen, wird sich allerdings erst zeigen muessen. Auf Dauer scheint mir der Medotank und das Alptraeume durchleidende Gehirn darin aber zu wenig erzaehlerische Freiheiten fuer eine aktiv0agierende Figur zu bieten.

Ist es Zufall und nur eine Taeuschung, dass sich in den aktuellen Heften vermehrt Beschreibungen und Szenen finden, die sich wie eine direkte Reaktion der jeweiligen Autoren auf Leserreaktionen und Leserkritiken darstellen? Da gibt es einen Kantiran, der laut ueber das seltsame Verhalten seines Vaters gegenueber den ES-Boten sinniert, einen vaeterlichen Freund, der genauso laut das seltsame Verhalten Kantirans gegenueber seinem Vater anprangert. Und ploetzlich werden tatsaechlich Terraner beschrieben, die aktiv Forschung im Umfeld der G-O-Beeinflussung betreiben, die die alten Seelenquell-Schutznetze adaptieren wollen, die Beeinflusste aus dem vermuteten Einflussbereich G-Os bringen wollen.

Es ist nur schade, dass solche "Kleinigkeiten" viel zu oft viel zu spaet Einlass in die Manuskripte finden. Da gerade die diesmal erwaehnten Untersuchungen ohnehin kein Ergebnis bringen koennen, ehe der vom Expokraten projektierte Kulminationspunkt der Handlungsebene erreicht ist, haette das Scheitern der Experiment bereits vor Monaten zumindest erwaehnt werden sollen.

Neutrales:

Ein Roman mit einem sehr handfesten pseudotechnischen Schwerpunkt. Und das ausgerechnet von Arndt Ellmer! Der mir nicht allzu boese sein soll, dass ich die Handhabung technischer oder astronomischer Details und Beschreibungen nicht zu seinen Staerken zaehle.

Darf ich vermuten, dass erzaehlerischer _Mut_ zu seinen Staerken gehoert, und er sich weniger als die meisten seiner Kollegen gegen ein High-Tech-Expose wehrt?

Da Rainer Castor mit den technischen Datenblaettern und Entwuerfen, dem Kommentar und den Atlan-Buechern vermutlich ziemlich ausgelastet ist (nach "Verrat auf der Kristallwelt" sage ich da nur: Gott sei Dank! :-( ), war es fuer ArEl womoeglich sogar eine willkommene Abwechslung nach den Wald-, Wiesen und Inselabenteuer in Jamondi, Phsyikstudenten bei der Arbeit zu beschreiben, durchs Sonnensystem zu sausen, Kraftwerke im Sonnenorbit hochzujagen ... und seine oft mehr originellen als nachvollziehbaren Ansichten ueber Entfernungen, Geschwindigkeiten, grosse Zahlen und die Groesse von Planeten kundzutun. ;-)

Dabei muss ich gestehen, dass mir der luna-grosse Merkur mehr ein Schmunzeln entlockte als den Aerger, der auf den Springer mit seinemTraktorstrahl im Hayok-Archipel folgte.

Ein weiterer Trend laesst sich nur noch schwer uebersehen: Romantitel, die mit dem Inhalt des Heftes nicht viel zu tun haben, die schon gar nicht das zentrale Thema des Romans beschreiben. Die damit oft eine falsche Erwartungs- haltung erwecken, die nicht eingeloest wird, nicht eingeloest werden kann.

Und bei der "Operation Kristallsturm" fand sich bemerkenswert wenig Operation Kristallsturm. Dafuer gab's umso mehr "Projekt Rainbow".

Wer immer letztendlich fuer den Titel verantwortlich ist (die Autoren haben meines Wissens nur ein "Vorschlagsrecht") sollte, wenn er meine nicht immer bescheidene Meinung hoeren will, ein paar Minuten ueber die "Titel"-Problematik nachdenken. Nach weiter ueber 2000 Titeln fuer PR-Produkte ist es natuerlich schwer, sich nicht zu wiederholen und neue Kreationen zu finden, aber eine nicht eingeloeste und vom Titel suggerierte Erwartung kann auch einem gelungenen Roman schaden.

"Die mediale Schildwache", "Operation Kristallsturm", "Kavuron, der Spieler" und "Attentat auf Hayok" folgten zu knapp aufeinander, um das nicht auffaellig werden zu lassen.

Negatives:

Malcolm unterrichtet, Malcolm laesst einen energieerzeugenden Satelliten bauen und ins Sonnenorbit bringen, Malcom stellt einen Gon-Orbhon Saboteur, Malcom dinniert mit einem anscheinend gut informierten Koch, auch wenn es dann doch nur Klatsch ist, was er erfaehrt, Malcolm erfaehrt von der Operation Kristallsturm und wird nach Hayok geschickt.

Leider gab's keinen durchgehenden Spannungsbogen, und auch die Sequenz um das Projekt Rainbow und den G-O-Saboteur liess mich nicht gerade vor Aufregung die Fingernaegel kauen.

Ich vermute, dass die Exposevorlage, so wie beim Nachfolgeband, recht vage und undankbar war. Die Fakten und Daten um die Operation Kristallsturm machen halt keinen Roman aus, und die vielen "leeren" Seiten mit Malcolm und seinem Projekt Rainbow zu fuellen hatte einen Nachteil: Es war fuer den Leser, zumindest die meisten Leser, klar, dass mit diesem Energieprojekt keine handlungsmaessigen neuen Weichen gestellt werden, dass Malcolm dabei nichts geschehen wuerde, dass irgendwann im Heft endlich die erwarteten Hintergruende zum Kristallsturm aufgedeckt werden mussten. Und so blaetterte man Seite um Seite und wartete auf den Kristallsturm, der einfach nicht kommen wollte.

_Ich_ wollte gar nicht so viel ueber irgendwelche Details um einen neuen Sonnenzapfer wissen, ich wollte wissen, was Adams und Co sich hatten einfallen lassen.

Und durch die Struktur, durch Malcolm als alleinige zentrale Gestalt des Romans, war nicht mal eine Parallelhandlung moeglich, ein Strang um das lebensunlustige Gehirn, bei dem er zum Wissenden in Bezug auf die Operation wird, und eine Zweithandlung um eine "freie" Figur, deren Aufloesung nicht vorgegeben war.

Malcolm als Schnueffler, der entdeckt, dass laufend groessere Budgetmittel fuer ein auch vor ihm verborgenes Projekt abgezogen werden, der zu vermuten beginnt, dass ein LFT-Fuehrer von G-O uebernommen worden ist und bereits gegen die Interessen der LFT handelt. Etwa indem er das ungemein wichtige Projekt RAINBOW budgetmaessig beschneidet, als zweitrangig einstuft. Und dann die Aufloesung. Waehrend nebenbei eine andere Figur einen Attentaeter eben beim Projekt RAINBOW entlarven muss.

Die geradlinige Abfolge - Malcolm baut den Sonnenzapfer, Malcom testet ihn, Malcolm verbessert ihn, Malcolm wird zum Kristallsturm-Mitarbeiter "befoerdert", mit einer fast schon gewaltsam beigefuegten Action-Szene - war fuer diesen Nicht-Action-Roman eher unpassend.

Abschliessend ein paar Details:

Waere Malcolm nicht zur Erde zurueckgekehrt, waeren die Energieprobleme derselben noch immer nicht geloest. Wurde im Roman behauptet. Warum und welcher Idiot hat dann diesen begnadeten Grundlagenforscher, Wissenschaftler, Techniker und Ingenieur dann auf den Verwaltungsposten einer Schule abgeschoben? Zum Unterrichten hat in dieser Krisensituation so ein Mann (oder eine Frau) nun wirklich keine Zeit, oder zumBeaufsichtigen der Bauarbeiten der Akademie, oder dem Rekrutieren von Studenten, oder dem Einbrechen in Museen.

Vor kurzer Zeit haette unser Genie fast Terrania in die Luft gejagt, weil in der Waringer-Akademie inmitten des Stadtgebietes gemeingefaehrliche Experimente durchgefuehrt wurden.

Mittlerweile bringt er seine Versuchsanordnung schon in einen Sonnenorbit, was fuer eventuelle Collateralschaeden schon einmal recht praktisch ist.

Aber warum wird fuer den ersten Versuch gleich eine komplette Zapfanlage im Massstab Eins-zu-Eins aufgebaut? Warum beim ersten Lauf bis an die Grenzen gehen? Warum nicht erst die Daten auswerten, wenn die prinzipielle Anordnung als solches einmal die ersten Daten geliefert hat? Natuerlich will man als Unterhalter (Autor) um der Spannung und Unterhaltung willen nicht zu sehr in Details abschweifen, spannungstoetenden Realismus einbringen, aber eine zu grosse Vereinfachung ist m.E. auch nicht der richtige Weg, das Publikum/die Leser zufrieden zu stellen.

Warum wird dieser ungemein wichtige und unersetzbare Mann nicht bewacht und besser geschuetzt? Warum muss er selber potenzielle Attentaeter jagen? Warum gibt er irgendwelche Verdachtsmomente nicht sofort an bereitstehende Sicherheits- kraefte weiter, sondern muss den Attentaeter persoenlich stellen?

Warum hat sein Medotank keine besseren Schutzeinrichtungen (auch wenn persoenliche Paratronschirme mittlerweile Geschichte sind), warum hat er keine Betaeubungswaffen, keine Traktorstrahler? Und wenn solche vorhanden waeren, warum setzt unser Genie diese nicht ein? Warum hat er dem gestellten Attentaeter die Gelegenheit gegeben, sich selbst zu toeten?

Wer baut im lunaren Orbit an einem geheimen Grossprojekt? Von jedem Erdenbewohner mit einem billigen Fernrohr anscheinend gut einsehbar, um so manche Schluesse zu ziehen? Wie schafft man das eigentlich, wenn tatsaechlich nur _vier_ Maenner die Wahrheit kennen? (Adams, Tiff, Kantor und der Erste Terraner.) Ist es schlau, als Tarngeschichte die Maer zu erfinden, Bostich irgendwelche reichen Hyperkristallvorkommnisse wegzuschnappen, wenn dessen Agenten laengst auf Terra sitzen und die Tarn- geschichte tatsaechlich schlucken? (Den beiden folgenden Romanen im Hayok-Archipel entnehme ich, dass diese Agenten tatsaechlich vorhanden sind und im Gegensatz zu den gut vorbereiteten Terraner keine echten Kommunikationsprobleme mit ihrem Chef haben.)

Die LFT kann rechtlich noch immer nicht gegen die Sekte vorgehen, aber es ist kein Problem, eine Bre Tsinga festzuhalten, ihr trotz des Attentats aber keinen Prozess zu machen oder einen Przesstermin festzulegen, sie zu isolieren, und sicher gegen ihren Wunsch und ohne Einverstaendnis ihrer Angehoerigen oder ihres wohl nicht vorhandenen Anwalts heimlich aus dem Sonnensystem fortzubringen, also zu entfuehren.

Ist die Waringer-Akademie "staatlich"? Welche hierarchischen Strukturen haben Universitaeten und Schulen in der LFT? Immerhin bestimmt Malcolm als Leiter der Akademie ganz selbstverstaendlich einen seiner Mitarbeiter zu seinem Nachfolger. Braucht dazu anscheinend weder den LFT- "Bildungsminister" oder ein entsprechendes Gremium.

Und als Sahnehaeubchen, bereits weiter oben einmal erwaehnt, werden wir mit dem mondgrossen Merkur belohnt. Wollen wir hoffen, dass Myles fuer seine Merkur-Labors keinen zu hohen Turm mit Antenne baut. Der koennte dann womoeglich die Oberflaeche von Luna kratzen, wenn die Umlaufbahnen sich zu sehr annaehern... ;-)

Fazit:

Gelesen und abgehakt. Die Expedition nach Magellan klingt vielversprechend. Malcolm Daellian ist eine Figur, die wohl noch ein paar Auftritte vor sich hat, aber als Gehirn in einem Medotank hoffentlich nicht zu lange im "Leerlauf" mitgeschleppt wird.

ArEls beide "Tau Carama"-Romane haben mich trotz ihres Status als "Handlungsverzoegerer" besser unterhalten, waren stimmungsvoller und m.E. lesbarer erzaehlt.

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 22. July 2006 in die Datenbank eingepflegt

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