Im Visier 2230

Zugrunde liegender Roman: Arndt Ellmer - Krieger für Jamondi

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Disclaimer: Nicht hinter jeden mueden Farce verbirgt sich eine Wahrheit. Es muss auch davor gewarnt werden, aus den folgenden Unterstellungen irgendwelche persoenlichen Vorlieben, Phobien, Wunschtraeume, Aengste oder Vorschlaege des Noerglers von sorglosem Naturell abzuleiten. ;-0

Plot:

Hector schlaegt Achilles; der beste Krieger, den das Patriarchat der Berg-Motana aufbieten kann, bezieht mehr als nur Pruegel von der Prinzessin der Waldmotana. Opa PR und Opa Atlan schauen zu.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

Leserzuschrift vor langer Zeit: [1]

"Ich habe nichts gegen weibliche Charaktere, aber man sollte tunlichst darauf achten, sie am Ende des laufenden Zyklus umzubringen."

Wie konnte es, angesichts obigen Leserwillens, dazu kommen, dass sich neuerdings umwerfend gutgebaute, unbesiegbare Amazonen en masse unter den Maennerverein von PR-Testosteron Protagonisten mischen? Viele Jahre lang haben die verschiedensten ExpOkraten doch alles getan, um den Wunsch des obigen Lesers moeglichst wortgetreu zu erfuellen. [Vielleicht waere es im Interesse vieler, diesen Leser auszuforschen und ihn mit guten Worten, kleinen und groesseren Bestechungsversuchen oder im Extremfall (der Zweck heiligt ja die Mittel) auch mit der Androhung von Repressalien (etwa der Auferstehung aller je gemeuchelten ZA-Tragerinnen) zu ueberreden, seine Ueberredungskuenste auf gewisse Zeitschleifen, Affen oder Elefanten zu richten?]

Ist es nur der Einfluss von Dirk Schulz' Malpinsel, der Anblick zu vieler Barbie-Puppen in den Haushalten mancher mit Toechtern gesegneter Autoren, oder das Dekollete von Lucy Lawless, in welches KNF waehrend einer SF/F Convention (natuerlich rein beruflich) schauen durfte, dass die neuen Identifikationsfiguren der Serie nicht nur von Strahlern und TFKs sondern auch von schadhaften Kondomen in ihrer Existenz bedroht werden?

Was hat dazu beigetragen, dass nunmehr zwei abgehalfterte Unsterbliche, ehemalige Universenretter, von einer Schar zu allem bereiten Amazonen an den zittrigen Haendchen durch die Weiten (und Naehen) des Sternenozeans geleitet werden?

Zwei Pantoffelhelden, denen nicht nur die alte, sichtlich ueberholte Rolle nicht mehr steht? Was hat zur "Entmannung" der Mannen des Erben des Universums gefuehrt? Das die traumatische Erfahrung mit Mondra Diamond und der Samenraub durch Ascari die ohnehin nie besonders sprudelnde Libido des Titelhelden endgueltig zum Versiegen (das "zum Erschlaffen" spare ich mir lieber) brachte, mag noch hingehen, aber das der ehemalige arkonidische Hengst seine schwindende Potenz mit leicht durchschaubaren Ausreden dem stimmgewaltigen neuen Frauenbild der Serie gegebenueber rechtfertigen muss, sollte als trauriger Tag in die Annalen des Perryversums eingehen.

Dabei fing alles so harmlos an...

Leserbriefe, die wir nie zu Gesicht bekamen:

"Lieber Autor, lieber Redakteur, lieber Verlag.

[...] Es ist schon toll, dass ihr anscheinend genau wisst, welche Art von Geschichten ich so gerne lese. Coole, heftige Abenteuer mit richtigen Maennern, die keine Angst kennen, die unerschrocken dorthin vordringen, wo kein Mann zuvor gewesen war. Papa und ich sind uns da einig, ihr schreibt die tollsten Geschichten auf der ganzen Welt. Wir lesen eure tollen Hefte sogar gemeinsam, wenn Mama nicht in der Naehe ist, und wechseln uns beim Aufpassen ab, ob sie nicht schon vom Einkaufen nach Hause kommt. Sie mag diese Hefte mit den Monstern auf den Titelbildern nicht und wird immer ganz boese, wenn sie uns erwischt. Frauen halt; die wissen einfach nicht, was richtige Maenner moegen. [...]"

"Liebe Autoren.

War das wieder mal ein tolles Abenteuer mit den drei USO-Agenten. Lemy Danger und Melbar Kasom waren zuletzt auch wieder sehr ueberzeugend. Vom Pyschoteam, den Ueberlebensspezialisten, dem neuen Barbaren, diesem genialen Wissenschaftler und den Maennern der Abteilung 6 ganz zu schweigen. Aber musstet ihr Mory Abro gleich an Bord der CREST lassen und sie mitnehmen? Ist das nicht sehr unglaubwuerdig? Jetzt muss der arme Perry dauernd auf sie aufpassen."

"Lieber Herr Autor.

Perry Rhodan ist sicher die wichtigste Sache in meinem Leben. Und ihr macht das schon sehr gut so. Ich will euch auch gar nicht dreinreden. Das mache ich bei meiner Freundin ja auch nicht. Aber damit bin ich schon bei meinem Thema. Meiner Freundin naemlich. Die ist naemlich schon ganz nett so. Nicht, dass sie einen Zellaktivator verdient haette. Und so. Aber ist es nicht ein wenig wenig, dass ihr nur der alten Schachtel Tipa Riordan einen ZA gegeben habt? Ich habe ja nichts gegen Tipa, aber manchmal denke ich mir, dass eine etwas juengere Frau, irgendeine Frau, auch mal in eurer tollen Serie erwaehnt werden sollte. Ich meine, es gibt ja auch im sogenannten wirklichen Leben ein paar Frauen... [...]"

"Lieber Verlag. Musste zu meinem Schrecken feststellen, dass bei euch ploetzlich eine Frau mitschreibt. Ja darf die denn das? Bei all der Technik und den Waffen und den vielen Kaempfen? Kann die ueberhaupt Maenner gut beschreiben? Oder duerfen jetzt auch Frauen bei PR etwas sagen? Und musstet ihr Tekener gleich eine Freundin geben?"

"Liebe Autoren. Heute habe ich ein ziemliches Schockerlebnis gehabt. Ich habe im Nachtkaestchen meiner Mutter unter den Arztromanen zwei von meinen Perry-Rhodan Romanen gefunden. Ich glaube, sie hat sogar darin gelesen. Sie ist doch meine _Mutter_. Nicht mal mein Vater liest Perry Rhodan."

"Lieber Expokrat.

Heute haben wir im Physikunterricht mit der neuen Lehrerin ueber Raketenantriebe gesprochen. Meine Schwester hat ihren Fuehrerschein gemacht, und mein Vater ist von seinem wocchentlichen Training am Schiessplatz mit Lippenstift am Hemdkragen zurueckgekommen. Waere es nicht an der Zeit auch bei PR ein paar Frauen mitspielen zu lassen?"

"Liebe PR-Redaktion,

heute hat meine Freundin mal in meiner PR-Sammlung geschmoekert. Ich habe ja gedacht, dass sie das ueberhaupt nicht interessiert und auch nicht versteht. Sie meint aber, dass dieser Atlan eigentlich ein toller Kerl ist und sie gerne mehr von ihm lesen wuerde. Sie meint auch, dass er unbedingt eine Frau an seiner Seite braucht. Nur ein Mann, der in der Gegend herumlaeuft und mit Monster kaempft, meint sie, ist ein bisschen zu wenig. Um Mirona hat er lange genug getrauert, meinte sie dann, als ich ihr ein wenig von dem Arkoniden erzaehlt habe. Und der Rhodan, sagte sie, wuerde auch nicht dauernd so traurig von der LKS blicken, wenn er nicht andauernd Witwer waere."

"Lieber Perry Rhodan,

mein Freund liest jede Woche deine neuesten Abenteuer. Kaum zu glauben, wie du es schaffst nebenbei auch noch alle sieben Tage einen ganzen Roman zu schreiben. Aber das kommt wahrscheinlich davon, dass du als Zellaktivatortraeger nur ganz wenig Schlaf brauchst. Aber was ich dir eigentlich sagen wollte, kannst du nicht ein paar nette Maedels anstellen. Immer nur von Kerlen zu lesen, die sich wahrscheinlich nicht mal regelmaessig duschen, ist doch langweilig. Meine Freundinnen schauen mich ganz seltsam an, wenn ich in den Heften meines Freundes blaettere..."

"Werter Herr Chefautor,

dauernd wirft man uns Rhodaniten vor, ein libidoloser Haufen vorpubertaerer Knaben zu sein. Es wird Zeit, der Welt zu zeigen, dass wir keine Angst vor der holden Weiblichkeit haben. Und, Hand aufs Herz, Lara Croft, Emma Peel, Barbarella und Angela Merkel machen sich doch nicht nur auf dem Titelbild gut..." "Werter Herr Chefautor, ich moechte mein letztes Schreiben canceln. Lara Croft, Emma Peel und Barbarella duerfen aber bleiben..."

"Liebe Autoren, lieber Chefredakteur.

Ich lese PR seit vielen Jahren. Frueher habe ich die Hefte mit meinen Schulkameraden in den Pausen getauscht, heute habe ich zwei Toechter im lesefaehigen Alter. Ich wuerde ihnen meine PR-Sammlung ja gerne ans Herz legen, aber soll ich ihnen wirklich ein Weltbild vermitteln, wo ein Haufen mittlerweile recht betagter Maenner sich mit maennlichen Gorillas pruegelt und je nach Testosteron- Schwankung mal mit den Kosmokraten schmollt oder Haendchen haelt? Im Zuge der Gleichberechtigung solltet ihr ein paar aehnlich gelungene Frauencharaktere mitprueg... aeh... mitmachen lassen. Ich stelle mir vor, wie eine Mondra Diamond ein paar entsprungene Bestien in Terrania jagt [hier hat der wohlwollende Autor wohl etwas miss- verstanden. Anm. des Noerglers von sorglosem Naturell] oder wie ihr ein Sternenreich erfindet, in dem die Frauen zum Wohle aller das Sagen haben. [Anm. des NvsN: Und in dem sich alle in Waeldern oder auf Inseln verstecken und Gluehwuermchen zuechten. Auch hier scheint der Expokrat etwas missverstanden zu haben.]"

"Hallo Kollegen, ich bin's, der Dirk, nein, nicht der Schulz. Wie waere es mal mit ein paar heissen Braeuten in eurer Serie? Schliesslich liest auch das Auge mit, vornehmlich am Titelbild. Nur graue Nymphos und telepathische Angelis lasst bitte bleiben, die habe ich bereits unter Vertrag. Aber mit ein paar bogenschwingenden und zungenfertigen Amazonen koennt ihr vielleicht sogar eure TV-Serie gewinnbringend einem ordentlichen gewinnorientierten Produzenten verkaufen."

Und das Leben haette so schoen sein koennen. Dem Volk wurde gegeben, was das Volk begehrte.

Der grosse Held Zim schmachtete einen ganzen Zyklus lang diversen Maedels hinterher. Li durfte auferstehen. Alaska bekam Herzklopfen und sah blau und fuehlte blau, wenn er an ein besonders buntes Kosmokratenmaedel dachte. Rhodan verlor die Kontrolle ueber seine Koerpersaefte; um ihre Oscar-Chancen zu erhoehen legte die Saftdiebin nach erfolgreichen Vorbild sogar erfolgreich eine gar haessliche Maske an. Mondra durfte ueberleben, bekam eine Hauptrolle, eine Gehaltserhoehung und ihren ruesseligen Begleiter zurueck. Bre verfiel der dunklen Seite der Macht, auch wenn da ein Luke Skywalker fehlt, dem sie so die Show stehlen konnte. Und der beste Mann auf Hayok entpuppte sich gar als weiblicher Maulwurf. Aus Neuseeland wurde eine ganze Gruppe arbeitsloser und Hercules-erprobter Amazonen angeheuert, um die Waelder des Sternenozeans und Atlans Selbstsicherheit unsicher zu machen. Das eine wenig faehige Erste Terranerin einem wenig faehigen Ersten Terraner weichen musste, kann man als Betriebsunfall abtun. Glorreiche neue Zeiten bahnten sich an. Das Rot des PR-Logos sollte bereits durch einen dem Auge viel angenehmeren Rosa-Ton ersetzt werden, nebst Report und Journal war an eine vierwoechige Kochbeilage gedacht, das Poster von einem nur mit Lendenschurz bekleideten Oxtorner Monkey schon gedruckt, Kantiran sollte eine Schwester bekommen, die Verhandlungen mit Rosamunde Pilcher als Gastautorin standen kurz vor einem erfolgreichen Abschluss, als...

"Lieber Klaus, lieber Robert, liebe Graue Eminenz.

Ich habe es wie fast alle modernen PR-Leser sehr begruesst, dass auch in PR endlich ein paar Frauen die Hosen anhaben. Allerdings ist etwas Schlimmes geschehen. Meine Freudin will mir mein PR-Heft nicht zurueckgeben. Sie liest die Hefte seit einiger Zeit immer zuerst und ist auch sehr begeistert von dem neuen Rhodan-Feeling. Dummerweise verborgt sie die Hefte immer an ihre Freundinnen, die lesen sie sogar bei ihren Tupperware-Parties. Und haben sogar die T-Shirt Idee von Adams aufgegriffen. Ich mache mir langsam Sorgen." "Liebe Autoren,

endlich habt ihr es geschnallt, wo eure Zielgruppe liegt. Diese tolle Serie war an die kindischen Jungs doch total verschwendet. Technik und Raumschlachten, das sind doch ueberholte Konzepte. Starke Frauen, an deren Schultern sich auch ein Atlan einmal ausweinen koennte, wenn er nur den Mut dazu aufbraechte, romantische Ewige Helden, denen von einer richtigen Frau endlich gezeigt wird, in welcher Richtung es ins Universum geht, dazu ein Entruempeln dieser garstigen Technik und ein Besinnen auf die schoenen Kuenste. Ich haette euch dieses Einfuehlsvermoegen in den ueberlegenen Intellekt der Frauen gar nicht zugetraut. Meinem Freund lasse ich die wunderbaren Hefte gar nicht mehr lesen. Der flennt doch ohnehin nur noch, weil ihr ihm mit der HI die schoenen Phallus-Spielzeuge genommen habt."

"Sehr geehrte Herren vom Verlag,

Ihr muesst etwas tun. Seit ich aus Versehen ein PR-Heft habe liegen lassen und meine Frau es lesen konnte, hat sie begonnen, Gesangsunterricht zu nehmen. Es ist furchtbar."

"Liebe Freunde,

neuerdings traeume ich des Nachts von durch die Waelder pirschenden Amazonen, die Kampflieder singen und mit ihren Boegen Raumschiffe abschiessen. Unter Tags sehe ich dauernd Bre Tsinga vor mir, die schwarzgeschminkt seltsame Predigten haelt, waehrend Mondra ihren Nashorntiger auf mich hetzt. Wie soll ein schwacher Mann das aushalten? Wenn das so weiter geht, halte ich mich doch lieber an die Abenteuer des Verrueckten Drax. Der hat zwar auch mit Amazonen und aufmuepfigen Frauenspersonen zu tun, aber meine Freunde sagen mir, dass er zumindest genausoviel austeilt wie er einsteckt."

"Liebe Macher von PR,

Seit ich in einem Anfall geistiger Umnachtung meiner Holden ein paar meiner PR-Hefte geborgt habe, will sie ploetzlich von mir gesiezt werden. Als diejenige, die den Haushalt fuehrt und fuer den staendigen Wiederaufbau desselben zustaendig ist, meint sie, ein Recht auf dieses kleine Privileg zu haben. Mich nennt sie nur noch Todesbringer, und ich muss mich dauernd entschuldigen, wenn ich eine Spinne oder eine Gelse erschlage, obwohl sie es war, die zuvor gekreischt hat und das monstroese Insekt nicht in ihrer Naehe haben wollte. Sie hat sogar mit ihren Freundinnen ein Tribunal einberufen, und obwohl sie mich freigesprochen haben, und ihre Freundinnen jetzt weitere Todesbringer fuer den Eigenbedarf anwerben wollen, schauen sie mich weiterhin ganz veraechtlich an. Und jetzt will sie gar, dass ich mich als Mutprobe mit Regina Halmich im Ring messe... Sie hat sogar schon ein Zimmer in irgendeinem Alpendorf gebucht, wo der Kampf stattfinden soll."

Wen wundert es, wenn da ein besorgter PR-Chefredakteur eiligst seine Schaefchen um sich versammelte, um den eingeschlagenen Weg noch einmal zu ueberdenken. Wohin wird das singende und tanzende Matriarchat der Motana fuehren? Soll, darf oder muss da gegengesteuert werden? Sollen es doch die Motana- Maenner sein, die letztendlich die Kastanien aus dem Feuer holen?

Steckt eine tiefere Botschaft hinter der auffaelligen "Tierbesessenheit" der Mondra Diamond? Hat sie in PR nur ein weiteres Exemplar ihres Zoos gesehen? Muss Bre Tsinga zurueck an Heim und Herd und Psychotherapie, oder darf sie weiter der Dunklen Seite des Propheten froenen?

Wird Kantiran einem Oedipus-Kompex erliegen und seinen Vater ermorden, um seine Mutter endlich heiraten zu koennen? Oder wird er endlich zum Mann reifen und Bostich in den Hintern treten?

Sind die Krieger von Jamondi nur ein trauriger, letzter Schwanengesang, ein Requiem fuer ein fuer immer verlorenes maennliches Heldenbild? Oder bringen sie die Rennaissance des guten alten Machobildes? (Mit Ketchup?)

Wir werden es sehen, in den akribisch genauen und aufs wesentliche konzentrierten Plotzusammenfassungen der naechsten Monate.

So, und jetzt muss ich in die Kueche. Der Abwasch wartet!

[1] Wortlaut beruht auf meiner Erinnerung, die Aussage [LKS] selbst ist allerdings authentisch.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Positives:

Etwas Seltsames ist geschehen. Nein, (um es mit Arthur C. Clarke zu zitieren) der Roman ist nicht voller Sterne, aber ich bemerke an mir, dass es mir lieber ist, wenn die Handlung in Jamondi wieder mal auf der Stelle tritt, als dass ich das x-te Agententechtelmechtel auf Hayok vorgesetzt bekomme oder mich auf Terra von Sektierern, Siezern, T-Shirt-Traegern und Elefanten belaestigt und genervt fuehle.

2230 ist nur eines der vielen Hefte zum "Drueberstreuen", weder besonders originell noch besonders spannend, weder auffaellig gut geschrieben oder voller gelungener Charaktere.

Es faellt aber auch nirgendwo ins Gegenteil ab. ArEl hat aus einer nicht gerade weltbewegenden Vorlage, aus einem als Hoehepunkt dienenden Duell, dessen Ausgang nie auch nur einen Augenblick in Frage stand, doch noch einen zum "schnellen Lesen" recht geeigneten Roman gemacht. Ein paar schlampige Ecken und Kanten waren zwar unnoetig (die seltsam zu lesende Aktion um den Ueberfall von Eisenpanzer auf den Motana-Botschafter, dessen fehlende Reaktion auf seine "Immergruen"-Verseuchung), aber es ist in der Tat wohltuend, wenn er seine Kaempfe und Figuren nicht bei relativistischen Geschwindigkeit abhandelt und aufstellt. ;-)

In einem weniger traegen und "mueden" Zyklus waere das ein Roman, der die Freude auf einen kommenden Schluesselroman steigern wuerde.

Steinerne Burgen, alte Gemaeuer, Intrigen unter alten und noch nicht ganz so alten Recken, Schwerter und Saufgelage, Ruestungen und Duelle auf Leben und Tod, eine Welt voller Barbaren, ein paar Lichtbringer und ein Schurke, der Kalif werden will anstelle des Kalifen. Ich gebe zu, das hoefische Rittertum ist dabei ein wenig kurz geraten, die edlen Burgfraeuleins fuehrten ein Schattendasein als Maegde, dafuer brachte die holde Walkuere Brunhi... aeh.. Zephyda ein wenig frischen Wind in die Maennergesellschaft. Auch wenn sie wohl eher einer Wagner-Oper entstammte als einem High-Fantasy-Epos von Martin, Jordan und Co.

Denn...

Neutrales:

Science Fiction Elemente enthielt die Haupthandlung um die Maenner-Motana so gut wie keine. Das Rhodan und Co. mit Schwebebikes anstatt mit Pferden angetrabt kamen, aendert an dieser Tatsache nur wenig.

Weil es natuerlich schwer ist, auf 35 Heftseiten das abzuhandeln, und dazu die notwendige Stimmung und Atmosphaere zu liefern, wofuer Martin, Kay und Cook oft viele hundert Seiten brauchen, lasen sich weite Teile des Heft fast wie eine Zusammenfassung, blieb kaum Zeit, einzelne Personen naeher kennenzulernen, blieben der Moechtegern- herrscher Eisenpanzer und sein Haeuptling recht eindimensionale Klischeefiguren.

Auf wenigen Seiten und Absaetzen "runde" Figuren zu skizzieren ist ArEl mit Tau Carama und dem Nachfolgeband m.E. besser gelungen. Was auch damit zu tun haben mag, das damals nicht unter ganz anderen Voraussetzungen und besseren Konditionen entstandene "Fantasy"-Klassiker beim Lesen ueberhand nahmen.

Schade auch, dass jetzt dem Matriarchat der Motana das zwar insgeheim erwartete aber wenig originelle patriarchische Spiegelbild entgegengestellt wurde. Und diese Maenner-Motanawelt sich dabei als Ansammlung von Klischees entpuppte, streckenweise fast wie eine ungeplante Parodie wirkte. Herrische Maenner, duckmaeuserische Frauen. Das war einfach uebertrieben. Und nicht mehr geeignet, ernstgenommen zu werden. (Ich erinnere mich noch an etliche eher kritische Kommentare, als Leo Lukas vor einem Jahr die vermeintliche Frauengesellschaft der Leuchter beschrieb. Die Berg-Motana lohnen hingegen keine tiefergehende Betrachtung.)

Negatives:

ArEl und Heft 2230 sind beinahe koerperlich spuerbare Opfer der Vierbaende.

Der Bionische Kreuzer, eine freie Welt von Motana und ein Versteck mit weiteren Bionischen Kreuzern, da haetten sich drei schoen vollgepackte Hefte angeboten. Aber weil nicht sein durfte, was nicht sein darf, haben sich die Frauen von Tom Karthay am Ende der "Zuflucht der Motana" nicht einsichtig gezeigt, waren nicht willig, den ungleichen Kampf aufzunehmen und haben PR schnell noch an den Heiligen See gefuehrt.

Stattdessen musste erst noch ein Schurke umgebracht werden, damit die alte Dame, die Planetare Majestaet, es sich doch noch einmal ueberlegt.

Nur: warum hat sie denn ihre Meinung geaendert? Weil ein paar raubeinige Maenner, die in der Hierarchie wenig gelten, sich auf die Seite der Fremden geschlagen haben? Welche Argumente des Schlussplaedoyers der vorigen Woche von Kischmeide haben sich geaendert oder umgekehrt?

Letztlich diente das anfaengliche "Nein" nur dazu, um die Handlung um einen Roman zu strecken. Mir persoenlich waere da ein "echter 'Nebenbei'-Roman" lieber gewesen, irgendein Drama oder eine Tragoedie oder eine Komoedie auf einer Jamondi-Welt im Bann der HI, oder die Vorgeschichte unseres Bionischen Kreuzers, oder diesen Band den aus dem Sternenozean ausgestossenen Motana der Wasserwelt widmen, um Bullys Rettungsaktion aus ihrer Sicht zu schildern.

Ganz allgemein faellt auf, dass Frank Borsch es doch eindringlicher gelungen ist, die Stimmung und das Leben auf Tom Karthay zu schildern. "Seine" Venga machte Spass beim Lesen, sie lebte und vermittelte das Gefuehl, dieses Leben auch ausserhalb ihrer Auftritte zu haben. Das gilt fuer keine der Figuren in Heft 2230. Seien es unsere Unsterblichen, Zephyda, Eisenpanzer oder der Karthog, so ganz konnte ich den Eindruck nie beiseiteschieben, dass sie fuer ihre Auftritte jeweils aus dem Fundus geholkt wurden, ein wenig von Staub und Spinnweben befreit und auf die Buehne gestellt.

(Wer jetzt glaubt, dass ich gerade den Roman "schlechtrede", sollte das eher anders sehen. Es gibt nur wenige "echte" Angriffspunkte (schliesslich ist es ein Heftroman und kein Anwaerter fuer einen Literaturpreis), dass mir nur ein "Ausweichen" auf recht subjektive Gefuehlseindruecke uebrigbleibt, um den Anspruch des "Haare in der Suppe"- Findens ausreichend gerecht zu werden.

Eines dieser Haare waeren die Ruestungen der Berg-Motana bzw. die Ruestung von Eisenpanzer. Samt dem martialischen Gehaben der Burgbewohner. Wie ist das entstanden? Wozu sind diese Ruestungen gut?

Auf Tom Kathay gibt es die Frauengesellschaft unter der Planetaren Majestaet. Und die Maenner in ihrer Bergfestung. Die beiden Gruppen meiden sich, arbeiten dort zusammen, wo es notwendig ist, verachten sie vermutlich, kommen sich meisten aber nicht in die Quere. Nirgendwo hatte ich das Gefuehl, dass ein tatsaechlicher Konflikt zwischen den beiden gaert, dass es einen solchen je gegeben hat. Abgesehen vom staendigen Sturm scheint es auf dem Planeten auch keine groesseren, wirklich gefaehrlichen Tiere zu geben.

Gegen einen Feind aus dem All, das wissen auch die recht rueckstaendigen Motana, helfen Ruestungen und Macho-Gehabe wenig.

Warum und wieso ist dann dieser Waffenkult entstanden? Wozu sind unbequeme Ruestungen in dem Fall "gut"? Als Schutz vor diesem "Immergruen"? Nun, Eisenpanzer hat die Ruestung sichtlich nicht geschuetzt.

M.E. wurde da eine mittelalterliche Konfliktgesellschaft etwas unueberlegt auf eine Welt verpflanzt, wo diese Art von Konfliktaustragung weder Tradition noch Berechtigung hat.

Und bevor ich weitere ausschweifende Beckmesserei betreibe, wird es an der Zeit auf den wahren Tiefpunkt des Heftes hinzuweisen...

Das Titelbild:

Ralph Voltz gelingt es leider sehr oft, ein TiBi abzuliefern, bei dem mir mir nur ein Gedanke kommt: Welche Talente er auch haben mag, das Zeichnen und Malen gehoert nicht dazu!

Natuerlich gibt es auch durchaus gelungene Bilder von ihm, sodass die obige Bemerkung so nicht stimmen kann. Aber diese Woche hat er wieder einmal alles getan, um die TiBis seiner Kollegen umso besser aussehen zu lassen. Und auch das Bild auf Heft 2231 macht keinen viel besseren Eindruck.

Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses verwaschene Motiv einen Kaufanreiz fuer Unschluessige darstellt.

Nachdem er m.W. als professioneller Maler/Grafiker arbeitet, nimmt er sich/hat er vielleicht zu wenig Zeit fuer ein womoeglich eher karg bezahlten PR-TiBi? Mit solchen "Leistungen" unterbietet er allerdings selbst die schlimmsten Leichen im Keller von Johnny Bruck. Und dessen "Leichen" hatten meisten immer noch Charme oder einen naiven Trash- Charakter...

Fazit:

Durchaus passabler Roman von ArEl mit minimalem SF-Gehalt und viel Fantasy-Hintergrund. Dem Viererblock haette es sehr gut getan, wenn er unter Auslassung des Hauptteils dieses Romans nur drei Hefte lang gewesen waere.

Roman und Jamondi-Handlungsebene profitieren ungemein von den Schwaechen der beiden anderen Handlungsebenen.

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 23. July 2006 in die Datenbank eingepflegt

Dieses Visier wurde 4282 mal aufgerufen.

 

hosted by All-inkl.com