Im Visier 2227

Zugrunde liegender Roman: Hans Kneifel - Menschenjagd auf Hayok

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Plot:

(Aus: "Die Sendung mit dem Marschiere-Viel")

Das ist der Herr Kneifel. Der schreibt Romane. Manchmal schreibt er ganz dicke Romane. Dann nennt er sich Hanns Kneifel. Manchmal schreibt er ganz duenne Romane. Da steht dann gross "Perry Rhodan" drauf. Obwohl der an dem Roman gar nicht mitgeschrieben hat. Und in dem Roman selber gar nicht vorkommt. Merkwuerdig, nicht wahr? Und 'Hans Kneifel' steht ein bisschen kleiner darunter. Rechtschreibfehler ist das aber keiner! Vielleicht ist es eine Tarnung vom Hanns Kneifel, damit die Leute, die die dicken Buecher lesen nicht wissen, dass er auch die duennen geschrieben hat? Seltsam, aber so isses.

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Das ist der Rudolf. Schaut recht grimmig drein. Ist er auch. Ihm faellt naemlich nichts ein. Waere er ein Architekt koennte er sich deswegen freuen. Is' er aber nicht. Der Rudolf will darueber schreiben, wie gut ihm der letzte Roman vom Herrn Kneifel gefallen hat. Das macht er naemlich jede Woche. Natuerlich nicht jede Woche ueber diesen einen Roman vom Hans, sondern immer ueber einen anderen Roman. Auch von anderen Leuten. Warum er das macht, weiss eigentlich keiner so genau. Nicht mal er selber. Oder seine oertliche Selbsthilfegruppe der Anonymen Schreiber.

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Das ist der Kantiran. Der nennt sich selbst "der Sternenbastard". Was so ein Bastard eigentlich ist, erklaer' ich dir, wenn du mal groesser bist. Der Kantiran hat sehr beruehmte Eltern. Sein Vater ist der Chef vom ganzen LFT-Verein und ein sehr, sehr alter Mann, mindestens so alt wie die Pyramiden in Aegypten. Aber weil er frueher ein Ei um den Hals getragen hat und jetzt einen Chip bekommen hat, schaut er gar nicht so alt aus wie er ist. Seltsam, aber so steht es geschrieben. Die Mutter von dem Kantiran ist ein Sternchen von Arkon und heisst Ascari. Vor vielen Jahren hat sie dort eine Castingshow fuer die beste Superraumschiffskommandantin gewonnen. In der Jury ist der Herr Bostich, der Kaiser von Arkon selbst, gesessen. Der sieht ein bisschen so aus wie der Dieter Bohlen und benimmt sich auch so. Nur singen tut er nicht selber.

Vor einem Jahr hat Kantiran versucht, seine Mutter umzubringen. Das war nicht nett von ihm. Dabei schaut Kantiran ganz lieb und suess aus. Und alle Maedel kreischen, wenn er vorbeigeht. Aber die Ascari war auch nicht sehr nett. Obwohl sie noch viel besser als der Kantiran ausschaut. Oder frueher ausgeschaut hat. Sie hat naemlich die Freundin vom Kantiran umgebracht. Die Adeligen von Arkon tun solche Dinge manchmal, wenn sie nicht grad die LFT angreifen. Eigentlich hat sie die Freundin nicht selber umgebracht, sie hat ihren Hund ausgeschickt. . Merkwuerdig, nicht wahr?

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Das ist der Herr Shallowain. Schaut irgendwie recht unheimlich aus. Ist er auch. Shallowain ist der Hund von der Mutter vom Kantiran. Der Herr Shallowain ist nicht wirklich ein Hund sondern ein Kralasene. Vom Beruf ist er Massenmoerder und Auftragskiller. Er steht sogar im Telefonbuch von Arkon. Damit er sich seine teuren Waffen, sein Raumschiff und den ganzen Wein leisten kann, den er zusammen mit schoenen Frauen trinkt, muss er jede Woche jemanden umbringen oder einen Massenmord begehen. Ganz schoen fies, der Herr Shallowain, nicht wahr?

Die Freundin vom Kantiran hat er auch umgebracht. Dabei hat er nicht gut aufgepasst, und Kantiran hat sein wildes Eichhoernchen auf seine Mutter gehetzt. Seither schaut sie nicht mehr wie eine Mischung aus Demi Moore und Yvonne Catterfield aus, sondern wie Cher oder Michael Jackson waehrend einer Schoenheitsoperation.

Diese Woche versteckt Shallowain sich im Untergrund und hat noch niemanden absichtlich umgebracht. Eigentlich sollte er ja den Kantiran fangen oder umbringen. So genau weiss man das nicht. Vor zwei Wochen hat Shallowain aber ein paar Leute massengemordet. Deswegen suchen ihn nun die Terraner. Weil diese Leute auch Terraner waren. Eigentlich wollen sie ihn aber gar nicht finden. Weil das dem Bostich, dem Kaiser von Arkon, gar nicht gefallen wuerde. Der braeuchte dann naemlich einen neuen Hund. Merkwuerdig, aber so ist es.

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Das ist der Mal Detair. Schaut irgendwie rund und gemuetlich aus. Ist er meistens auch. Wenn er nicht gerade dem Kantiran hilft, den Hund Shallowain umzubringen. Bisher sind sie aber meistens vor dem Hund nur davongelaufen. Mal ist der beste Freund von Kantiran. Und weil er schon erwachsen ist, passt er gut auf ihn auf. Leider ist er meistens grad nicht da, wenn Kantiran eine Dummheit macht. Macht aber nichts, weil Kantiran vom Herrn Feldhoff einen Vertrag ueber einen ganzen Zyklus bekommen hat. Mit eigenem Maskenbilder, Friseur und Wohnwagen. Das hat zur Zeit nicht einmal der Vater vom Kantiran, der Perry Rhodan. Und der Herr Feldhoff passt auch auf, dass dem Kantiran nichts geschieht. Nur gut, dass der Shallowain das nicht weiss!

Ganz schoen kompliziert, so ein Rhodan-Roman, nicht wahr?

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Das ist der Herr Bull. Manche nennen ihn auch 'Bully', aber als der Herr Scheer ihm vor vielen Jahren diesen Spitznamen gegeben hat, wusste er wahrscheinlich nicht, dass das ein Schimpfwort ist.

Eigentlich tut er in dem Roman gar nicht viel. Aber weil er so ein lieber Kerl ist und ganz traurig und einsam, weil sein bester Freund verschwunden ist, hat der Herr Kneifel ihm ein paar kurze Auftritte spendiert.

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Das ist eine Positronikfabrik. Schaut kompliziert aus. Ist es auch. Dort versteckt sich der Kantiran, weil er den Hund Shallowain sucht, der sich irgendwo im Untergrund versteckt. Seltsam, aber so ist es.

Was genau so eine Positronikfabrik macht, brauchst du nicht zu wissen, denn wenn die Schiesserei zwischen Kantiran und Shallowain vorbei ist, gibt's die Fabrik auch nicht mehr. Wichtig ist nur, dass du ein kleines positronisches Arbeitsgeraet bei dir traegst, wenn du dich in so einer Fabrik versteckst. Damit du es verlieren kannst und dann gefunden wirst. Versteck-Spielen ohne gefunden zu werden ist naemlich sehr langweilig.

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Das sind Dwarmaris. Schauen ein klein wenig wie Ameisen aus. Keine Ahnung, wofuer sie eigentlich gut sind. Meistens gehorchen sie dem Kantiran, aber ein paarmal werden sie auch umgebracht. Vermutlich hat der Kneifel sie in seiner Kueche gefunden und wollte sie loswerden. Und hat damit das alte Ameisenproblem von dem Herrn Simak geloest. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Das ist noch einmal der junge Kantiran. Schaut ein bisschen ramponiert aus. Ist er auch. Immerhin hat er gerade den Hund Shallowain besiegt. Der sieht noch viel ramponierter als der Kantiran aus.

Dummerweise hat Kantiran nicht gewusst, dass auch der Shallowain vom Herrn Feldhoff einen Vertrag fuer einen ganzen Zyklus bekommen hat. (Aber ohne Maskenbildner und ohne Friseur.) Deswegen hat er den Hund doch nicht umbringen duerfen. Der Herr Bull wird sich spaeter beim Shallowain entschuldigen. Sonst bekommt er es mit dem Herrn Fagan zu tun, der ist ein ganz beruehmter Anwalt, der ueberall im Universum hilft, das juristische Unrecht zu besiegen. Bull wird dem Shallowain die Hand reichen, ihm seine Freundin Fran samt einer Flasche Wein anbieten, und ihn bitten, den naechsten Massenmord nicht gleich in der naechsten Woche zu begehen.

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Das ist noch einmal der Rudolf. Schaut auch ramponiert aus und rauft sich gerade die Haare. Weil ihm keine Schlusspointe einfallen will.

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Zum Roman:

Trotz intensiver, mehrmaliger Versuche ist es mir nicht gelungen, den Roman mit der fuer eine kritische Nachbetrachtung notwendigen Sorgfalt und Genauigkeit zu lesen. Zu viele Seiten habe ich nur quergelesen bzw. ueberflogen. Eine uebliche Aufteilung in positive, neutrale und negative Elemente scheint mir daher nicht fair zu sein.

Kneifel und meinereiner, das passt (ohne es a priori gleich als Kritik an Kneifel zu verstehen) einfach nicht zusammen. Sein Sprachduktus, seine Art, Geschichten zu schreiben, seine Stimmungsbilder und Charaktere, seine wiederkehrenden Handlungslemente, machen es mir schwer, mich beim Lesen zu unterhalten. Dabei billige ich ihm gerne zu, einen recht gut erkennbaren, eigenen Stil zu haben. Der voellig berechtigt durchaus seine Fans und Anhaenger haben wird.

Es gibt eben Autoren, die ich regelrecht verschlingen kann (Martin, Bishop, McDonald, Bujold, manchmal Silverberg und Wolfe, bei PR WiVo) und andere, zu denen ich einfach keinen Zugang finden will, durch deren Romane ich mich in schrecklicher Langsamkeit durchquaele (Zimmer-Bradley, das meiste von McCaffrey, zuletzt John Ringo, bei PR eben Kneifel). Und das ist in vielen Faellen _kein_ Qualitaetsurteil.

Die Travestie eines Romanes, Heft 2221 - "Die Sekte erwacht", konnte ich als Trash lesen. Es war natuerlich ein schrecklicher Roman, und ich moechte ein aehnliches Erlebnis nicht so bald wieder durchmachen muessen; aber bei allem Widerwillen schlief ich zwischendurch doch nicht ein. Was mir bei der "Menschenjagd auf Hayok" immerhin zweimal passiert ist. Wenige Spalten reichten meistens aus, um mich gaehnen zu lassen und dann nach einem anderen Buch zu greifen.

ABER - Das ist eine eher persoenliche Geschmacksempfindung! Und beim Versuch doch noch eine so weit moeglich objektive Bewertung abzugeben, ist es eher richtig zu sagen, dass 2227 ein routinierter Durchschnittsroman mit wenig Handlung und ausgedehnten Duell/Schusswechselszenen ist.

Schiessereien ueber mehrere Seiten langweilen mich, egal von wem sie geschrieben sind. Manch andere sehen das sicher anders. Ueber die beiden mehr als zehnseitigen Duelle zwischen Kantiran und Shallowain habe ich sehr grosszuegig hinweggeblaettert. Nur ein paar Eigenbetrachtungen Kantirans haben mich da innehalten lassen. Kantiran, der in seinem Spiegelbild einen Killer sieht, ist zwar kein wirklich neuer Ansatz, entspricht aber doch sehr dem, was ich als zentrales Thema des Romans erwartet haette. (Aber die Mehrheit bevorzugt halt das Zischen von Blastern, Explosionen, Tote, vier pruegelnde Faeuste, etc.)

So wie Kantiran zur Zeit meist geschildert wird, scheint er mir bereits eine verbrauchte Figur zu sein. Shallowain haette Potenzial gehabt, aber auch er ist in den letzten Wochen zum blossen Schlaechter verkommen. Und Kneifel hat (bewusst und absichtlich?) darauf verzichtet, allzu oft das Geschehen von seiner Warte aus zu beschreiben.

Zur Handlung:

Der gesamte aktuelle Viererblock hat nicht viel gebracht. Kantiran wurde bereits im vorangegangenen Block "befreit", die nochmalige Rettung aus dem Speicher war da nur noch eine Wiederholung, ueber deren Ausgang man sich keine grossen Sorgen machen musste. Falls die Geschichte des Maulwurfs nicht noch weitergeht (ein Lukas-Doppelroman steht demnaechst am Programm), war dessen Transzendenz- Werdung eher unoriginell und unnoetig. Der Ewige Diener war nur ein vernachlaessigbarer Einschub, damit Bully halbwegs auf den Wissensstand von PR und Atlan kommt. Eine ordentliche Befragung der Motana auf Ash Irthumo oder irgendein Fund dort haette den gleichen Zweck erfuellt. Das Bully mit Praetoria die momentan beherrschende militaerische Macht im Hayok-Archiplel darstellt, stand ebenfalls schon vorher fest.

Bleibt die Konfrontation Kantiran-Shallowain. Seit Heft 2200 laeuft der Kantiran-Handlungsteil darauf hinaus. Der Sohn vom Chef muss sich seiner Nemesis stellen und sie besiegen.

Irgendwie hat er das jetzt ja getan, aber die Betonung liegt auf "Irgendwie". Leider wurde diese "Schicksals- begegnung" auf zwei dreissigseitige Schlaegereien reduziert. Und dann fehlte der Mut, die "Sache" zu einem wirklichen Abschluss zu bringen. Kein Schicksal hat sich erfuellt, keine Handlungslinie hat ihr endgueltiges Ende gefunden. Das ist aus meiner Sicht ungemein unbefriedigend. Eine grosse Chance fuer einen "grossen" Roman wurde auesserst billig verschenkt.

Kantiran wird kuenftig vielleicht besser schlafen, aber angesichts vieler vorangegangener Voelkermorde war die ploetzliche Besinnung auf Political Correctness, das Plaedoyer gegen Selbstjustiz, weder ueberzeugend noch notwendig.

Shallowain wird wohl wieder freikommen und noch einmal sein Unwesen treiben. Aber nachdem er seinen Nimbus einmal verloren hat, bereits als Verlierer gebrandmarkt ist, hat die Figur ihren Schrecken verloren. Warum wird sie weiter als Schatten ihrer Selbst durch die Handlung geschleppt? Damit irgendwann einmal die noch groessere, noch endgueltigere letzte Auseinandersetzung erfolgen kann?

Wenn der Exopkrat mit dem Hund noch einiges anstellen will, haette er ihn bloss rechtzeitig entkommen lassen muessen. Oder Bully direkt in die Haende geraten lassen.

Den "natuerlichen" Kontrahenten Kant und Hund wurde auf jedenfall ein "klassisches" und in Erinnerung bleibendes Finale, ein Showdown ohne Hintertuer verweigert.

Und beide haetten davon profitieren koennen. Der "Hund in der Nachbetrachtung, und Kantiran fuer seine zukuenftigen Auftritte.

(Noch ein paar Worte zu Kantirans "Erloesung". Das seine Freundin ihn "freigibt" mag ja schoen sein, aber wird dabei nicht vergessen, dass Shallowain nur ein Handlanger war? Es war und ist Ascari, die fuer den Mord verantwortlich ist. Diese "Rache" steht noch aus. Wobei es im Gegensatz zu Shallowain aber wesentlich schwerer zu verkaufen waere, wenn der Held Kantiran eine Frau, noch dazu seine Mutter, tatsaechlich umbringt. In diesem Fall waere es eher (im Sinne der PC, als Aussage gegen Lynchjustiz, um die Identifikationsfigur Kant nicht zu beschaedigen) angebracht gewesen, eine formale, rechtliche, politische Verurteilung in den Raum zu stellen.)

Fazit:

Der erwartete Hoehepunkt zwischen Kantiran und Shallowain fiel leider der Einaescherung einer Positronikfabrik zum Opfer.

Die laufende Handlung (und auch die der vorangegangenen Zyklen) beduerfte dringend der Hand eines _Dramaturgen_. Bevor es zu spaet ist...

Rudolf

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 29. July 2006 in die Datenbank eingepflegt

Dieses Visier wurde 4286 mal aufgerufen.

 

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