Im Visier 2201

Zugrunde liegender Roman: Hans Kneifel - Der Arkonidenjäger

Plot | Teil 2 | Rezension

Vorbemerkungen und Plot

Vorbemerkung:
Ich muss gestehen, dass ich gegenüber Romanen von Hans Kneifel voreingenommen bin. Zu oft habe ich bei diesen Romanen mehr gepflegte Langeweile als kurzweiligen Spaß empfunden. Vivier Bontainer mochte ich noch, Joak Cascal hatte seine guten Momente, aber als Sandal Tolk auftauchte, musste ich mir eingestehen, dass ich nicht nur diesen Barbaren zum Einschlafen fand, sondern ich mich auch an seinen Wein trinkenden, philosophierenden Helden mit Hang zu amourösen Abendbeschäftigungen satt gelesen hatte.

Was natürlich auch heißt, das Kneifel einen erkennbaren, sehr eigenen Stil hat; im Grunde eine sehr positive und wünschenswerte Eigenschaften, nur halt dann nicht, wenn dieser sich mit dem eigenen Geschmack nicht harmonisch in Übereinstimmung bringen lässt.

Das nur, um nachfolgende Meinungen besser einordnen zu können.

Formales:
Ich mag zwar Schwerter auf SF-TiBis nicht, aber _dieses_ Cover gefällt mir ausnehmend gut. Die Ascari von 2150 sei Dirk Schulz mittlerweile verziehen. ;-)

Über das neue Layout der LKS wurde schon genug gesagt. Eine Verbesserung gegenüber dem alten Erscheinungsbild ist das sicher nicht. Ich frage mich, wo bei dieser Änderung der Nutzen für den Leser bzw. die Kostenersparnis für den Verlag bleibt?

Die SOL geht weiterhin auf die große Reise und verwirrt jeden Gelegenheitsleser, der den kryptischen Zweizeiler nicht übersieht...

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Tei 2

 

Plot | Teil 2 | Rezension

Rezension

Positives:

Sternvogel hatte viele Fans. Ich gehörte nicht dazu. Der Roman um das BASIS Karaketta-Rennen gehörte für mich zwar nicht zu schlechtesten des vorigen Zyklus', aber zweifellos zu den langweiligsten und unnötigsten.

Meine Erwartungshaltung war gering. Ich habe mich zuvor gefragt, wie Kneifel eine _seiner_ Figuren in die Kantiran-Shallowain Handlung einbauen wird? War überrascht, als der Kasten auf Seite vier verriet, dass das nicht geschehen ist. Dass Shallowain dann zum Kneifelschen Genussmenschen mutieren würde, war eine weitere Überraschung. Nachdem im Vorband Shallowain kaum beschrieben wurde, war das zwar unerwartet aber nicht wirklich out-of-character. Nur zweifle ich daran, dass uns Shallowain, der Connaisseur, noch einmal begegnen wird.

Nachdem der Schock einiger Formulierungen auf der ersten Seite einmal vorüber war, war der Roman dann eines nicht: nämlich langweilig. Und es war angenehm, nach so vielen Monaten unfähiger Konquestoren und Inquisitoren einmal eine Figur vor sich zu haben, die doch tatsächlich nachdenkt, die sich Gedanken über den Gegner macht, und der man zutraut, dass sie tatsächlich gefährlich ist und dem Helden zumindest ebenbürtig.

Die Szenerie war bunt und lebendig, auch wenn sie eher in ein vergangenes Jahrhundert der Piraten und Köpfeabschneider passt als ins helle, technifizierte Perryversum. Ein paar Mal ist dem Autor der "Gaul durchgegangen", wenn er schmuddelige Hotels und Zimmer und Statisten beschrieb.

Neutrales:

Es wurde diskutiert, ob und wieweit das Heft ein so genannter "Lückenfüller" ist. Wie immer man diesen etwas schwammigen Begriff auch definieren mag, entscheidend ist diesmal wohl eher das Wohlwollen bzw. der Unwillen des Lesers. Mein Kriterium für so einen LüFü ist es, ob der Roman (das Heft) die Helden und Protagonisten am Ende dorthin führt, wo sie nahezu identisch auch schon am Anfang waren.

Der Roman beginnt mit der verzweifelten Flucht der beiden Freunde von einem Planeten, gejagt von Shallowain. Er endet mit der verzweifelten Flucht der beiden von einem weiteren Planeten, gejagt von Shallowain. Da hat sich ihre Lage nicht erkennbar geändert, verbessert oder verschlechtert.

Nebenbei aber spielt der sich ausbreitende Degrader immer wieder in die Handlung hinein. Spekulationen und Vermutungen werden zur Serienrealität. Der Roman mag nicht sehr originell gewesen sein, den angekündigten Umbau der Serie hat er erkennbar aber nicht aufdringlich angedeutet.

Von ein paar (dafür aber schrecklichen) Schnitzern abgesehen, habe ich sprachlich wenig an dem Heft auszusetzen (Details kommen gleich). Es ist geradezu angenehm, wenn Sprache und Wortschatz einmal nicht jugendbuchkonform und zielgruppenorientiert sind. ;-)

Die Actioneinlagen bzw. Schießereien waren mir zwar zulange, aber vermutlich haben gerade sie dazu beitragen, dass ich diesem Kneifel _nicht_ das Prädikat "etwas langweilig" zuordne.

Kantirans Mutantengabe mag mich nicht so recht begeistern. Nachdem seine Veranlagung auf Arkon ja bekannt war, frage ich mich, warum da nicht viel genaure Untersuchungen durchgeführt wurden. Bzw. falls es diese gegeben hat, warum Shallowain anscheinend in dieser Hinsicht völlig unbedarft und uninformiert ist.

Negatives:

"schlägt der Orkan meines Entsetzens ... mich durch die Stürme eines virtuellen Ozeans aus Blut." Dort gibt es ein ... "Keuchen und Wimmern, ausgestoßen im Schmerz des nahen Todes." "Im Vakuum meiner Furcht..."

Eine Seite lang fragte ich mich schon, welche halluzinatorischen Pilzgerichte der Autor vor dem Verfassen seines Textes zu sich genommen hat. In der Häufung der nicht eben "frischen" und schnörkellosen Metaphern wirkte das schon mehr (unfreiwillig) komisch als poetisch oder bedrohlich.

Dieser "Krampf" findet seine Fortsetzung, wenn Shallowain endlich auf die Frau trifft, mit der er edle Weine die durstigen Kehlen benetzen lassen kann, bevor die Kamera beim Schwenk auf die nächtliche Liebesstelle dezent abschwenkt.

"Ihr Lächeln ließ die Dioden seiner Infrarot-Augen flackern", heißt es dann. "Der lange Weg und bestimmte Ereignisse erklären das Versäumnis." "Selbst meine Augen ... drohen zu erblinden - wenn deine Schönheit deiner Macht entspricht..." "Die Nacht wird den Atem anhalten"

Ein ganz schöner Overkill, der da betrieben wird. Und ich frage mich, ob dieser Stil auch in den zahlreichen recht erfolgreichen Romanen Kneifels der letzten Jahre zu finden ist.

Fazit:

Eigentlich wurde ich positiv überrascht. Aber gleichzeitig sehe ich mich auch bestätigt, dass Kneifel (oder besser "seine Romane") es nicht schaffen, "zu mir durchzudringen". Als Gastautoren wären mir eigentlich mir eher unbekannte Talente, die eine Chance verdienen, lieber.

Zwischenbilanz Tradom - Sternenozean:

Feldhoff (2100) gegen Feldhoff (2200): Ein klarer Punkt für 2200. Den Kneifel kann man vermutlich eher mit dem Tra Rogue Dschungel- abenteuer 2102 als mit Findigs 2101 messen (da könnte eher der kommende letzte Susan Schwartz Roman einen Vergleich wert sein). Und da gibt's in meiner Bewertung ebenfalls einen klaren Punktsieg von 2201 gegen 2102.

Ich hätte nichts dagegen, wenn sich da ein Trend abzeichnen würde...

Hmm, jetzt sind's doch ein paar Absätze Text über einen Roman geworden, von dem ich meine, dass es gar nicht so viel darüber zu sagen gibt.

Meint ein hoffnungslos schwafelnder Rudolf

 

Metadaten

Dieses Visier wurde verfasst von Rudolf Thiess

Die aktuelle Version wurde am 01. Oktober 2006 in die Datenbank eingepflegt

Dieses Visier wurde 3929 mal aufgerufen.

 

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