Sprachnörgeleien 2455

Zugrunde liegender Roman: Uwe Anton - Sieg der Moral

Vorab mal wieder ein Lob für einen sprachlich und technisch überzeugenden Roman.

Schreibfehler:

S.8, S.9, S.42, S.52, S.53
Insgesamt 6 Schreibfehler, die mir aufgefallen sind. Nicht weiter erwähnenswert also, wenn nicht wieder ein Effekt aufträte, der mich schon häufiger gewundert hat: Solche Fehler treten in manchen Romanen in kurzen Absätzen (hier S.8/9 und 52/53) überzufällig oft auf. Ich habe mich schon öfter gefragt, wie dieser Effekt zustande kommt. Lese ich manche Seiten kritischer als andere? Oder überblättert der Korrektor bei seiner Arbeit in der Hast einfach mal hin und wieder eine Doppelseite? Oder sind das Passagen, die der Autor aufgrund eines Lektoreneinwandes noch mal ganz schnell neu formulieren musste und die dann nicht mehr durchgesehen werden konnten? Traut sich jemand, uns armen Unwissenden darüber etwas zu verraten, oder muss das Verlagsgeheimnis bleiben?

S.16: „Natürlich war die mentale Verbindung zwischen den Terranern und ihnen nie abgerissen.“
Da fragt man sich doch, welche Terraner denn überhaupt an der Reise teilnahmen? Also da war Perry und dann noch Icho. Gilt der jetzt als Terraner? Durch Eingemeindung von Halut?

Sprachliches:

Personenkasten: „Der alte Ratsherr bringt sich in Szene.“
Eine mir unbekannte Formulierung. Gebräuchlich ist die Redewendung ‚er setzt sich in Szene‘. Die zudem auch bei der dargestellten Szene fast schon wörtlich genommen werden könnte.

Erstaunliches:

S.49: „Sie hasste es zu warten, wäre am liebsten – wie Perry es wohl vorhergesehen hatte – aus dem Schiff gestürmt und hätte sich draußen erkundigt, was Sache war.“
Wo? Auf den staubigen Wegen von Gelephant? Wen hätte sie denn da fragen wollen?

Ärgerliches

S.57: „die Weiße Welt war nur eine Durchgangsstation gewesen, so gesehen eine glückliche Fügung, die es ihm ermöglichte, so schnell wie möglich in die Milchstraße zurückzukehren.“
Eine glückliche Fügung? Ich kriege einen Schreikrampf. Wie viele haarsträubende Zufälle waren nötig, um das jetzt vorliegende Ergebnis zu erzielen? Und Perry denkt keine Sekunde darüber nach, ob ihm da irgendeine reale Macht aus dem Hintergrund Schützenhilfe leistet? Der missglückte Kontextsprung führt ihn direkt zu einer Kosmokratenbastion, sein flugunfähiges Schiff wird ihm mal eben so wieder repariert, bei der Suche nach Uropa Cyno stößt er auf ein Transportmittel, mit dem er schnell in die Milchstraße kommen kann, zudem noch die Waffe, die er für die Retroversion braucht und ohne die seine ganzen Vergangenheitserkenntnisse nur nutzlose Geschichten darstellen. Eine glückliche Fügung? Nein, es damit zu erklären ist mir denn doch zu billig.

Bemerkenswertes:

S.14: „Die Terraner waren nicht zuletzt zu einer galaktischen Großmacht geworden, weil sie einen konsequenten Technologie-Import betrieben hatten.“
Selten wurden Klauen und Abkupfern so elegant umschrieben.

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 08. September 2008in die Datenbank eingepflegt

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