Sprachnörgeleien 2394

Zugrunde liegender Roman: Arndt Ellmer - Hyperraum-Nomaden

S.8: „Immentri Luz stand in einer Hohlkugel, an einem beliebigen Punkt, wie es ihm schien,“
S.9: „Überall, wo er seinen Fuß hinsetzte, wirkte die Gravitation exakt nach unten. Er befand sich immer am tiefsten Punkt einer Senke.“
Und wegen des zweiten Satzes kann der erste nicht stimmen. Denn da ist er gerade erst angekommen, weiß noch nicht, wie die Gravitation in dieser Hohlkugel wirkt und muss deshalb den Eindruck haben, an ihrem tiefsten Punkt zu stehen und keinesfalls an einem beliebigen.“

S.9: „Wenn es vielleicht nicht schon zu spät war“
Ein Doppelmoppel. ‚Wenn es nicht schon zu spät war‘ drückt genauso eine Möglichkeit aus wie das Wörtchen ‚vielleicht‘, das deshalb überflüssig ist.

S.15: „Ich weile erst seit kurzem auf Namech’Corien.“
Falsche Wortwahl. ‚Weilen‘ könnte er dort, wenn er eine Exzellenz oder ein Urlauber wäre, jedenfalls nicht jemand, der arbeitet. Da er aber ein androidischer Pförtner ist, der dort seinen Dienst angetreten hat, müsste er sagen ‚ich befinde mich‘, ‚ich bin‘ oder ‚ich arbeite‘ erst seit kurzem hier. ‚Weilen‘ jedenfalls tut er nicht.

S.29: „Auf Namech’Corien konnte ich das Gebilde maßstabsgetreu mitten in den Garten meines Pflegevaters projizieren und darin spazieren gehen.“
Der Bewohner eines großen aber begrenzten Lebensraums soll eben diesen als ‚Gebilde‘ bezeichnen? Ein solcher Ausdruck dürfte doch wohl außenstehenden Beobachtern vorbehalten sein.

S.30: „ Auf diese Weise hatte Morian die Lanfhaber, Kemmogh, Vitaubur und ein paar andere assoziierte Völker kennengelernt.....Und er war schnell auf das gestoßen, was diese Wesen gemeinsam hatten. Sie arbeiteten für den Frieden. Nirgends gab es Intrigen, Machtkämpfe, unterdrückte Minderheiten.“
Und keinen Himbeersaft. Aber woher wusste er das denn so schnell? Man sollte doch meinen, dass er gar keine Intrigen vermissen konnte, wenn es sie in seinem Lebensraum nicht gab.

S.30: „Ich möchte die Unendlichkeit aus der Nähe spüren. Und ich möchte ein Bild über die tatsächlichen Größenverhältnisse gewinnen.“..... „Die Größenverhältnisse sind schnell erläutert, junger Herr Kinnaird. Die Blase innerhalb des Schmiegeschirms misst 7,5 Lichtjahre in der Länge, 4,8 in der Breite und 3,1 in der Höhe.“
Au weia. Das nun wiederum müsste er nach 200 Jahren in eben dieser Blase wohl selber ohne besserwisserische Datenblattzitiererei wissen, es sei denn, niemand hätte ihm bisher erzählt, dass man astronomische Entfernungen mit Hilfe der terranischen Rotation um Sol misst.

S.34/35: „In dreitausend Metern Tiefe sind die Taster soeben fündig geworden.....Die Echos zeigten undeutliche Schatten metallener Kolosse, die im Boden steckten. Ohne die mehrere tausend Meter breiten Schneisen, die das Grabungsteam in die Lehmoberfläche des Planeten getrieben hatte, wäre kein Gerät in der Lage gewesen, an dieser Stelle etwas zu erkennen.“
1. Was waren das für Kolosse? Später besteht die Entdeckung doch nur noch aus einer quaderförmigen Stadt.
2. Wieso sind die Ortungsgeräte der Sphero nicht in der Lage, etwas zu orten, was im Lehm steckt? Als so technisch minderwertig treten ihre Geräte doch sonst nicht auf.
3. Was hat man sich unter einer mehrere tausend Meter breiten Schneise in der Lehmoberfläche vorzustellen? Einen flächendeckenden Bodenaushub von zehn Zentimetern Tiefe? Oder tatsächlich eine Rampe bis in 3000 Meter Tiefe? Und wenn ja, warum steht das dann da nicht?
4. Liegt es vielleicht an dieser unpräzisen Beschreibung der Örtlichkeiten, dass die Ereignisse auf S.38/39 so recht keinen Sinn ergeben, weil man einfach nicht weiß, was sich wo befindet und demzufolge nichts nachvollziehbar ist, wenn von ‚Verdunkelung‘, ‚Geschossen‘ und ‚Weltuntergang‘ die Rede ist?

S.35: „Als geschickter Pilot fiel es Morian leicht, die eintreffenden Schwerkraftwellen Enoch’Fariens zu nutzen, um die Geschwindigkeit des Fahrzeugs zu verdoppeln.“
Wenn das wirklich ginge, welchen Einfluss hätten diese Schwerkraftwellen dann insgesamt auf das Leben auf Vitogh’Farien? Könnten da empfindliche Wesen wie die Sphero überhaupt existieren?

S.38: „Morian schrie in Gedanken einen Warnruf aus.“
‚Stieß aus‘? ‚Schrie‘? Gut, dass es bei dem Gedanken blieb, wer weiß, wie sich das sonst angehört hätte.

S.44: „Manchmal sah er dreißig, vierzig Tage nur künstliches Licht. Von dem Wind und den Fragen bekam er nichts mit, aber mit den Stunden spürte er einen innere Unruhe.“
‚Mit den Stunden‘? Irgendwelche konkreten? Am achtundzwanzigsten Tag zwischen der dritten und der achten? Oder ist nur ‚mit der Zeit‘ gemeint?

S.48: „Vieles würde sich verändern, möglicherweise alles. Und sie waren noch längst nicht am Ende der Erkenntnisse und der Umwälzungen angelangt.“
Ah ja, man befindet sich noch nicht am Ende der Umwälzungen, wenn sich in der Zukunft alles verändern wird. Ganz erstaunliche Schlussfolgerung. Da muss man erst mal drauf kommen.

S.52: „Andererseits musste jeder Sphero erst einmal in die neue Aufgabe hineinwachsen, die ihm die Gemeinschaft übertragen hatte. Am besten ging das mit einem Rundgang.“
Man stelle sich vor, diese Aussage wäre von Frau Merkel. ‚Ich möchte jetzt mal in meine Rolle als Bundeskanzlerin hineinwachsen und am besten geht das, wenn ich mal einen Rundgang durchs Kanzleramt mache.‘ Na, gute Nacht.

S.52: „jeder Pack abwechselnd nach links oder rechts versetzt. Auf diese Weise ging die Orientierung an den Himmelsrichtungen nicht ganz verloren.“
Prima. Ich wusste gar nicht, dass man die Himmelsrichtungen auf zwei reduzieren kann. Das erleichtert das Lernen in der Grundschule an diesem Punkt doch beträchtlich.

S.52: „bis hinab in die untersten Gewölbe der Turmes.“
Hah, da ist dem Korrektor ein Druckfehler durchgegangen. Aber immerhin erst auf Seite 52. Das ist wirklich ein Sonderlob wert.
Aber noch eine Zusatzfrage: Der Turm ist doch vom Gesamtaufbau als quadratisch, praktisch, gut beschrieben. Gilt das für die unteren Etagen nicht mehr oder was will der Begriff ‚Gewölbe‘ hier sagen?

S.57: „Morian Kinnaird hatten schon viel erlebt“
Zweiter Druckfehler. Also keine klare Eins mehr, aber wer immer dafür verantwortlich war, den Roman von Druckfehlern zu säubern, besser als Zwei ist das immer noch.

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 07. July 2007in die Datenbank eingepflegt

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