Sprachnörgeleien 2350

Zugrunde liegender Roman: Uwe Anton - Das schreiende Schiff

S.5: „ ‚Captain John?‘ wiederholte er. ...‚Lieutenant Matt, Pilot, Lieutenant Marc, Funker, Fähnrich Luke, Techniker...‘..‘Da sind die fünf Evangelisten ja beisammen‘, sagte er schmunzelnd.“
Ja, das sind wirklich herzige Fünf. Nur, wer ist der fünfte? Vielleicht Thomas Aquinas?

S.5: „Auf Geschwindigkeit hatten die Konstrukteure keinen Wert gelegt, auf Leistung auch nicht, stattdessen auf Robustheit und eine maximale Unanfälligkeit der Technik.“
Und diese Unanfälligkeit hatte ich bisher immer für das Wesentliche bei der Robustheit gehalten. Aber scheint ja doch noch mal was anderes zu sein.

S.5/7/10: „Die Administration...hatte versucht, gegen Strangeness resistente Raumfahrer auszusieben...und die Besten genommen......Rhodan kannte Strangeness-Effekte –wenngleich bei ihm von Immunität leider keine Rede sein konnte....Rhodan hatte die Antriebskontrollen auf seine Konsole gelegt, so dass sie keinen Schaden anrichten konnten. Er befürchtete, dass außer ihm kein Wesen in dem SKARABÄUS mehr zu folgerichtigem Denken fähig war.“
Das nennt man mal eine erfolgreiche Auswahl. Nur weil es für die Geschichte einfacher ist, dass letztlich unser Held doch alles alleine macht, wird der ganze Vorlauf plötzlich hinfällig und die Ausgesiebten sind anfällig wie nur was. Und die später nachgeschobene Begründung, warum es Perry nicht so stark erwischt, es hänge vielleicht mit dem ZAC zusammen, kann auch nicht überzeugen, denn den trug er auch schon bei früheren Gelegenheiten.

S.7: „Vielleicht hatte er gar keine militärische Ausbildung genossen. ‚Doch, hat er‘, flüsterte Gucky ihm zu.... Nun er kennt seine Leute nicht, das Team wurde erst gestern zusammengestellt....Nervös ist er, weil wir an Bord sind.‘“
Zum einen reagiert Gucky hier auf Gedanken des mentalstabilisierten Rhodan, die gar nicht an ihn gerichtet waren und die er deshalb gar nicht hätte empfangen dürfen. Aber selbst wenn es eine Absprache gegeben hätte, dass er Rhodan mental kontrollieren sollte und dieser sich bewusst öffnet, bleibt unverständlich, wieso er ihm dann im Beisein von Captain John dessen Gedanken zuflüstert. Das kann dem gar nicht entgehen, schon gar nicht in einer Zentrale, deren Enge beklagt wird.
Im Übrigen wirkt das häufige An- und Ausschalten von Guckys Fähigkeiten im ganzen Roman recht willkürlich – aber da steht für jede Form der Unlogik ja die schwankende Strangeness als (unbefriedigende) Erklärung zur Verfügung.

S.9: „Nach wie vor waren die Seitenblöcke abgekoppelt, und die Kernzelle war ausgeschleust.“Richtig, es geht um PRAETORIA. Und das mit den Seitenblöcken habe ich – glaube ich – verstanden. Aber aus was hat man denn die Kernzelle ausgeschleust. Aus sich selbst? Und durch welche Schleuse? Ist die Kernzelle nur ein Teil des innersten Würfels? Und wenn, wem dient dann die Ausschleusung?

S.12: „er hatte sich nicht einmal andeutungsweise erkundet“
Schade, denn Selbsterkenntnis wäre ja bekanntlich der erste und notwendige Schritt zur Besserung.

S.14: „Er war Kurier, kein Hyperphysiker.“
Soll das heißen, dass Kurier ein ausgewachsener Beruf ist? Was für Studiengänge gibt es denn da und wie sind die Berufsaussichten?

S.22/23: „schier übermächtigen...schier Unvermeidliche...schier unglaubliche“
Ich bedanke mich, dass das Schier-Reservat auf diese zwei Seiten begrenzt wurde.

S.28/29: „Rhodan pfiff auf. Sämtliche Sterne, die sie erfassten, waren ihm ...vollständig unbekannt.“
Nun kenne ich den Ausdruck ‚aufpfeifen‘ nicht. Obwohl er sich niedlich anhört, so wie ein fröhlicher Schluckauf etwa. Aber wenn damit -–wie ich vermute –so etwas wie Überraschung ausgedrückt werden soll, dann weiß ich nicht warum. Wenn sich jemand durch einen Dimensionstunnel begibt und unter veränderter Strangeness leidet, dürfte eigentlich klar sein, dass er sich in einem anderen Universum befindet. Da sollte man sich über fremde Sterne nicht so sehr wundern können.

S.33: „Warum fielen ihm ausgerechnet jetzt wieder Ereignisse aus seiner ältesten Lebensgeschichte ein?“
Heißt das, es gibt mehrere Versionen seiner Lebensgeschichte?

S.53: „Er kam dem Residenten vor wie eine unästhetische, bullige Missgeburt....Kopf...wirkte gestaucht,...Schnauze war abgeknickt und hing schräg...Augen waren stumpf und matt. War Aquinas etwa ein Roboter der Chaotarchen?“
Ja, unser Perry. Friedliebend und tolerant. Beurteilt andere Wesen nie und nimmer nach ihrem Äußeren.

 

S.55: „Der Resident sah auf Anhieb keine Lösung.“
Und das verwundert. Denn bei der an dieser Stelle des Romans gegebenen Informationslage, müsste jeder normale Mensch den Vorschlag machen, den Dimensionstunnel nicht direkt auf das Solsystem zu richten, wo er ja bekanntlich durch den TERRANOVA-Schirm gestört wird, sondern stattdessen auf ein benachbartes System, um dann den Rest ‚zu Fuß‘ zu gehen. Dass dies technisch nicht mehr möglich ist, erklärt ihm der Roboter erst später. Aber wahrscheinlich wusste Perry zu dem Zeitpunkt schon genau, welche Lösung er schlußendlich zu finden hatte, immerhin hatte er dafür ja schon zu Anfang des Heftes die erforderlichen Schiffe und Mannschaften bereitstellen lassen.

S.58: „Die Besten, die sie in Bezug auf Resistenz gegen Strangeness-Erscheinungen hatten, so unzugänglich sie auch sein mochten?“
‚Unzugänglich‘? War wohl eher ‚unzulänglich‘ gemeint. Ist aber auch schön, so im Sinne von taub gegen Strangeness aber auch gegen ihre Mitmenschen.

S.61: „ ‚Einschleusen!‘, befahl der Resident. ‚Selbstverständlich. Warum sollte ich sonst hier sein?‘, tadelte der Roboter.“
Selten genug, dass ich mal ein Zitat vorbehaltlos wohlwollend bringe. Aquinas Bemerkungen gegen Ende des Romans sind köstlich und machen deutlich, mit was für einem verbalen Nonsens sich die Leser dieser Serie häufig genug quälen lassen müssen. Gib‘s ihnen, Aquinas!

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 03. September 2006in die Datenbank eingepflegt

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