Sprachnörgeleien 2340

Zugrunde liegender Roman: Uwe Anton - Zum Tee bei Jonas Untergang

S.37: „Monkey hatte zwar untersagt, dass sein Stellvertreter offiziell für tot erklärt wurde“
Donnerwetter. Gibt es dafür Formulare? Und wenn ja, wo bekommt man die? Und welche Voraussetzungen muss man mitbringen, damit man die ausfüllen darf? Oder ist das pure SF?

S.37: „wie oft hatten die Unsterblichen schon Gefahren überlebt von denen niemand es hatte vermuten können?“
Von denen? Den Unsterblichen, den Gefahren? Und welchen Sinn macht der Satz dann gegebenenfalls?

S.37: „bis sie schließlich die gesamte Milchstraße zu umfassen und zu verpuffen schien“
Die arme Milchstraße. Wird die dann Milchreis oder gar Puffmais?
Im Übrigen habe ich das Gefühl, diese missverständliche Formulierung schon mal vor langer Zeit moniert zu haben. Dass nun wieder die alte Formulierung unkorrigiert abgeschrieben wurde, deutet wohl darauf hin, dass vom Kriticastor keinerlei erzieherische Wirkung ausgeht. Wie schade.

S.39: „TRAITOR war überall. TRAITOR hatte die Milchstraße im Griff.“
Falschaussage. Setzt man die Zahl der Traitanks in der Milchstraße in Relation zu den besiedelten Planeten, dann würde längst nicht ein Diskus pro Planet zur Verfügung stehen. Zieht man zudem noch die Schiffe ab, die um das Solsystem oder die Charonwolke postiert sind, kommt man zu dem Ergebnis, dass die weit überwiegende Zahl der Milchstraßenbewohner von TRAITOR höchstens mal in den Nachrichten etwas gehört hat.

Reingefallen auf einen vermeintlichen Druckfehler bin ich im Übrigen noch auf S.39 oben. Aber da handelt es sich nur um ein Wortspielchen, wie Bullys breites Grinsen im nächsten Absatz deutlich macht.

‚Für seine Überzeugung soll ein Mann kämpfen bis zum....’   Äh, ja, weiß ich jetzt auch nicht mehr bis wohin. Aber ist ja auch egal. Wie man weiß, bin ich bekennender Ablehner des schieren ‚schier’. Glücklicherweise taucht es in den Romanen manchmal monatelang gar nicht mehr auf, woraus ich schließe, dass manche Autoren auch ohne dies Wörtchen auskommen. Und da es hier im Forum so viele Befürworter dieses Ausdrucks gibt, habe ich mir vorgenommen, das sowieso gelassener zu sehen. Bei den ersten zwei ‚schier’ dieses Romans gelang mir das auch noch ganz gut. Spätestens beim vierten Mal war allerdings meine Ruhe dahin. Begriffe wie ‚Unendlichkeit’ oder ‚Ewigkeit’ haben in der SF vielleicht noch eine spezifischere Bedeutung als im normalen umgangssprachlichen Gebrauch. Um so lächerlicher wirkt es, wenn jemand einem anderen die Hand reicht, um ihm beim Aufstehen zu helfen und der Betreffende ‚schier eine Ewigkeit’(S.57) zögert, diese Hand zu ergreifen. Nein, es will mir nicht einleuchten, dass solche Formulierungen nötig oder auch nur akzeptabel sind.

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 29. Juni 2006in die Datenbank eingepflegt

Diese Nörgelei wurde 4615 mal aufgerufen.

 

hosted by All-inkl.com