Sprachnörgeleien 2332

Zugrunde liegender Roman: Michael Marcus Thurner - Die Psychial-Werber

S.4: „Die Traitanks waren so groß, dass sich selbst die größten Einheiten der terranischen Heimatflotte daneben wie Fliegendreck ausnahmen.“
Muss jemand über Nacht heftig aufgeblasen haben.

S.4: „ ‚Was gibt’s, Daellian?’, fragte der Unsterbliche.“
Ist das jetzt so etwas wie Totenehrung, dass man jemanden, der im Sarg liegt, nicht mehr mit dem Vornamen anspricht?

S.5: „achtete sie darauf, dass der Mann, den sie einmal geliebt hatte, sich nicht vor der Welt zurückzog, um ihr aus Sorge jeden Kummer und alle schweren Entscheidungen abzunehmen“
Wenn Perry sich nicht zurückzieht, ist die Welt für das Treffen von Entscheidungen zuständig? Eine gewagte und auch etwas nebulöse Annahme.

S.5: „Perry hob den Alarm auf.......sah sie, dass die Männer und Frauen.....ihren momentanen Tätigkeiten wesentlich entspannter, erleichterter nachgingen.“
Noch erleichterter als während des Alarms? Handelte es sich etwa gar nicht um Tätigkeiten sondern eher um Verrichtungen?

S.6: „Im grellblauen Himmel hingen lediglich ein paar dünne Wolkenfetzen – und ein einziges Schiff der über der Insel stationierten Wachflotte, das im Vergleich zur Umgebung noch immer groß wirkte.“
Wie müsste denn die Umgebung beschaffen sein, damit es nicht mehr groß wirkt?

S.8: „Der Sand unter Mondras Beinen strahlte die Hitze eines langen Tages ab.“
Nein, sie liegt nicht, sie geht. Wer ihr die Füße amputiert hat, wird auch nicht berichtet.

S.10: „Der Abend es 1. Januar 1345 NGZ brach herein. Ebenso ein wahrer Besucherstrom über die Isla Bartolomé. Perry Rhodan kam erneut, ebenso kamen die Mutanten Gucky, Startac Schroeder und Trim Marath. Marc London lebte derzeit ohnehin auf der Isla Bartolomé.“
Ein Besucherstrom aus maximal vier Personen? Das strömt aber wie das Donauhochwasser.

S.14: „Kleine Gesten, die manchmal so eckigen Bewegungsabläufe, eine stolze und aufrechte Haltung, dies alles ließ Kantiran wie eine jüngere Ausgabe Perrys erscheinen. Andererseits blitzte Ascari da Vivos arkonidisches Erbgut durch: aufbrausendes Temperament“
’Stolze Haltung, eckige Bewegungsabläufe’ – man mag darüber streiten, ob das typische Merkmale von Perry sind. Aber wo blitzt da das aufbrausende Temperament durch? Er ist gerade erst mit Alaskas Raumschiff gelandet. Regt er sich über die hohen Parkgebühren auf oder was lässt ihn aufbrausen?

S.22: „ ‚Translatorfunktion einsatzbereit’, schreckte ihn die Mikropositronik aus seinen Überlegungen. ‚Danke’, flüsterte der Unsterbliche.“
Dürfte sich um eine Positronik mit biologischer Komponente handeln. Oder ist Alaska schon so wunderlich?

S.22: „Die Stadt wirkte heimelig....Ihn beunruhigte vor allem die absolute Leere“
Vielleicht sollte ich meine Vorstellung von ‚heimelig’ noch mal überprüfen’?

S.22: „Von mehreren Seiten kommend, endeten mit Wohnhäusern gepflasterte Straßen hier.“
Mit den Bruchsteinen ehemaliger Häuser oder tatsächlich mit den ganzen Häusern gepflastert?

S.23/24: „ Brust und Bauch hingegen wirkten tonnenförmig, aber gestaucht und faltig wie eine zusammengepresste Plastikdose....wackelten die Olthugs mit ihren kurzen und schmächtigen Oberkörpern hin und her.“
Schmächtig tonnenförmig ist schon eine gewagte Beschreibung. Für mich leider nicht vorstellbar.

S.26: „Der Alkoholgehalt liegt bei achtundneunzig Prozent.“
Schade, dass man nichts Näheres über den Metabolismus der Olthugs erfährt. Sie rotzen pausenlos Flüssigkeit von sich. Und statt die Flüssigkeitsdefizite aufzufüllen, erhöhen sie den eigenen Mangel noch mit Hochprozentigem. Eigentlich müssten sie alle innerhalb kürzester Zeit zu Staub zerfallen.

S.28: „Reaktionsschnell aktivierte er den Schutzschirm und die Prallfelder des SERUNS manuell – und wiederum passierte nichts.“
Tatsächlich eine Positronik mit bionischer Komponente, die sich sogar über ausdrückliche Befehle des Anzugträgers hinwegsetzen kann. Sehr erstaunlich.

S.48: „ ‚Was ist Ch’cealos Straße?’, fragte er.“
Und mich würde in dem Moment nicht nur die Antwort interessieren, sondern auch ein Hinweis, wie er überhaupt auf eine solche Frage kommt, denn besagte Straße wurde bis dato doch noch gar nicht erwähnt..

S.41/S.51: „ ‚Das Psychial’, so ächzte einer von Alaskas Sitznachbarn, ‚ist vollendet.’...’Es wird nun zu Ch’cealo gebracht.’.....’Irgendwann einmal möchte ich nicht nur auf Ch’cealos Straße entlangmarschieren’, flüsterte ein zutiefst ergriffener Olthug in seiner Nähe, ‚sondern selbst Bestandteil der Prozession sein!’ Alaska verstand.“
Ich verstehe auch. Da müssen immer irgendwelche Minderbemittelte in der Nähe Selbstverständlichkeiten laut von sich geben, damit der Protagonist und mit ihm der Leser wieder etwas schlauer werden. Man stelle sich beim WM-Endspiel einen Sitznachbarn vor, der darüber palavert, dass jetzt der Ball ins Aus gekullert ist und dass er jetzt wieder eingeworfen wird und dass er hoffentlich auch zum eigenen Mitspieler geworfen wird. Grauenvoll!! Das ist kein Stilmittel, das ist ein Ärgernis. Wer’s noch nicht glaubt, sei an den Loriot-Sketch über die Skatspieler erinnert.

S.51/52: Kapitel 7 schlug mir beim Lesen das Fass mit der Krone ins Gesicht. Was für ein horrender Blödsinn, der da auf knapp mehr als eine Spalte konzentriert wird. Alaska ist davon bewegt, dass in seiner Erzählung Frau Sambuca endlich auftaucht. Was machen die Zuhörer? Pause. Wie verbringt man eine Pause? Man witzelt über den Vollbart (das bietet sich an, bei Geschichten über Kosmokratenwalzen), tut ein paar Schritte, sitzt nebeneinander wie eh und je, schaut sich seinen Sohn an, plumpst in den Sand oder flammt und irrlichtert. Pause eben. Alaska fängt wieder an zu erzählen, obwohl ‚die meisten seiner Zuhörer’ – nämlich genau höchstens zwei, die anderen sind ja nicht aufgestanden -  gar nicht da sind, von Kant erfahren wir bei der Gelegenheit, dass er längst kein Junge mehr war und Mondra starrt in den sternenübersäten Himmel des Terranovaschirms. Grausig! Die Schilderung von Schablonen, die das tun, was Abziehbildchen eben so tun – ohne Rücksicht auf den Kontext.

So, ich höre auf.
Auf Rechtschreibfehler einzugehen wird mir zu viel, obwohl einige lustige dabei wären.

An die Vereinbarung, Interkosmo in den Heften auf Hochdeutsch wiederzugeben sollte noch mal erinnert werden, wobei ich gar nicht weiß, ob ‚er blickte dem Raumschiff zu“ oder ‚er horchte zu’ dialektische Begriffe oder Rechtschreibfehler sind.

Und mit Fragen des Stils werde ich mich über das oben Gesagte hinaus auch nicht mehr beschäftigen. Es würde zu weit führen.
Möge diese Rubrik jetzt fortführen und ergänzen, wer Lust dazu hat.

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 05. July 2006in die Datenbank eingepflegt

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