Sprachnörgeleien 2222

Zugrunde liegender Roman: Horst Hoffmann - Rendezvous mit der Ewigkeit

Titelbild

Farblich ausgewogen, gelungener ruhiger Bildaufbau, <st> das Motiv leider nicht dem Roman angemessen.
Das besorgt dann die Innenillu – allerdings gleich in hervorragender Weise. <st>

Klasse

S.8: „Die Folgen der Hyperimpedanz waren von übersteigerter Penetranz“
Ääh, Jau! <st>

S.9: „Bau eines dagobertinischen Geldspeichers aus der Barks-Periode“
Na klar, aber gibt es das Modell überhaupt auch aus einer anderen Periode? :-?

S.16: „Wenn du der Expertise eines Bankiers nicht glaubst“
Wunderschöner Spruch im Obdachlosenmilieu. <g>

S.37: „Ja, genau diesen Gesichtsausdruck, Perry. Als hättest du gerade die Antwort auf die dritte Ultimate Frage gehört.“
Sehr plastisch. Der Leser hat ein Bild vor Augen. <st>

S.49: „und kreuzte die beiden Stifte vor dem Gesicht.“
Kein Kommentar, muss man einfach gelesen haben. <st>

Sprachschnitzer

S.16: „Adams ballte die Hände“
Die Fäuste höchstens. Oder die Hände zu Fäusten. <bg>

S.17: „seitdem diese beiden Swoons...“
Jahrzehntelang wurden die Swoon in der Serie ohne Plural-s geschrieben. Irgendwann wurde das geändert und seitdem versetzt es dem sprachbewussten Altleser jedes Mal einen Stich, wenn das überflüssige ‚s’ wieder benutzt wird. Gibt es Leser, die sich der Initiative „Befreit die Swoon von S“ anschließen wollen? :-?

S.17: „ ‚Ich bevorzuge einen autonomen Stuhl’, fragte Bostich.“
Als so wirkliche Frage kann man das eigentlich nicht verstehen. <g>

S.52: „Icho Tolot nahm einen tiefen Atemzug.“
Wem weg? ;-)

S.59: „direkt neben seinem Ruheraum....Er brauchte ihn, um sich zu entspannen, wenn er, wie es so oft vorkam, tagelang ohne Unterbrechung gearbeitet hatte.“
Wenn er tagelang gearbeitet hatte, brauchte auch ein Aktivatorträger eigentlich nicht nur Entspannung sondern eine richtige Mütze voll Schlaf. ;-)

Wie bitte?

S.12: „Adams war viel kleiner als die meisten von ihnen. Er musste die Ellenbogen benutzen, um aus der Zentrale zu gelangen.“
Wäre er größer, hätte er den gleichen Effekt eher durch Bewegungen der Kniegelenke erreicht? ;-)

S.28: „Er hatte das Buch nur diagonal gelesen. Das war normalerweise in Ordnung und durchaus so üblich in Verlagen und Lektoraten. Man nannte das auch extensive reading, nicht zu verwechseln mit excessive reading oder gar dem durch Leser gefürchteten intensive reading.“
Nur gut, dass zumindest PR-Romane auch vor dem intensive reading in der Regel keine Scheu haben müssen. <bg>

Ganz erstaunlich

S.10: „ist nahe der Bahn des Saturnmondes Titan materialisiert“
Etwas, das in das Sonnensystem eindringt, nicht anhand der Planetenbahnen sondern anhand der Bahn eines Mondes zu lokalisieren ist zumindest unpraktisch, da es die Bestimmung der Entfernung zu den inneren Planeten eher verkompliziert als verdeutlicht. :-/

Schlusswort

Die Befürchtung, dass ein Remake von 1111 eigentlich nur schief gehen kann, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. <st>
Der Roman ist sprachlich absolut überzeugend. <st>
Er pendelt die komplizierten Wechselbeziehungen von Reminiszenzen und Absurditäten, von Nostalgie und Albernheit gekonnt aus. <st> <st>
Ein Roman, den man so schnell lesen kann oder sogar muss, dass zum Schluss nur Bedauern über die begrenzte Seitenzahl bleibt. <st>
Sollte man nicht andere Romannummern einfach vorab als ‚Schnapszahl h.c.’ definieren? :-?

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 21. März 2008in die Datenbank eingepflegt

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