Sprachnörgeleien 2208

Zugrunde liegender Roman: Arndt Ellmer - Agentennest Hayok

Titelbild

Nicht unbedingt ansprechend. Die eher langweiligen Figuren hinterlassen einen ziemlich grauen Gesamteindruck, der nur von der noch graueren Innenillu übertroffen wird.
Der Roman enthält wieder Kartenmaterial, diesmal zum Planeten Hayok und es überrascht nicht, dass eine der wichtigsten Örtlichkeiten der Zoo von Vhalaum zu sein scheint.

Klasse

Die Begeisterung beim Fabulieren über alle möglichen Tricks zum Täuschen und Tarnen kommt gut über. <st> <st>
Einige Beispiele:
S.8: „Ein zweites Hologramm simulierte eine geschlossene Tür.“
S.9: „Und  die Stiefelsohlen erzeugten gleichmäßige Kältefelder um die Reibungswärme der Fortbewegung zu neutralisieren.“ B-)
S.9: „Ein Terraner mit seiner Figur hätte sich längst durch Schweiß und Körpergeruch verraten. Bei den meisten Arkoniden waren diese Drüsen nicht so stark entwickelt.“ <g>
S.19: „verwendeten ein supermodernes Lösungsmittel, das selbst molekulare Spuren im metallenen Untergrund beseitigte.“
S.19: „Die neue Farbe besaß eine Alterungskomponente.“
S.20: „In seiner linken Achselhöhle wurde es plötzlich heiß“ :-o
S.32: „ ‚Es ist zu hell hier.’ schmatzte er. Das Hologramm gehörte zu jener Sorte von Lebewesen, die beim Sprechen kaum den Mund bewegten.“ <g>
S.44: „dabei löste sich von der Zunge eine winzige Klebefolie. Sie blieb an der Hand hängen.“
S.48: „eine geheime Tapetentür. Dahinter lag eine Geheimtreppe“ :-O

Wie bitte?

S.8: „Ein starkes Fesselfeld stülpte sich glockenförmig über das Fahrzeug und bannte es an den Boden......Augenblicke später berührten seine Stiefel den Boden des Gleiterplatzes. Geduckt huschte er davon, durchquerte unbemerkt die Prallfeldzone.“
Dem Zusammenhang ist zu entnehmen, dass hier Fesselfeld und Prallfeld gleichgesetzt werden. Aber was auch immer es nun technisch ist: Wieso kann der Gleiterpilot da einfach so durchlaufen und seinen festgesetzten Gleiter in Ruhe alleine stehen lassen? :-?

S.16: „ ‚Rechne einfach die doppelte Zeit, die wir bis jetzt gebraucht haben.’ ‚Die Hälfte der Zeit...mehr ist nicht drin.’ Wenn sie das nicht schafften, konnten sie es gleich bleiben lassen.“
Ein Dialog, der verdächtig ist, den Preis für den Nonsensgipfel zu erringen. Die Hälfte der Zeit von der angekündigten doppelten oder von der bisher gebrauchten? Wie auch immer: Beide Fristen sind doch schon abgelaufen. B-(

S.18/19: „ ‚Mal das ist ein schlechter Witz. Hier verarscht uns jemand.’ ‚Du kannst ihn oder sie sogar namentlich benennen. Es stecken die Kosmokraten dahinter.....Nimm es nicht zu wörtlich, Kant.’“
Warum nicht? Es ist doch wörtlich so gemeint. <g>

S.20: „ ‚Ich übergebe dir jetzt deine persönlichem Kodes. Ohne die bist du über Hayok aufgeschmissen.’ Daran hatte Kantiran bisher nicht gedacht.“
Heilige Einfalt! In welchem Jahrhundert lebt er denn. Ein bisschen Farbe auf das Raumschiff und schon ist man nicht mehr identifizierbar? Raumschiffe werden anhand ihrer elektronischen Kennung – ja sogar nur anhand ihrer Energieemissionen – identifiziert. Weiß dieser Pilot und Kapitän das wirklich nicht? Und dass er selber seine Identität kaschieren muss, ist ihm einfach so entfallen? Nee, wirklich nicht. <sn>

S.51: „Viel wichtiger als den Hohlraum schätzte er die Suche nach den beiden Insassen der DIRICI ein.“
Völlig unlogisch. Er weiß von dem Hohlraum, dass es hier um die Hinterlassenschaften eines technisch weit überlegenen Volkes geht und dass er sehr schnell erfolgreich sein muss, da die Konkurrenten nicht schlafen.  Warum nach der DIRICI und ihren Insassen gefragt wird, ist ihm völlig unbekannt. Ein absoluter Ausnahmefall dürfte solch eine Anfrage nach Personen wohl auch kaum sein. Seine Einschätzung ist also schlicht Unfug. <sn>

S.56: „rannten durch mehrere Kellerräume bis zu einer Rampe, die nach unten führte. Bis hierher waren sie bei ihrer anfänglichen Erkundung vorgedrungen. Was jetzt kam, war Neuland.“
Kein Neuland war es für mich, dass hier wieder einmal ein Punkt erreicht war, an dem ich das Heft in die Ecke feuern wollte. Eine so grenzenlose Blödheit ist doch nicht mehr vermittelbar. Die Beiden sitzen tagelang in einem Hotelzimmer fest, das eine geheime Tür und einen anschließenden Geheimgang hat (an sich schon unglaublich logisch, so sind meine Hotelzimmer auch immer ausstaffiert). Kantiran benutzt diesen Geheimgang aus Langeweile  für Laufübungen (was bei wirklichen Geheimgängen auch eher selten der Fall sein dürfte). Aber Beide sind zu blöd, sich zu vergewissern, ob es von dort überhaupt einen Ausgang gibt, oder ob es sich nur um den Weg zum Weinkeller handelt. Bin ab sofort mit jedem Schicksal für Immanuel und Delta Air einverstanden – sie haben es nicht besser verdient. <sn> <sn>

S.58: „schlichen in der Deckung der Fassaden bis zum Durchgang. Im Licht des roten Sterns Hayok sah Kantiran etwas blitzen, ein winziges Kügelchen hoch über ihnen. ‚Eine Spionsonde!’ ‚Nicht beachten!’“
Eine so einleuchtende Reaktion, dass man als Leser nur noch verzweifeln kann. ‚Was ich nicht seh, tut mir nicht weh.’ Und noch’n Schnaps. :-P

S.59: „Kantiran zog zusätzlich den Miniaturstrahler aus siganesischer Fertigung. Er bediente ihn mit drei Fingern der rechten Hand, ohne die beiden anderen Waffen zu vernachlässigen.“
Spätestens hier merkt der Leser: Wir sind im kabarettistischen Teil. <sn> <übel>
Srachschnitzer


S.6: „Sie wussten nicht, wo sie herauskamen: in der Nähe einer Sonne oder dicht bei einem arkonidischen Kampfschiff. In diesen bangen Sekunden standen alle Möglichkeiten für sie offen.“
Wenn jemandem Möglichkeiten offen stehen, dann hat er das Glück, eine Wahl zwischen ihnen treffen zu können. Genau das haben sie allerdings nicht. Der Deutschlehrer würde einen Ausdrucksfehler notieren. <bg>

S.29: „so dass sie sofort hatten aufbrechen konnten.“
Eine interessante Erweiterung der deutschen Grammatik. Hatten...konnten. Gibt es einen Namensvorschlag für diese Zeitform? :-?

S.34: „Der Roboter steckte die beiden Datenkristalle in ein Lesergerät an der Oberfläche der Tonne.“
Ein Lesegerät hätte es in diesem Fall allerdings auch getan, denn ein außenstehender Leser hat mit dieser Überprüfungsprozedur durch den tonnenförmigen Roboter gar nichts zu tun. :-/

S.55: „Kanti-ran“
Noch eine mögliche Schreibweise für unseren Immanuel. Auf weitere Variationen darf man gespannt sein. Vielleicht auch mal K’Anti-ran? ;-)

S.55: „Er wünschte sich, morgens kämen Gleiter mit einer hochenergetischen Abrissbirne.“
Während ihm die mittags eigentlich weniger recht waren, da störten sie nur seine Siesta. ;-)

S.61: „Über eine Geheimfrequenz, die über ein paar Mäuse und anderes Kleingetier in Etymba lief, schickte er Nachrichten...“
Das hört sich eher nach einer Relaiskette an, die ist aber von der Frequenz eigentlich erst mal unabhängig. }-D

Ganz erstaunlich

S.19: „Vielleicht war es die falsche Entscheidung. Vielleicht stürzte er sich und den Freund damit ins Unglück. Vielleicht führte sie aber gerade diese scheinbar widersprüchliche Absicht weiter.“
Weiter? Wohin? Er hat überhaupt kein definiertes Ziel. Weiter im Sinne des plots? Oh, oh. :-o

S.22 „Die Steine in der Gallenblase schmerzten, diesmal nicht allein von der Aufregung. Es war wohl die eine oder andere Wachtel zu viel gewesen.“
Betroffene und Mediziner vor: Führt der Genuss von zu vielen Wachteln tatsächlich zu schmerzenden Gallensteinen? :-p

Schlusswort
Nachdem im Roman über weite Strecken eine nett zu lesende Entwicklung der Handlungsstränge stattfindet <g>, endet er letztlich mit Ereignissen, die den Flüchtenden unglaubliche Blödheit und den Celistas andererseits beinahe übernatürliche Fähigkeiten zuschreiben. Das macht den Genuss ziemlich zunichte. :-/
Offen bleibt, ob der Feinschmecker seine Meereslasagne mit verregnetem (malmelndem) Rhinozeros tatsächlich wird genießen können. <bg>

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 06. April 2008in die Datenbank eingepflegt

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