Sprachnörgeleien 2201

Zugrunde liegender Roman: Hans Kneifel - Der Arkonidenjäger

Titelbild

Sehr stimmungsvoll. Die Fantasylastigkeit wird durch das Raumschiff fast wieder aufgehoben. <st>

Wie bitte?
S.4: „Im Vakuum meiner Furcht schrie und gellte jedes unerwartete Geräusch“
Nun ist das so eine Sache mit den Geräuschen im Vakuum. <g>

S.11: „Weder...noch meine Geschichtskenntnisse enthielten Hinweise auf gleichartige Vorfälle oder konnten eine solche Gesetzmäßigkeit erklären.“
Was für eine Gesetzmäßigkeit denn auch, wenn es nichts Vergleichbares gab. Und schon gar nicht eine „solche“. :-/

S.20: „schlecht gelaunt und davon überzeugt, dass die GELTAN noch während des Landeanflugs in Trümmern auf den Raumhafen niederhageln würde“
Wenn ich als Passagier wirklich davon überzeugt wäre, dann dürfte ich jemandem, der meine Gefühlslage mit „schlecht gelaunt“ beschreibt, wohl den Vogel zeigen – oder? :.-(

S.37: „Viertels, in dem nach Anbruch der Dunkelheit die Wahrscheinlichkeit um neunzig Prozent zunahm, scheinbar grundlos überfallen zu werden.“
Im Klartext: Sie ist nicht mal doppelt so hoch. Das scheint mir für jedes beliebige Viertel heutiger Großstädte enorm niedrig zu sein. <sn>

S.38: „Bei jedem Schritt bewegte sich sein Mantel, als wollte er sich plötzlich weit öffnen und furchtbare Geheimnisse offenbaren.“
Ein erster Hinweis darauf, dass Shallowain sich als Exhibitionist entpuppen wird? :-=

S.43: „Die Erschöpfung trieb mir das salzige Sekret in die Augen.“
So ein Arkonide hat es aber auch wirklich schwer. Völlig unsinnigerweise tränt er bei Erregung und beeinträchtigt so naturgegebenermaßen seine Fähigkeit, Gefahren zu begegnen. Jetzt kommen aber offensichtlich noch weitere Situationen hinzu, in denen er tränt. Was hat sich die Evolution dabei nur gedacht? :-?

S.44: „spürte ich, wie ich abrupt einschlief“
Das widerspricht dem Wesen des Einschlafens. Man kann höchstens spüren, dass man nun bald einschlafen wird. Bei abruptem Einschlafen dürfte es mit dem Spüren aber nicht klappen. <sn>

Sprachschnitzer

S.8: „Ich hatte mich und dem Freund eine bessere Chance zum Überleben erkauft.“
Ein rätselhafter Satz. Ist das „hatte“ mal Verb im Sinne von „besaß“, mal Hilfsverb für das Verb „erkauft“? Oder bezieht es sich beide Male auf das Verb? Dann stellt sich allerdings die Frage, warum er sich erkauft hatte – und was das überhaupt ist. Oder ist es doch nur eine schlichte Verwechslung von „mir“ und „mich“? Dann aber eine ungewöhnliche, denn das verwechselt man normalerweise andersrum. Verstehste mir? <g>

S.11: „hoffen, dass es nicht noch aussichtsloser wird.“
Eine unschöne Steigerungsform. Etwas kann „beinahe aussichtslos“ sein oder „ziemlich aussichtslos“ aber wenn es denn wirklich aussichtslos ist, dann ist eine Steigerung eigentlich nicht mehr sinnvoll. Man könnte höchstens bekräftigend von „völlig aussichtslos“ sprechen, aber aussichtsloser als aussichtslos ist logisch gesehen eigentlich nicht darstellbar. :-/

S.18: „das Beste, was Arkon derzeit an Weltraumtechologie zu bieten hat“
Kann ja nicht weit her sein mit der Technologie, wenn sie es nicht mal richtig schreiben können. A-)

S.26: „Ich näherte sich mit langen Schritten“
Auf einer schneckenförmigen Kreisbahn von außen nach innen. ;-)

S.41: „die sich hinter einem bruchfälligen Holzzaum zusammengedrängt hatten.“
Zaumzeug aus Holz ist aber irgendwie auch unpraktisch. <bg>

S.45: „Sie hob den Zeigefinger, drei Keller huschten herbei.“
Mit dieser Fähigkeit könnte sie bei jedem beliebigen Tiefbauunternehmen eine grandiose Karriere machen. }-D

S.51: „kauerte auf ein verkleidetes Inspektionsgerüst und überlegte“
Entweder kauerte er „sich“ auf das Gerüst oder er kauerte auf „dem“ Gerüst. :-/

Ganz erstaunlich
S.4: „schäumte das Universum auf“
Schwer vorstellbar, dass sich ein ganzes Universum wie ein cappuccino verhalten soll. <g>

S.9: „hob die Hand, bewegte warnend die Finger“
Wie jetzt konkret? Daumen rauf oder runter oder abwechselnd? Zeigefinger drohend erhoben oder Mittelfinger – nee, besser nicht. Oder Zeige- und Mittelfinger zusammen. Hat irgendwie immer andere Bedeutungen aber nichts wirklich Warnendes. Wie also warnen die Finger? Gibt es das vielleicht in der Tauchersprache? :-?

S.11 und viele andere Seiten: Die arkonidische Zeiteinheit ist Tonta. Sie wird weiter unterteilt nach dem Dezimalsystem, es gibt also Zehnteltontas oder Tausendsteltontas. So weit klar. Aber warum verwenden die Arkoniden für die Bezeichnung dieser Unterteilungen Lateinisch-terranische Bezeichnungen (Dezi, Zenti, Milli)? :-? Das wirkt nicht besonders originalsprachlich. Und echt verwirrend wird es zudem auf S.23, wenn von hundert Dezitontas die Rede ist. Ist das etwas Anderes als zehn Tontas? :-?

S.15: „dass sie sich mit Shallowain offensichtlich hervorragend verstand, ließ seltsame Rückschlüsse zu.“
Wenn sich zwei Menschen verstehen, kann man daraus gegebenenfalls gewisse Rückschlüsse ziehen, aber was soll daran das Seltsame sein? :-/

S.29: „Chaltroa lehnte ihre Hüften an die Tischkante“
Sie lehnte nicht etwa sich an die Kante, sondern ihre Hüften – wohlgemerkt beide. Was sagt das über sie aus? Dass ihre Hüften hinten am Körper angebracht waren? <bg>

Schlusswort
Sprachlich manchmal überdreht, ohne dass Ironie spürbar ist (z. B. S.47: „die verzehrende Glut erfahrener Gliedmaßen“). Die Logik bleibt zugunsten des vorbestimmten Handlungsablaufs permanent auf der Strecke. Ist man aber bereit, sich einfach mit Immanuel zu identifizieren und seinen Erfolg zu wollen, egal wieviel Unsinnigkeiten man dafür in Kauf nehmen muss ( nur mal die Bankszene: schaumstoffverkleideter Springer, keine Anmessung von Deflektorfeldern, Beute unbeaufsichtigt liegenlassen etc, etc) dann kann man auch ganz einfach naiven Spaß an dieser Geschichte haben. <O>

Metadaten

Diese Nörgelei wurde verfasst von Kritikaster

Die aktuelle Version wurde am 13. April 2008in die Datenbank eingepflegt

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